Mentaltrainer Kadel will Zuversicht trotz Corona vermitteln

Wie Filme, Fußball und Glaube in der Krise helfen

"Stark im Kopf, statt Kopf in den Sand", so ist das Motto von Mentalcoach David Kadel. Normalerweise macht er Fußballprofis fit, doch die Corona-Krise stoppte auch seinen Einsatz. Dennoch schaut er nach vorne und will, dass dies mehr Menschen tun.

Fußball spielen verbindet / © Gelnar Tavador (shutterstock)
Fußball spielen verbindet / © Gelnar Tavador ( shutterstock )

Katholische Nachrichtenagentur (KNA): Herr Kadel, als Mentaltrainer helfen Sie in Krisen. Wie blicken Sie auf die Corona-Lage?

David Kadel (Mentalcoach): Ich empfinde die vergangenen Tage viel zu negativ. Es wird davon gesprochen, dass die Einschläge spürbar näherkommen. Wir haben doch schon alle ein bisschen Schiss, einige haben vieles verloren. Es braucht jetzt unbedingt Mutmacher - Leute, die Perspektive geben und Hoffnung verbreiten. Menschen, die dazu inspirieren, anders über das Ganze nachzudenken. Martin Luther hat einst gesagt: "Du kannst nicht verhindern, dass ein Sorgenvogel auf deinem Kopf landet, aber du kannst verhindern, dass er dort ein Nest baut."

KNA: Das ist einfach gesagt, aber wie wird man zu so einem Menschen?

Kadel: Menschen, die zu viel Angst haben, sollten sich ein bisschen von diesem Kopfkino befreien und wieder mehr in die Begeisterung kommen. Mein Ansatz ist in dieser Zeit von Corona: Dankbarkeit. Die Menschen sehen die Zusammenhänge gerade nicht. Wir sind eine Welt. Wenn ich drei Stunden nach Süden fliege, dann erlebe ich, wie sehr Menschen leiden, das schon seit vielen, vielen Jahren. Wir sind darauf nicht vorbereitet - plötzlich ist überall Selbstmitleid.

KNA: Und wie komme ich da raus?

Kadel: Ein Bekannter beklagte sich, dass er wegen Corona weniger Gehalt bekomme. Ich habe ihm gesagt, dass viele andere Menschen dieselbe Luft atmen wie er und gar nichts haben. So sterben heute 10.000 Kinder an Hunger - an jedem Tag, und das wird auch nach Corona so sein. Diese Zusammenhänge sollten wir uns bewusst machen: Ich gehöre zu den Privilegierten in Deutschland, ich werde weich fallen. Mich macht das dankbar. Es ist eben nicht selbstverständlich, dass ich dieses Leben hier führen darf und nicht in Sierra Leone oder einem anderen Ländern, in dem meine Lebenserwartung sehr gering wäre.

KNA: Haben Sie praktische Tipps für den Alltag?

Kadel: Setzen Sie ein Zeichen und zeigen Sie anderen Menschen, dass sie nicht alleine sind. Gehen Sie mal zu dem Cafe, wo Sie sonst Cappuccino trinken oder zu dem Italiener, bei dem Sie abends am liebsten saßen, oder zu Lieblingsblumenladen und geben Sie dreißig oder fünfzig Euro - oder so viel Sie sich leisten können. Sagen Sie: "Das ist geschenkt!" In dieser Zeit kommt es auf solche Nächstenliebe an, die Menschen Mut macht. Von solchen Taten werden die Leute beim Abendbrot ihren Kindern erzählen.

KNA: Sie haben eine Liste mit Filmen erstellt, die Sie für wertvoll halten. Was heißt das?

Kadel: Rund 150 Filme habe ich im Laufe der Jahre gesammelt. Ich hatte nach dem Schauen dieser Filme gemerkt, dass sie etwas mit mir gemacht haben. Der "Club der toten Dichter" war der allererste Film in meinem Leben - und es geht um Filme dieser Kategorie, die mich bewegen und in mein Herz gehen. Nach dem Ausschalten muss man danach erst einmal drüber nachdenken.

