Wie die christliche Welt den 6. Januar feiert

"La Befana hat auf Sizilien keinen großen Stellenwert mehr"

Für Köln ist der 6. Januar mit dem Fest der Heiligen Drei Könige einer der wichtigsten Tage des Jahres. Wie wird die "Erscheinung des Herrn" aber in anderen Ländern gefeiert? Vier Stimmen aus vier ganz unterschiedlichen Weltregionen.

Autor/in:
Oliver Kelch
Das Fest "La Befana" wird in Italien, wie hier in Como, am 6. Januar gefeiert. / © Darry (shutterstock)
Das Fest "La Befana" wird in Italien, wie hier in Como, am 6. Januar gefeiert. / © Darry ( shutterstock )

Die katholische Kirche feiert mit Epiphania Domini das Hochfest der Erscheinung des Herrn. In Kalendern findet sich der Tag eher als Dreikönigsfest, Dreikönigstag oder Heilige Drei Könige. Während in Deutschland dieser Tag mit den Sternsingern und den Heiligen Drei Königen verbunden ist, liegt der Fokus in anderen Ländern eher auf der Erscheinung des Herrn. Aber auch zwischen der Tradition des Kirchenfests und dem, was die Bewohnerinnen und Bewohner der Länder heute machen, liegen Welten.

Vier Stimmen aus vier Ländern:

Luigi Castrogiovanni, Sizilien

Reiseleiter Luigi und DOMRADIO.DE Diakon Willibert / © Oliver Kelch (DR)
Reiseleiter Luigi und DOMRADIO.DE Diakon Willibert / © Oliver Kelch ( DR )

"Auf Sizilien wird der 6. Januar, also La Befana, nicht mehr groß gefeiert. La Befana ist ein Nationalfeiertag und ist die Geschichte der Befana, einer alten Frau, die von den Heiligen Drei Königen eingeladen wurde, das Jesuskind zu sehen. La Befana war mal ein großes Fest, aber das feiert heute kaum noch jemand. Die Kinder bekamen mal an diesem Tag die Geschenke. Heute beschränkt sich das darauf, dass die Kinder einen Strumpf erhalten in dem Schokolade ist, wenn die Kinder brav waren. Ansonsten findet sich Kohle dort drin. Das Fest wird nicht mehr so sehr gefeiert. Mittlerweile ist auf Sizilien die gesamte Weihnachtszeit ein Konsumfest geworden."

Dr. Niko Mandrakas, Griechenland

"In Griechenland wird die Zeit um den 6. Januar mit dem Fest der Erscheinung des Herrn sehr groß gefeiert. An diesem Tag wird den Gläubigen bewusst, dass die Welt von Gottes Gegenwart erleuchtet wird. Der Folgetag, der 7. Januar, ist der Tag von Johannes dem Täufer. Man hat also zwei extrem wichtige Ereignisse nebeneinander. An diesen Feiertagen ist für die griechisch-orthodoxe Kirche offiziell das Ende der Weihnachtszeit erreicht und diese Tage sind mit vielen Traditionen und Feiern verbunden. 

Dr. Niko Mandrakas ist gebürtiger Grieche und praktiziert als HNO-Arzt in Oer-Erkenschwick. / © N. Mandrakas (privat)
Dr. Niko Mandrakas ist gebürtiger Grieche und praktiziert als HNO-Arzt in Oer-Erkenschwick. / © N. Mandrakas ( privat )

Die Feierlichkeiten fangen schon am 5. Januar damit an, dass Kinder in ganz Griechenland singend durch die Gassen ziehen und die Botschaft der Taufe Jesu verkünden. Es geht nahtlos über in das 'Hauptevent' am 6. Januar. Es werden die Gewässer gesegnet, ganz gleich ob am Meer, an einem See oder an Flüssen. Die Gemeinden treffen sich, die Geistlichen halten dort eine Messe und die Gewässer werden durch ein hölzernes Kreuz, dass ins Wasser gehalten wird, gesegnet. 

Über das Land verteilt gibt es noch besondere Traditionen. Im Nordwesten Griechenlands sind die Raguzaria unterwegs. Sie tragen große Glocken, sind mit Schaffellen verkleidet und feiern die Taufe Christi mit viel Lärm. Dies ist gleichzeitig auch der Start der Karnevalssaison, mit dem 11.11. in Deutschland zu vergleichen.

Ganz gleich, wo wir in Griechenland sind - es ist sehr wichtig, dass alle etwas vom geweihten Wasser mit nach Hause nehmen. Damit nimmt man etwas von der Liturgie mit nach Hause und kann damit das Heim, Dinge und Menschen segnen. Wasser spielt in einem Land wie Griechenland eine sehr große Rolle. Dieses Wasser wird auch im Kühlschrank aufbewahrt, um die Lebensmittel davor zu schützen."

Pfarrer Mirco Quint, Japan
"Weihnachten beginnt in Japan schon Anfang November - aber nur in Hinblick auf die Dekoration. Am 25. Dezember ist hier alles schon wieder weggeräumt. Japan bereitet sich dann schon auf das Neujahrsfest vor, was hier einen deutlich höheren Stellenwert hat als das

Pfarrer Mirko Quint aus dem Erzbistum Tokio (privat)
Pfarrer Mirko Quint aus dem Erzbistum Tokio / ( privat )

Weihnachtsfest. In unserer katholischen Gemeinde feiern wir schon bis zum 6. Januar Weihnachten. Aber die geistlichen Feiertage sind hier in Japan nicht bekannt. Man glaubt hier auch eher an den 'Coca-Cola-Nikolaus' und nicht an den Heiligen Bischof von Myra."

Edgar Hernandez, Costa Rica 
"Während in Lateinamerika dieser Tag eine tief verwurzelte Tradition in der katholischen Bevölkerung hat, wird in Costa Rica dieser Tag nicht gefeiert. Bei uns treten die Kinder in den Mittelpunkt und stattdessen werden berühmten Kindergebete gesprochen.

Reiseleiter Edgar Hernandez / © Oliver Kelch (DR)
Reiseleiter Edgar Hernandez / © Oliver Kelch ( DR )

Geschenke werden in Costa Rica schon an Weihnachten überreicht und nicht an Heilige Drei Könige. Dies ist in den anderen Ländern Lateinamerikas anders. Die Bedeutung ist aber dieselbe, wir verehren das Jesuskind.

Was gefeiert wird, ist die Eucharistie am Königstag. Diese bezeichnen wir als 'Epiphanie', was die Offenbarung Gottes in allen Völkern bedeutet. Es geht um die Darstellung der Heiligen Drei Könige. Beamte der jeweiligen Gemeinden ziehen an dem Tag durch die Straßen, um des Festes der Erscheinung des Herrn oder der Offenbarung des Herrn zu gedenken."

Die Interviews haben wir gekürzt und den Satzbau zum besseren Verständnis teilweise umgestellt.

Hochfest der Erscheinung des Herrn

Seit dem Mittelalter treten am Hochfest der Erscheinung des Herrn die "Heiligen Drei Könige" in den Mittelpunkt, besonders seit der Überführung ihrer Gebeine 1164 nach Köln. Biblisch ist von Magieren oder Sterndeutern, nicht aber von Königen die Rede, wobei man auf die Zahl drei schloss, weil von drei Geschenken die Rede ist: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Hochfest Erscheinung des Herrn im Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR