Wittenberger Schmähplastik wird nicht entfernt

Die "Judensau" darf bleiben

Die als "Judensau" bekannte mittelalterliche Schmähplastik bleibt an der Fassade der evangelischen Stadtkirche Wittenberg. Die Entscheidung ist am Dienstagabend bei einer Sitzung des Gemeindekirchenrates gefallen.

Eine als "Judensau" bezeichnete mittelalterliche Schmähskulptur an der Außenwand der Wittenberger Stadtkirche Sankt Marien / © Hendrik Schmidt (dpa)
Eine als "Judensau" bezeichnete mittelalterliche Schmähskulptur an der Außenwand der Wittenberger Stadtkirche Sankt Marien / © Hendrik Schmidt ( dpa )

"Nach einem intensiven Austausch und anfänglich kontroversen Diskussionen sind wir am Ende des Prozesses zu der gemeinsamen Überzeugung gelangt, dass die Stätte der Mahnung als Ganzes erhalten bleiben soll", sagte der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates (GKR), Jörg Bielig, am Mittwoch in Wittenberg.

Der Ort als Mahnstätte

Ende Juli hatte der 2020 vom Gemeindekirchenrat einberufene "Beirat zur Weiterentwicklung der Stätte der Mahnung" die Abnahme der Schmähplastik empfohlen. Man könne sich der Empfehlung jedoch nicht uneingeschränkt anschließen, erklärte der GKR.

Die künstlerische Erweiterung durch das 1988 errichtete Bronzedenkmal, der Zeder und dem erklärenden Text auf einer Tafel in unmittelbarer Nähe wandle den beleidigenden und obszönen Charakter der Schmähplastik. Der Ort werde so zu einer Mahnstätte. Der Bundesgerichtshof habe diese Auffassung bereits im Juni dieses Jahres bestätigt.

Zusätzliche Informationen geplant

In dieser Einheit wendet sich die "Stätte der Mahnung" laut Gemeindekirchenrat als Anklage an die Verursacher aller Formen von Antisemitismus und Antijudaismus. Eine Weiterentwicklung der Mahnstätte solle den Ort direkt mit einbeziehen.

In diesem Sinn folge der Gemeindekirchenrat den Empfehlungen des Beirates, "eine bleibende Kontextualisierung durch ein zeitgemäßes pädagogisches Konzept" zu schaffen. Neben der Überarbeitung der Erklärtafel seien weitere Informationen zu Antijudaismus und Antisemitismus in der Kirche geplant.

Das Stichwort: Die Wittenberger "Judensau"

Das Sandsteinrelief wurde um das Jahr 1300 an der Südfassade der Stadtkirche Wittenberg angebracht. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen sich Menschen laben, die Juden darstellen sollen. Ein Rabbiner blickt dem Tier unter den Schwanz und in den After. Schweine gelten im Judentum als unrein.

Mit solchen Darstellungen sollten Juden im Mittelalter unter anderem davon abgeschreckt werden, sich in der jeweiligen Stadt niederzulassen. Ähnliche Spottplastiken finden sich auch am oder im Kölner und Regensburger Dom sowie am Dom zu Brandenburg.

Antijüdisches Relief in Wittenberg / © Norbert Neetz/epd-bild (KNA)
Antijüdisches Relief in Wittenberg / © Norbert Neetz/epd-bild ( KNA )

Quelle:
epd
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