Wie unser Redaktions-Team den Tod von Papst Franziskus erlebt hat

"Stopp, haltet den Bus an"

Vor einem Jahr ist Papst Franziskus gestorben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von DOMRADIO.DE sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DOMRADIO.DE-Fanreise nach Rom berichten, wie sie den 21. April 2025 erlebt haben.

Gebet für Papst Franziskus / © Nicolas Ottersbach (DR)
Gebet für Papst Franziskus / © Nicolas Ottersbach ( DR )
Johannes Schröer / © Nicolas Otr (DR)
Johannes Schröer / © Nicolas Otr ( DR )

Aus allen Teilen Deutschlands ist die Familie angereist – zum Familientreffen an Ostern in Köln. Am Ostermontag, dem 21. April 2025, sitzen alle am Frühstückstisch. Dann klingelt das Handy. Erster Impuls: "Was soll's Ich gehe nicht ran, Familie geht vor, was soll schon sein?" Doch dann explodiert das WhatsApp-Fach: "Der Papst ist gestorben". Die DOMRADIO.DE-Kollegen, Radio Vatican, die Aktuelle Stunde des WDR … – alle melden sich, fragen nach ersten Reaktionen von DOMRADIO.DE und aus dem Erzbistum. Kaum zu glauben, gestern noch hat Papst Franziskus auf der Loggia gesessen und den Ostersegen erteilt. Dass er sehr krank war, konnte man da erleben – aber dass er so bald sterben würde …? 

"So, liebe Familie, ich muss los, tut mir leid, es war schön mit euch, aber jetzt muss ich in die Redaktion". Vollstes Verständnis bei allen. Ich schwinge mich auf das Fahrrad und bin in zehn Minuten im DOMRADIO. Da ist schon ordentlich was los. Wer nicht gerade in der weiten Welt unterwegs ist, kommt in den Sender. Wir sprechen ab, dass Chefredakteur Renardo Schlegelmilch die Anfragen der WDR-TV-Redaktion übernimmt. Schnell richten wir einen Telefondienst ein und verteilen die Aufgaben. Das Team arbeitet Hand in Hand, viel Hektik, aber ich empfinde die Arbeit auch als tröstlich. Papst Franziskus ist gestorben und wir tun alles, damit über sein Leben und Sterben würdig und auch andächtig berichtet wird.

Johannes Schröer (stellvertretender Chefredakteur)

Mathias Peter / © Martin Biallas (DR)
Mathias Peter / © Martin Biallas ( DR )

"Ich glaube, das wird ein ruhiger Tag heute!" – Als Online-Schlussredakteur hat man normalerweise einen Plan für den Tag, hat im Blick, welche Artikel und Videos im Laufe des Tages auf die Homepage von DOMRADIO.DE kommen werden. An Ostern 2025 war ich besagter Schlussredakteur. So fieberte ich am Ostersonntag im Homeoffice bei der Übertragung aus Rom mit, wie sich Papst Franziskus durch den verkürzten "Urbi et orbi"-Segen quälte, dann aber mit fröhlicher Miene mit dem Papamobil noch einmal den Kontakt zu den Gläubigen auf dem Petersplatz suchte. Auch wenn er sehr angegriffen aussah, dachte ich, dass der nächste Tag ein "ruhiger" werden würde. 

Ich startete am Ostermontag wie üblich um kurz vor neun Uhr im Homeoffice, alles war vorbereitet, was vorzubereiten war. Dann auf einmal die Eilmeldung "Papst Franziskus ist tot". Ein paar Sekunden schaute ich auf den Bildschirm, dachte sofort an seine letzte Fahrt im Papamobil und wie sehr das zu Franziskus passt, dass er bis zum Schluss die Nähe zu den Gläubigen suchte. Nach diesem kurzen Moment des Innehaltens wurde dann der Ostermontag alles andere als ruhig. Ich fuhr in die Redaktion, in der viele andere Kolleginnen und Kollegen dazukamen. Zwölf Jahre war Franziskus ein ganz wichtiger Teil unserer Berichterstattung gewesen; verwirrte, verärgerte, begeisterte die Gläubigen mit seiner unnachahmlichen Art. Dass er ausgerechnet an Ostern, dem Fest der Auferstehung, starb, das fand ich in aller Hektik der Berichterstattung an diesem Tag einen sehr tröstlichen Gedanken.

