Kölner Domkantor blickt mit Vorfreude auf Weihnachtskonzerte

"Wir tun alles dafür, dass wir gemeinsam singen können"

Nach Monaten der Probenausfälle freuen sich die vier Kölner Domchöre endlich wieder aufzutreten. Am Dienstagabend findet das traditionelle Adventskonzert des Mädchenchors mit dem Kölner Domchor statt - auch live auf DOMRADIO.DE.

Endlich wieder einmal am Dreikönigenschrein auftreten - darauf freut sich der Mädchenchor / © Beatrice Tomasetti (DR)
Endlich wieder einmal am Dreikönigenschrein auftreten - darauf freut sich der Mädchenchor / © Beatrice Tomasetti ( DR )

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist es für Ihren Chor, dass die Mädchen wieder ein Konzert im Dom singen können?

Oliver Sperling (Domkantor und Leiter des Mädchenchores am Kölner Dom): Der Dom ist so etwas wie unser Zuhause, was die Gottesdienste angeht, aber auch die Konzerte. Es gehört zur Identität eines jeden Chorsängers und jeder Sängerin, das im Dom zu erleben, insbesondere natürlich in der Vorweihnachtszeit und an Weihnachten. Das Konzert am Dienstagabend ist ein Traditionskonzert, das wir seit einigen Jahren mit dem Domchor und Mädchenchor zusammen machen. Dass es stattfinden kann, ist für uns ein großes Glück und wir tun alles dafür, dass wir gemeinsam singen können.

DOMRADIO.DE: Werden die Chorgruppen wegen Corona strikt getrennt?

Sperling: Ja, der Domchor singt an einem Standort und der Mädchenchor an einem anderen. Es gibt auch keinen gemeinsamen Kanon, den wir sonst beim Laufen gemeinsam singen. Alles passiert an den beiden festen Positionen.

DOMRADIO.DE: Was sind die Highlights, auf die sich das Publikum im Dom, aber auch die User bei DOMRADIO.DE freuen dürfen?

Sperling: Ich glaube Highlights sind die Programmpunkte, die man in jedem Jahr erwartet. Ich verrate nichts Neues, wenn wir gegen Ende des Abends mit der großen Orgel "Hark! The Herald Angels Sing" singen werden. Das hat einfach mit Emotionen zu tun. Diese Emotionen in diesem Jahr nicht stattfinden zu lassen, wäre von uns Chorleitern das Falscheste, was man machen kann. Das heißt wir werden Bekanntes wieder aufleben lassen, was im letzten Jahr nicht zum Vorschein kommen konnte, aber auch Neues im Programm haben. Außerdem hat jeder Chor sein eigenes Profil und hat seine eigenen kleinen Highlights. Es gibt auf jeden Fall Musik von John Rutter - der gehört zur Weihnachtszeit bei uns einfach dazu.

DOMRADIO.DE: Die Kölner Dommusik hat sich wegen Corona lange einschränken müssen. Wie kommen Sie aktuell durch die aktuelle vierte Welle?

Sperling: Hier muss man deutlich unterscheiden. Zum einen hat der Stimmbruch bei den Knaben des Domchores andere Auswirkungen als bei den Mädchen. Das hat der Kapellmeister Eberhard Metternich in jedem Jahr zu bewältigen. Aber aufgrund von Corona sind die Erfahrungen der Sänger ausgeblieben. Das heißt durch den Ausfall der Proben - oder das ausschließliche Online-Proben - ist die Forderung der Stimme und das Repertoire weit zurückgeblieben. Darauf kann man nicht mehr zurückgreifen. Bei den Mädchen habe ich das etwas auffangen können, indem ich die große Zahl der Mädchen in drei Gruppen einteilen konnte.

Vor einem Jahr haben wir so in der Turnhalle geprobt. Inzwischen haben wir einen neuen Chorsaal. In unserem neuen Gebäude kann Eberhard Metternich mit dem Domchor in der großen Aula proben und wir im sogenannten Chorsaal 1. Unter diesen Bedingungen sind wir relativ gut durch die Zeit gekommen oder zumindest besser als manch andere. Bei uns ging es vor allem darum, möglichst alle dabei zu behalten.

DOMRADIO.DE: Für die Mädchen und Jungs ist das Singen an und um Weihnachten im Kölner Dom etwas ganz Besonderes. Was ist da für die Feiertage geplant?

Sperling: Unter den Bedingungen, die wir für Chöre gerade haben, können wir die Gottesdienste so gestalten wie sonst auch. Im Dom haben wir im Südquerhaus ein großes Podium, auf dem wir quasi alleine agieren können - in der Christmette mit den älteren Mädchen und den Männerstimmen, am ersten Weihnachtstag traditionell der Kölner Domchor und am zweiten Weihnachtstag der Mädchenchor. Das Programm haben wir etwas adaptiert. Für die Christmette haben wir jetzt einen anderen Weg gewählt. Bei der Christmette werden wir, wie sonst auch immer, eine halbe Stunde früher um 23:30 die Einstimmung mit Chorgesang, Bläsern, Musik und Orgelmusik machen können. Auch darauf freuen wir uns sehr.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Dienstag ab 20 Uhr überträgt DOMRADIO.DE das Adventskonzert im Kölner Dom mit dem Kölner Domchor und dem Mädchenchor in Ton und Bild.

Oliver Sperling / © Beatrice Tomasetti (DR)
Oliver Sperling / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR