Wie sich Johannes Hartl die Auferstehung vorstellt

"Das Beste wartet noch auf uns"

An Ostern feiern die Christen die Auferstehung. Das ist nicht das Happy End der Jesus-Geschichte, sondern der Beginn von etwas radikal Neuem, die zentrale Botschaft des Evangeliums. Doch wie kann man sich diese Auferstehung vorstellen?

Autor/in:
Ina Rottscheidt
Anzünden von Kerzen in der Kirche / © Julia Steinbrecht (KNA)
Anzünden von Kerzen in der Kirche / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Ein Mensch stirbt, er wird sogar hingerichtet und danach wieder lebendig: Umfragen zufolge fällt es selbst vielen Christen schwer, an die leibliche Auferstehung – und so steht es im Evangelium – zu glauben. Sie glauben an Gott und gehen in die Kirche, aber die Auferstehung halten sie für nicht begreiflich. Wie würden Sie es ihnen erklären?

Dr. Johannes Hartl (Theologe und Gründer des Gebetshauses Augsburg): Das muss man ernst nehmen, aber die Frage ist doch: Endet die Realität mit dem, was ich mir vorstellen kann, oder nicht? Ich glaube, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als das, was wir mit unserem naturwissenschaftlichen Verstand erklären können, und deswegen halte ich eine Auferstehung auf jeden Fall für möglich.

Johannes Hartl, Theologe und Leiter des Gebetshauses Augsburg, spricht während der Mehr-Konferenz am 5. Januar 2024 in Augsburg / © Christopher Beschnitt/KNA (KNA)
Johannes Hartl, Theologe und Leiter des Gebetshauses Augsburg, spricht während der Mehr-Konferenz am 5. Januar 2024 in Augsburg / © Christopher Beschnitt/KNA ( KNA )
Johannes Hartl

DOMRADIO.DE: Der Mensch versucht immer, sich ein Bild zu machen. Wie stellen Sie sich die Auferstehung vor?

Hartl: Ich lese die biblischen Berichte wie historische Berichte, denn es sind keine Märchen. Dass Jesus Christus gelebt hat und gekreuzigt wurde, ist historisch unstrittig und gut belegt. Jetzt kann man fragen: Und wo ist sein Grab? Warum wird bis heute ein leeres Grab von Jesus verehrt? Und warum konnte sich aus dieser kleinen Schar von verängstigten Jüngern eines gekreuzigten Messias eine Bewegung entwickeln, die das Römische Reich buchstäblich in seinen Grundfesten erschüttert hat? 

Das ruft rein historisch nach einer Erklärung. Es fordert unser Denken zwar heraus, aber die Auferstehung Jesu ist tatsächlich die plausibelste Erklärung. Alle anderen alternativen Theorien halte ich für unglaubwürdiger.

DOMRADIO.DE: Und welche Vorstellung haben Sie persönlich von der Auferstehung?

Johannes Hartl

"Ich glaube, dass das, was auf uns wartet, wirklich etwas ganz Wunderbares ist."

Hartl: Wie wenn man unser Leben mit einem Weizenkorn oder dem Samen eines Baumes vergleicht: Dann ist das ewige Leben der ganze Baum. Ich stelle mir die Auferstehung als realer, noch echter vor. Das deckt sich mit dem, was viele Menschen erzählen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben. Viele kommen zurück und sagen: "Hey, es wird gut und es ist nicht so schlimm, dass wir sterben müssen. Es ist nur ein Übergang". 

Ich glaube, dass das, was auf uns wartet, wirklich etwas ganz Wunderbares ist. Und dass menschliche Liebe, die Schönheit der Natur, die Kunst, alles Glück, was wir hier auf der Erde haben, wirklich nur eine verminderte Version von dem Echten ist. Das ist die Perspektive.

Es ist nicht so sehr die Frage, ob ich meine Oma wiedersehe. Das glaube ich schon, aber es klingt, als ob ich darauf hoffe, aus dieser Welt etwas in die nächste Welt mitnehmen zu können. Ich glaube, es ist anders: Das Beste wartet noch auf uns. Die eigentliche große Realität, auf die wir zugehen, ist viel eindrucksvoller und bedeutsamer als der kleine Ausschnitt, den wir hier jetzt gerade erleben. So stelle ich es mir vor.