Mathias Peter (Redakteur)

Sonja Geus (DR)
Sonja Geus / ( DR )

"Stopp, haltet den Bus an! Der Papst ist tot!" – Das war mein erster Satz, nachdem mich die Nachricht vom Tod von Papst Franziskus erreicht hatte. Eigentlich waren wir auf dem Weg zum Flughafen. 

Die gemeinsame Fanreise mit Hörerinnen und Hörern nach Rom war so gut wie vorbei. In den letzten Tagen hatten wir die Kar- und Ostertage zusammen gefeiert und Rom erkundet. Nur das Ende der Reise hatte sich jeder anders vorgestellt. 

Auch wenn schon beim letzten Urbi et Orbi eine ganz besondere und einzigartige Stimmung vorhanden war. Dieses letzte, hauchdünne "Amen", der Papst, der noch einmal durch die Menge gefahren ist. Man spürte, dieser Tag lag dem Papst am Herzen, er wollte mitfeiern. Und am nächsten Tag? "Stopp, haltet den Bus an! Der Papst ist tot!" – Danach bedrückte Stimmung im Bus und ich telefonierte mit Köln.

Was soll ich tun? In Rom bleiben, war die Antwort, und damit starteten die verrücktesten und eindrucksvollsten Tage meines Lebens. 

Ich bin an der nächsten Bushaltestelle ausgestiegen, mit Koffer in Richtung Petersplatz gerannt und habe dann die Glocken gehört. Die Nachricht war noch nicht bei allen angekommen. Eigentlich war es ein normaler Tag, nur die Glocke hat nicht gepasst. Danach folgten Aufsager für die Redaktion, stündliche Updates im Radio und Interviews mit Gläubigen vor Ort. Bis spätabends habe ich den Petersplatz nicht verlassen und gesehen, wie sich ein normales Osterfest in ein Weltereignis verwandelt hat. 

Die nächsten Tage waren dann von vielen Stunden auf dem Petersplatz geprägt, man spürte und sah immer größere Anteilnahme. Trauernde Gläubige, Rosenkranzgebete für den Verstorbenen und viele Stimmen, dankbare Stimmen, die des Papstes gedenken wollten. Und auf dem gleichen Platz, auf der anderen Seite, ein immer wachsender Ansturm der Medien, egal ob weltlich oder religiös, jeder schaute hin. Zwischen Absprachen und weiteren Bekanntmachungen zum Ablauf der Beerdigung führte ich viele Gespräche und merkte, welchen Einfluss der Papst hatte.

Vom Petersdom zu Santa Maria Maggiore, vom Pressesprecher zum Koordinator der Beisetzung in Santa Maria Maggiore, Rolandas Kardinal Makrickas, und mittendrin ich. Ich habe Menschen gehört, Sachen erlebt, die ich nie wieder vergessen werde. 

Und das alles, weil ein Mensch gestorben ist.

Sonja Geus (PR und Redakteurin)

Vor genau einem Jahr habe ich noch den letzten "Urbi et Orbi" von Papst Franziskus erlebt. Ich durfte seinen Segen empfangen und ihn durch die Menge fahren sehen – in diesem Moment habe ich ganz tief gespürt, was es heißt, Franziskaner zu sein.

Auf dem Rückweg von der Ostermesse bin ich gestürzt und habe mir den Fuß umgeknickt. Im Nachhinein fühlt es sich an, als wäre sein irdisches Leben da schon leise zu Ende gegangen.

Ein trauriges, zugleich unendlich glückliches und bleibendes Erlebnis, das mich bis heute berührt.

Sabine (Teilnehmerin der Fanreise)

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DOMRADIO.DE-Fanreise 2025 auf dem Petersplatz (DR)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DOMRADIO.DE-Fanreise 2025 auf dem Petersplatz / ( DR )

Ja, heute Morgen um 10 Uhr gingen unsere Gedanken auch zurück. Wir dachten, heute vor einem Jahr waren wir schon auf dem Petersplatz und erlebten erst ein wunderschönes Halleluja von Händel, das über den ganzen Platz schallte und uns auf die Messe mit so vielen Menschen einstimmte. 

Der Satz von Willibert Pauels "Was haben wir doch für einen wunderbaren Glauben" passt da hundertprozentig.

Dann, nach hoffnungsvollem Warten, kam Papst Franziskus tatsächlich noch und spendete den Segen – und dann auch noch seine letzte Fahrt durch die Menschenmenge. Ja, am nächsten Tag, als wir erfuhren, er ist gestorben, war das alles wie eine Verabschiedung seinerseits.

