Wie die Malteser den Menschen in der Ukraine helfen

"Bilder wie aus einem Horrorfilm"

"Solange die Grenze auf ist und die Militärs uns noch nicht besetzt haben, werden wir Hilfe leisten", sagt Pavlo Titko von den Maltesern in der Ukraine. Im Interview berichtet er, wie es den Menschen vor Ort geht und was jetzt hilft.

Kiew: Feuerwehrleute betrachten die Trümmer eines Flugzeugs das zwischen Häusern abgestürzt ist / © Oleksandr Ratushniak (dpa)
Kiew: Feuerwehrleute betrachten die Trümmer eines Flugzeugs das zwischen Häusern abgestürzt ist / © Oleksandr Ratushniak ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sie sind vor Ort in der Ukraine. Wie geht es Ihnen? Wie haben Sie den letzten Tag erlebt? 

Pavlo Titko (Leiter der Malteser Ukraine in Lviv / Lemberg): Meine Verwandtschaft ist in Kiew und in diesem Moment wird diese fast drei Millionen Menschen fassende Stadt angegriffen. Es gibt Videos im Netz, wo mit Kalaschnikows im Wohngebiet geschossen wird. Die Kämpfe sind schon da, die Panzer rollen, die Brücken werden gesprengt. Es sind Bilder wie aus einem Horrorfilm aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Sirenen gingen heute um 4 Uhr los, dann wieder um 6 Uhr. Dass es hier im Westen der Ukraine Kampfflugzeuge gibt, ist alles einfach nicht zu fassen.

DOMRADIO.DE: Sie haben Kontakt zu den Menschen vor Ort. Wie reagieren die Ukrainer auf die Situation? 

Titko: Alle sind geschockt, gestresst, traumatisiert. Aber es gibt auch eine Welle von Freiwilligen, die sich melden. 

DOMRADIO.DE: Sie versuchen, mit den Maltesern vor Ort zu helfen. Wie machen Sie das genau? 

Titko: Wir versuchen die tägliche Arbeit, die wir seit 30 Jahren machen, fortzusetzen. Wir haben eine Suppenküche, Essen auf Rädern. Heute wird ausgefahren, gekocht, die Leute werden betreut. Aber das läuft am Rande, obwohl uns das auch einige Kräfte kostet.

Wir versuchen uns auf die Flüchtlingswelle vorzubereiten und verschiedene logistische Sachen zu organisieren. Und wir stimmen uns mit den deutschen Kollegen in Köln ab, die schon gefragt haben, was sie Sinnvolles für uns tun können und wie sie helfen können. Wir versuchen das soweit wie möglich zu bearbeiten, um die Hilfe am sinnvollsten zu leisten. Im Moment können wir nicht nicht viel mehr tun. 

DOMRADIO.DE: Die Anteilnahme und die Solidarität, auch hier in Deutschland, ist groß und viele Leute wollen helfen. Wie kann man Ihnen vor Ort hier aus dem Ausland helfen?

Pavlo Titko, Leiter der Malteser Ukraine in in Lviv (Lemberg)

"Am sichersten und sinnvollsten sind im Moment Geldspenden an die Malteser."

Titko: Am sichersten und sinnvollsten sind im Moment Geldspenden an die Malteser. Hier weiß man nicht, wie lange das Banksystem, die Geschäfte laufen. Man kann nur noch mit Bargeld, nicht mehr per Überweisung oder mit Karte bezahlen. So ist es heute, morgen ist vielleicht die Grenze zu.

Am besten ist es, an die Malteser in Köln zu spenden. Und dann werden wir entscheiden, was am Nötigsten ist. Sachspenden sind momentan einfach zu unsicher. Es ist unklar, was wir brauchen. Die Schlangen in den Apotheken sind riesig, die Regale sind leergeräumt. Ich vermute, dass es bald Engpässe bei Medikamenten und bei der Verpflegung gibt und wir erwarten eine Flut von Flüchtlingen. 

DOMRADIO.DE: Was glauben Sie, wie Ihre Arbeit in den nächsten Wochen aussieht? 

Titko: Es sind bereits Flüchtlinge da. Wir werden versuchen, unsere klassischen Projekte fortzusetzen. Die Menschen, die jetzt kommen, stehen unter doppeltem Druck. Da muss jemand da sein, der sich um sie kümmert und wir werden versuchen, das irgendwie zu gewährleisten. 

DOMRADIO.DE: Was sind das für Projekte, die Sie normalerweise betreuen? 

Titko: Wir haben drei Küchen, Suppenküchen und Essen auf Rädern, betreuen Menschen mit Behinderung und haben noch einige kleine Projekte im Bereich Kinderhilfe, die wir aber im Moment aus logistischen Gründen nicht fortsetzen. Denn Sprit fehlt, man kann nur noch 20 Liter tanken. Wir haben keine Fahrzeuge oder nicht genug, die getankt sind. Es wird alles schwieriger. 

DOMRADIO.DE: Caritas International hat die Hilfsleistungen wegen der unübersichtlichen Lage schon ausgesetzt. Würden Sie das im Notfall auch in Erwägung ziehen? 

Titko: Solange die Grenze noch auf ist und die Militärs uns nicht besetzt haben, können wir noch Hilfe leisten.

Pavlo Titko, Leiter der Malteser Ukraine in in Lviv (Lemberg)

"Diese Solidarität hilft enorm."

DOMRADIO.DE: Hier in Deutschland werden und wurden vermehrt Friedensdemos und Gebete organisiert. Meinen Sie, dass das den Menschen in der Ukraine hilft? 

Titko: Diese Solidarität hilft enorm. Wir hoffen, dass auch die Sanktionen helfen oder etwas mit Gottes Hilfe geschieht, weil es einfach unvorstellbar ist, was hier passiert. 

Das Interview führte Hannah Krewer. 

Vatikan zu Ukraine: Es ist noch Zeit für guten Willen

Der Vatikan fordert weiterhin Einsatz für den Frieden in der Ukraine. Es sei noch Zeit für guten Willen, Raum für Verhandlungen und Vernunft, die die Welt vor dem Wahnsinn und Schrecken des Krieges bewahrten, so Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in einer Mitteilung. "Wir Gläubigen verlieren nicht die Hoffnung auf einen Schimmer von Gewissen seitens derer, die die Geschicke der Welt in ihren Händen halten", so Parolin weiter.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Dalati & Nohra (dpa)

Quelle:
DR
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