DOMRADIO.DE: Es heißt aber auch, dass Gott nach dem Tod über uns alle richten wird. Müssen wir davor Angst haben, dass er dann wie ein Buchhalter die guten und die bösen Taten jedes Einzelnen gewichtet?

Hartl: Zunächst ist die christliche Botschaft, dass wir nicht durch unser eigenes Gutsein errettet werden, sondern durch die Gnade, weil Jesus unsere Sünden getragen hat. Das ist auch die Osterbotschaft.

Aber ein bisschen erschrecken sollten wir schon bei dem Gedanken, dass im Gericht oder im Tod alles ans Licht kommt. Wer diesen Gedanken ignoriert, der macht es sich zu leicht: Wir sind verantwortlich für unser Leben und jeder Mensch ist fehlbar. Wenn die Hoffnung einzig darauf basiert, dass Gott mich in den Himmel lässt, weil ich ein guter Mensch war, dann haben wir allen Grund, Angst zu haben. Aber mich tröstet der Blick auf den gekreuzigten und auferstandenen Jesus. Er wurde zusammen mit zwei Verbrechern gekreuzigt und einer der beiden sagte: "Jesus, denk an mich, wenn du im Paradies bist!" Und Jesus antwortete: "Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein!"

Darum ruht meine Hoffnung nicht auf meinen eigenen guten Werken, sondern auf Jesus. Dann kann man das Gericht Gottes immer noch ernst nehmen, aber man muss keine Angst davor haben.

DOMRADIO.DE: Klingt nach einem Freifahrtschein.

Hartl: Heutzutage ist der Glaube an einen richtenden Gott unmodern. Aber man muss auch an die Opfer denken. Wenn ich zum Beispiel an die Epstein-Files denke: Epstein ist tot. Und zurückbleiben die vielen Mädchen und Kinder, die er missbraucht hat und die keine Gerechtigkeit finden, weil er nicht mehr belangt werden kann. Die Vorstellung, dass Gott einfach darüber hinwegsieht, finde ich nicht tröstlich. Ich hoffe schon, dass Gott auf der Seite der Opfer der Geschichte steht.

Darum sollte man sich schon etwas sorgen, mit Blick auf unsere eigene Fehlbarkeit. Und ich glaube, erst wenn wir dieses Erschrecken vor Gottes Gericht haben, dann macht die Botschaft von der Erlösung am Kreuz Jesu überhaupt Sinn. Sonst wäre es tatsächlich wie ein billiger Freifahrtschein.

DOMRADIO.DE: Und was bedeutet das für das Diesseits?

Hartl: Das bedeutet, dass ich danach streben sollte, Jesus nachzufolgen und ein guter Mensch zu sein. Und dass, wenn ich daran fehlgehe, zu ihm umkehre. Dafür gibt es die Beichte, die simple Bitte um Umkehr. Ich persönlich merke, dass das mein Leben nach und nach verändert. Man wird feinfühliger, auch wenn man andere Menschen verletzt. Das ist das, was die christliche Theologie "Heiligung" oder "Nachfolge Christi" nennt: dass man versucht, ihn durch seine eigenen Taten auch zu imitieren, ihm nachzugehen.

DOMRADIO.DE: In der Ostergeschichte heißt es aber auch, dass Gott seinen Sohn hat sterben lassen, weil er die Menschen so sehr liebte. Ein Vater opfert seinen Sohn – Sie sind selbst Vater. Das klingt schwer vorstellbar – können Sie das erklären?

Johannes Hartl

"Dass Gott seinen Sohn gibt, drückt den Teil der schenkenden Liebe Gottes aus. "

Hartl: Die Bibel gibt unterschiedliche Bilder für dieses Geschehen am Kreuz. Und dieses Bild, dass Gott den Sohn opfert, kommt wirklich nur am Rande vor. Genauso oft kommt vor, dass Christus aus Liebe sein Leben hingegeben hat.