Sehr berührt hat uns das Bild von der Kuppel des Petersdomes, das ja wohl etwa zu der Zeit seines Hinüberscheidens ins neue Leben entstanden ist. Es ist ja immer noch unser Symbol im Status der WhatsApp-Gruppe. Dafür wirklich herzlichen Dank. 

Solche Erlebnisse stärken uns im Glauben.

Leo und Elfi (Teilnehmer der Fanreise)

Jan Hendrik Stens / © Nicolas Ottersbach (DR)
Jan Hendrik Stens / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Ostermontag beginnt für mich gewöhnlich etwas später. Die Choralschola singt erst am späten Vormittag, also bleibt Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, ruhige Handgriffe, ein gemächlicher Start in den Tag. Meine Frau hatte bereits den Fernseher eingeschaltet; aus dem Kölner Dom wurde das Pontifikalamt übertragen.

Dann, abrupt, die Unterbrechung: Eilmeldung. Papst Franziskus ist tot.

Ein Moment des Innehaltens – und sofort Planwechsel. Der Griff zum Telefon, ein kurzes Gespräch mit dem Chefredakteur, die Bitte, umgehend in die Redaktion zu kommen. Eine schnelle Nachricht an den Kantor: "Papst Franziskus ist tot. Ich fahre in die Redaktion und falle daher scholamäßig aus." – Dann aufs Fahrrad, Richtung Innenstadt.

Schon ab Höhenberg, von wo aus ich immer zum ersten Mal die Spitzen der Domtürme sehe, war sie zu hören: die Petersglocke. Ihr tiefer, schwerer Klang legte sich über die Straßen und begleitete mich durch die Stadt, als würde er die Nachricht selbst tragen. Am Dom angekommen, sah ich viele Touristen, denen offensichtlich die Situation noch nicht klar war.

Der Tag verlor seine österliche Leichtigkeit und bekam eine andere Schwere, die aber auch wiederum tröstlich war. Ich verbrachte ihn schließlich in der Redaktion, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen – bis er am Abend dort endete, wo er am Morgen hätte beginnen sollen: in der Messe, im Klang der Glocken, die österlich läuteten.

Jan Hendrik Stens (Redakteur)

Renardo Schlegelmilch / © Beatrice Tomasetti (DR)
Renardo Schlegelmilch / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Ostermontag sollte endlich mal ein ruhiger Tag werden! Neben den üblichen Arbeiten, die bei uns in der Redaktion über Ostern anfallen, hat der Abend vor dem Tod des Papstes noch einen ganz anderen Fokus gehabt, an den jetzt kaum jemand mehr denkt. Am Ostersonntag um 21 Uhr wurde die neue Außenbeleuchtung des Kölner Domes eingeweiht. Große Pressekonferenz mit Dompropst und Oberbürgermeisterin. Ich habe den Termin für uns abgedeckt, saß bis 1 Uhr nachts noch an Artikel und Radiobeitrag. Immer mit dem Gedanken: Morgen kannst du ausschlafen, da wird’s ruhig. 

Nach dem Frühstück am Ostermontag habe ich mir als Projekt vorgenommen, ein Modellflugzeug zu bauen. Ich saß am Basteltisch, aus die Eilmeldung der Tagesschau aufs Handy kam: Der Papst ist tot. Von einem Moment zum nächsten stand ich dann völlig unter Strom: Für diesen Tag haben wir Tage, Wochen, Monate trainiert. Alle Abläufe waren klar. Wer ruft wann, wen, wo an? Wer nimmt was in die Hand? Ab jetzt hat unsere Redaktion wie eine gut geölte Maschine funktioniert. Oder wie ich das damals oft gesagt haben: Für uns ist das jetzt das, was für Sportreporter einmal alle vier Jahre die Fußball-WM ist.

Renardo Schlegelmilch (Chefredakteur)

Letzter Wille des Papstes im Wortlaut: „Testament des Heiligen Vaters Franziskus“ in deutscher Übersetzung

Der Vatikan hat am Montagabend das Testament von Papst Franziskus veröffentlicht. Verfasst hatte dieser den Text bereits im Sommer 2022 - unterschrieben am Festtag Peter und Paul am 29. Juni. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert den Text in eigener Übersetzung:

Testament des Heiligen Vaters Franziskus

Miserando atque Eligendo (dt. Aus Barmherzigkeit erwählt)

Trauer um Papst Franziskus / © Nicolas Ottersbach (DR)
Trauer um Papst Franziskus / © Nicolas Ottersbach ( DR )
Quelle:
DR

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