KNA: Was kann das bewirken?

Kadel: Das Wort Inspiration kommt aus dem Lateinischen und heißt, jemanden anzünden. Wenn ich etwas sehe, das mich begeistert, kann mir das neue Kraft und Mut geben. Deswegen kritisiere ich Teile der TV-Medien. Ich wünsche ich mir mehr Begeisterung im Programm, mehr Dankbarkeit. Alle streiten über Klopapier. Aber wenn du schon die Glotze anmachst, dann guck doch Sachen, die dir ins Herz gehen.

KNA: Sie selbst sind von der Corona-Krise stark betroffen. Wie gehen Sie damit um?

Kadel: Ich habe bis Juli all meine Jobs verloren und hätte viel Grund zu jammern. Aber ich sage Nein zum Selbstmitleid. Als Asthmatiker gehöre ich zur Risikogruppe, trotzdem glaube ich: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird es nichts mangeln." Ich weiß, dass ich nicht alleine bin - und dazu möchte ich auch andere ermutigen.

KNA: Und wie?

Kadel: Wir haben in Deutschland in den letzten Jahrzehnten, je besser es uns ging, Gott und den Glauben aus den Augen verloren. Das ist menschlich: Not lehrt beten, wenn man keine Not hat, vergisst man es. Ich möchte jeden ermutigen, mal wieder eine Bibel zur Hand zu nehmen. Vielleicht wäre es doch einen Versuch wert, dem Ganzen eine neue Chance zu geben, zu fragen, woher kriege ich dieser Tage Zuversicht. Es gibt dafür keine Pille. Ich empfehle, das gute alte Wort aus dem Schrank zu nehmen, den Staub wegzupusten und dann zu entdecken, dass da hunderte Male drinsteht: "Fürchte Dich nicht".

KNA: Sie haben Ihr Buch "Was macht dich stark?" mit frischen Gesprächen mit Fußballstars neu aufgelegt. Wer hat Sie da beeindruckt?

Kadel: Der Trainer von Borussia Mönchengladbach, Marco Rose, ist hervorzuheben. Er ruht in sich. Er hat vor einigen Jahren den christlichen Glauben entdeckt. Er sagt ganz offen, dass er in der ehemaligen DDR groß geworden ist und in seiner Kindheit in Leipzig nicht viel mit Christentum zu tun hatte. Viele bewerten Fußball über. Rose hat dagegen so eine Demut, zu sagen: "Ey, das ist Fußball. Das ist die schönste Nebensache der Welt". Durch seinen Glauben kann er Dinge sehr gut einordnen.

KNA: Was kann man vom Fußball lernen?

Kadel: Ob du Fußball magst oder nicht, wir alle brauchen Stärke im Leben. Wir wollen in der Krise nicht jammern, aber wir tun es. Deswegen glaube ich, dass es guttut, wenn man von den Hauptdarstellern in meinem Buch liest, was ihr Geheimnis ist. Was sind meine Werte? Wie gehe ich mit Scheitern um? Diese Gedanken können Inspiration für jedermann sein.

David Kadel (l.) mit Trainer Jürgen Klopp / © PR (David Kadel)
David Kadel (l.) mit Trainer Jürgen Klopp / © PR ( David Kadel )
Gladbachs Trainer Marco Rose / © Marcel Kusch (dpa)
Gladbachs Trainer Marco Rose / © Marcel Kusch ( dpa )
David Kadel (Mi.) mit den Fußballprofis Elias Kachunga (li.) und Roger de Oliveira Bernardo (re.) / © PR
David Kadel (Mi.) mit den Fußballprofis Elias Kachunga (li.) und Roger de Oliveira Bernardo (re.) / © PR
Autor/in:
Rainer Nolte
Quelle:
KNA