Wir glauben an die Dreifaltigkeit. Das heißt, es ist nicht ein Vater, der sagt: "Du musst jetzt sterben." Sondern es ist der gleiche Gott, der sagt: "Ich nehme dieses Leiden freiwillig auf mich." Sonst wäre es ein missbräuchlicher Vater. Und dass Gott seinen Sohn gibt, drückt den Teil der schenkenden Liebe Gottes aus. Dass Gott das Kostbarste, was er hat, zur Erlösung der Welt schenkt. Aber wir sollten das keinesfalls als einen Vater verstehen, der seinen Sohn ins Verderben schickt. Das wäre eine Überstrapazierung des Bildes von der Erlösung.

DOMRADIO.DE: Derzeit gibt es viele Kriege und Krisen, die die Menschen verunsichern. Hilft Ihnen der Gedanke der Auferstehung dabei, durch diese Zeiten zu kommen?

Johannes Hartl

"Wenn man mit dem Tod konfrontiert wird, stellt sich absolut radikal die Frage: Gibt es da noch mehr oder war das alles?"

Hartl: Ja, sogar extrem. Und ich lebe nicht in einem Kriegsgebiet, sondern im sicheren Deutschland. Aber ich glaube, wenn man mit dem Tod konfrontiert wird, stellt sich absolut radikal die Frage: Gibt es da noch mehr oder war das alles? Dabei denke ich an die jungen Männer, die in der Ukraine oder in anderen Kriegen sterben müssen.

Wenn alles, was es gibt, nur diese paar Jahre auf der Erde ist, dann ist es eine ganz trostlose Vorstellung. Darum sind in der Ukraine die Kirchen voll und das hat einen Grund: Der christliche Glaube vermittelt Trost im Angesicht des Todes. Darum begründe ich meine Zuversicht und ich bete, dass wir keinen Krieg erleben und dass ich und meine Familie kein Leid erleben müssen. Das ist der Glaube, der mich trägt im Angesicht des Leidens. Davon bin ich überzeugt.

DOMRADIO.DE: Und wie feiern Sie persönlich Ostern?

Hartl: Überwiegend in der Familie und mit unseren vier Kindern, denn wir lieben Ostern. Wir haben zum Glück sehr schöne Gottesdienste hier in Augsburg, die wir besuchen. Wir haben als Familie und auch als Gebetshaus das Ritual, dass wir auch einen Sederabend feiern. Dieses Jahr hat das jüdische Pessach-Fest am 1. April begonnen. Am Vorabend haben wir das an der Seite unseres großen Bruders, den Juden, mit Matzenbrot und allem, was dazu gehört, gefeiert.

Und wir haben als Familie noch ein paar kleine Zusatzrituale: Zum Beispiel haben wir am Abend von Karfreitag eine Liturgie von der Grablegung begangen, so wie es das in der orthodoxen Tradition gibt. Das ist auch für Kinder schön, weil man mit Kerzen und Blumen ein kleines heiliges Grab schmückt. Wir feiern diese liturgischen Zeiten als Familie sehr intensiv und alle finden das richtig schön – auch die Osternacht mit dem "Lumen Christi" und dem feierlichen Osteressen. Ostern ist ein strahlendes und schönes Familienfest, finde ich.

DOMRADIO.DE: Und gibt es bei Ihnen auch bemalte Eier und Osterhasen?

Hartl: Tatsächlich haben wir das gemacht, als die Kinder noch kleiner waren. Aber unsere jüngste Tochter, die jetzt immerhin auch schon 13 ist, wünscht sich das für dieses Jahr noch ein letztes Mal, dass wir gemeinsam zum letzten Mal Ostereier suchen. Bei uns kommt also auch der Osterhase.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

Ostern

An Ostern feiern Christen ihr wichtigstes Fest: die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament ihres Glaubens. Kerngehalt ist, "dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst über den Tod siegen wird", so der katholische Katechismus.

Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Osterkerzen / © Harald Oppitz (KNA)
Osterkerzen / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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