Wie ein Insektenhotel neues Naturbewusstsein schaffen kann

Selbst bauen, beobachten und begeistern

Mit einem Insektenhotel sollen Kinder mehr über Artenvielfalt und Bewahrung der Schöpfung lernen. Baukirchmeisterin Catarina Marpmann erklärt, wie sie gemeinsam mit den Kindern eine Wildwiese pflanzt und sie sich so dem Thema annähern.

Insekten sind auch für den Menschen wichtig / © RUKSUTAKARN studio (shutterstock)
Insekten sind auch für den Menschen wichtig / © RUKSUTAKARN studio ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Wieso haben Sie mit den Kindern ausgerechnet ein Insektenhotel gebaut?

Catarina Marpmann (Baukirchmeisterin der evangelischen Kirche Issum): Wir haben eine etwas verwahrloste Ecke gehab und die haben wir im letzten Jahr schon ein bisschen mit ein paar Jugendlichen aufgehübscht, die dafür Lounge-Möbel gekauft haben. Wir haben eine Wildblumenwiese eingesät und damit nicht nur die Jugendlichen sich in dieser Ecke heimisch und verantwortlich fühlen, haben wir gedacht, wir machen das auch mit den Kindern. Wir haben zwölf Kinder mit vier Betreuern. Die Kinder sind in der dritten und vierten Klasse, also etwa bis zehn Jahre alt. Und mit denen haben wir dann an der Wildblumenwiese ein Insektenhotel gebaut.

DOMRADIO.DE: Wer hat denn dann als erstes ein Zimmer gebucht?

Marpmann: Wir haben während des Baus, den wir in der Schreinerei des Tischlermeister machen durften, eine schwarze Holzbiene zu Besuch gehabt, zur ersten Wohnungsbesichtigung. Das war für uns natürlich insofern ein Highlight, weil das das Insekt des Jahres 2022 ist. Aber da das Insektenhotel ja ins Gemeindehaus umzog, weiß ich nicht genau, ob sie mitgekommen ist.

Catarina Marpmann

Es ist wichtig, dass Kinder lernen, Schöpfung zu bewahren.

Biene auf einer Blume / © nn (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Gucken die Kinder jetzt tatsächlich genauer hin?

Marpmann: Ja, in drei Stunden, die wir eine Woche lang täglich konzentriert gearbeitet haben, haben wir immer mit einer Einführung begonnen. Sie haben Informationen zu Wildbienen bekommen, sie haben Informationen zu Trachtblumen und Schmetterlingen bekommen. Jeden Tag gab es einen Happen mit Infomaterial. Mit kleinen Heftchen und Büchern hat das die Deutsche Wildtierstiftung kostenlos zur Verfügung gestellt.

DOMRADIO.DE: Warum ist es Ihnen in der Gemeinde denn wichtig, dass Sie die Kinder mit der Natur in Kontakt bringen?

Marpmann: Es ist wichtig, dass Kinder lernen, Schöpfung zu bewahren. Und ich glaube, dass man das am einfachsten kann, indem man verantwortlich für das eigene Tun ist und verantwortlich handelt und eben auch bewahrend handelt.

DOMRADIO.DE: Und jetzt sprießt ein bisschen neues Bewusstsein bei den Jüngsten?

Marpmann: Wir fanden das eigentlich ganz nett, dass sie sich alle noch eine eigene Wabe bauen konnten und zum Befüllen mit nach Hause genommen haben. Jetzt können sie schauen, was bei ihnen einzieht oder auch nicht einzieht. Wir wissen es noch nicht.

DOMRADIO.DE: Was macht denn eigentlich eine Baukirchmeisterin?

Marpmann: Es gibt diese schönen Ehrenämter in jeder Kirche. Das sind die Kirchmeister, wie zum Beispiel Finanzkirchmeister oder auch eine Baukirchmeisterin. Die Baukirchmeisterin und dafür zuständig sich um die Gebäude und das Gelände verantwortlich zu kümmern, das heißt vielleicht zu gestalten, vielleicht aber auch zu ertüchtigen oder umzurüsten, je nachdem, was so anliegt oder zu renovieren. Das ist gerade meine Hauptbeschäftigung.

DOMRADIO.DE: Jetzt kümmern Sie sich auch noch um ein ganz kleines Hotel für die Insekten. Was ist denn bei Ihnen noch in Sachen Nachhaltigkeit geplant?

Marpmann: Wir sind sicherlich noch am Anfang. Wir müssen vielleicht noch ein bisschen mehr in diese Wiese investieren. Wir haben mit den Jugendlichen zusammen diese Lounge-Ecke errichtet und sind dabei Bäume zu pflanzen, zum Beispiel ein Walnussbaum haben wir frei geschnitten, damit der Schatten werfen kann, wenn die Kinder oder Jugendlichen dort sitzen. Das ist aber noch Zukunftsmusik, weil da hat uns die Pandemie, wie so viele andere auch, ein bisschen ausgebremst.

Das Interview führte Katharina Geiger

Quelle:
DR