Ein Adventsanruf bei Bischof Bahlmann in Brasilien

"Wir sitzen alle in einem Boot"

Keine Frage: Die Klischeevorstellung von weißer Weihnacht ist in Brasilien ganz weit weg. Aber es gibt noch andere Gründe, weswegen der aus Deutschland stammende Bischof Johannes Bahlmann gerade an ganz andere Dinge denkt.

Bernardo Johannes Bahlmann, Bischof von Obidos (Brasilien) / © Harald Oppitz (KNA)
Bernardo Johannes Bahlmann, Bischof von Obidos (Brasilien) / © Harald Oppitz ( KNA )

Nein, nach feierlicher Weihnachtsstimmung ist dem katholischen Bischof Johannes Bahlmann derzeit nicht zu Mute: Zwei Mitarbeiterinnen seiner Diözese Obidos im brasilianischen Amazonasgebiet sind gerade bei einem Autounglück ums Leben gekommen, ein Priester an Corona gestorben. "Das hat die Diözese in Schockzustand versetzt", sagt der aus Niedersachsen stammende Bischof.

Weihnachtszeit am Amazonas

Seit zehn Jahren leitet der 60-Jährige das Bistum im Norden Brasiliens, das am Ufer des Amazonas im Bundesstaat Para liegt und eines der größten des Landes ist. Die ländliche, größtenteils von Dschungel bedeckte Region gehört zu den konfliktreichsten Brasiliens. Der Staat ist weit weg und die Infrastruktur prekär. Großgrundbesitzer, Holzfäller und Viehzüchter geben den Ton an.

Weihnachten am Amazonas - bei Temperaturen um die 30 Grad und schwüler Hitze ist der Bedarf, es sich in den Häusern und Wohnungen gemütlich zu machen, eher gering. Die Menschen sind normalerweise auf der Straße, treffen sich in Restaurants und Bars. Doch in Corona-Zeiten gilt auch dort die Aufforderung: "Bleibt zu Hause, feiert in Euren Familien" berichtet der Bischof. Das Virus habe sich in der Region zuletzt sehr schnell ausgebreitet - auch, weil es bei vielen Menschen an Disziplin fehlte und weil Regeln zum Maskentragen oder Abstandhalten oft nicht kontrolliert wurden.

"Wir sitzen alle in einem Boot"

Das Unglück, die Corona-Epidemie und auch die Landkonflikte in seiner Diözese will der Bischof, den alle Dom Bernardo nennen, auch in seiner Weihnachtspredigt aufnehmen. Die Pandemie zeige: "Wir sitzen alle in einem Boot", sagt er. Weihnachten, das bedeutet für ihn, dass Gott sich auf die Menschen neu eingelassen habe und ihnen durch Jesus nah sei - gerade in den Katastrophen und Notsituationen.

Auch die Kirche muss zu den Menschen gehen, nicht umgekehrt, zitiert der Bischof Papst Franziskus. Und so reist er manchmal tagelang mit Booten über die Flüsse der Region. Auch dank seines Einsatzes fährt seit 2019 ein Hospital-Schiff mit rund 30 Ärzten und Krankenpflegern an Bord auf dem Amazonas und seinen Zuflüssen. Die "Papa Francisco" bringt medizinische Versorgung an Orte, an denen die Menschen zuvor häufig noch nie einen Arzt gesehen haben.

Obidos

Das Weihnachtsfest selbst will Bahlmann allerdings in seiner Bischofsstadt verbringen. Obidos hat 50.000 Einwohner und wurde 1697 von den portugiesischen Eroberern gegründet - an der engsten Stelle des gesamten Amazonas. Der Fluss ist hier nur rund zwei Kilometer breit, wie Bahlmann berichtet.

Reisende, die sich auf Obidos zubewegten, fühlten sich wegen der geografischen Lage der Stadt zwischen Hügeln und Fluss und ihrer Kolonialarchitektur immer wieder an eine malerische Weihnachtskrippe erinnert, berichtet der Franziskaner. Bahlmann nimmt das auf, verändert aber die Perspektive: Die Weihnachtskrippe in seiner Kathedrale zeigt Gebäude, Ereignisse und Persönlichkeiten der Stadt. "Jesus ist auch bei uns geboren", so seine Botschaft. "Gott ist präsent in unserem Leben."

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA
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