Vor 125 Jahren wurde Bernhard Letterhaus geboren

Wider die "falschen Propheten"

Er war Ehemann, Vater, Textilweber, Politiker und überzeugter Christ: Bernhard Letterhaus, 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet, wurde vor 125 Jahren in Wuppertal-Barmen geboren.

Bernhard Letterhaus, christlicher Gewerkschaftsführer / © KNA-Bild (KNA)
Bernhard Letterhaus, christlicher Gewerkschaftsführer / © KNA-Bild ( KNA )

Bis zuletzt muss er standhaft gewesen sein. Verschwiegen, obwohl ihm die Todesstrafe drohte. Er belastete keine Mitverschwörer, als er zum gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 verhört wurde. Vor dem Volksgerichtshof erklärte er ehrlich, dass die Verschwörer ihre Pläne "nur durch eine gewaltsame Änderung der Regierung an Haupt und Gliedern" glaubten erreichen zu können - ein freimütig bekannter Hochverrat. Tod durch den Strang, so das Urteil. Am 14. November 1944 wurde Bernhard Letterhaus in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Er war 50 Jahre alt, hinterließ Frau und Tochter.

Soldat im Ersten Weltkrieg

Geboren wurde Letterhaus vor 125 Jahren, am 10. Juli 1894, in Wuppertal-Barmen als Sohn des Schuhmachermeisters Johann Bernhard Letterhaus und seiner Frau Emilie - ein streng katholisches Elternhaus. Nach Besuch der katholischen Volksschule machte er eine Lehre als Bandwirker. Danach besuchte Letterhaus die Preußische Fachschule für Textilindustrie in Barmen. 1914, mit erst 20 Jahren, wurde er Soldat im Ersten Weltkrieg und erlitt mehrfach Verwundungen.

Nach dem Krieg bildete er sich autodidaktisch fort und war schließlich als Verbandssekretär beim Westdeutschen Verband der katholischen Arbeitervereine tätig, ab 1928 im Kölner Ketteler-Haus. Als Abgeordneter der Zentrumspartei für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost schaffte er es in den Preußischen Landtag. Letterhaus war weitsichtig: Schon vor dem Wahlsieg der NSDAP warnte er bei einer Rede auf dem Münsteraner Katholikentag im September 1930: "Falsche Propheten mit einem Kreuz auf der Fahne, das aber nicht das Zeichen des Welterlösers ist, ziehen durch Städte und Dörfer. Sie verwüsten die Herzen des leidenden Volkes", erklärte er.

Aller politischer Betätigungsmöglichkeiten beraubt

"Stichflamme" sollen seine Freunde ihn genannt haben, wenn er sich über die politische Situation in der Weimarer Republik ereiferte. Im Juni 1932 sagte er im Preußischen Landtag nach dem Rücktritt von Reichskanzler Heinrich Brüning über die Nationalsozialisten: Sie "wollen nicht Teil sein, sondern sie wollen herrschen." Und weiter: "Niemand weiß von uns, wie lange noch Gelegenheit geboten ist, frei vor der Nation zu reden."

Diese Prophezeiung traf Letterhaus selbst bereits ein halbes Jahr später, kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 31. Januar 1933. Wegen einer öffentlichen Rede in Hamm wurde er Ende Februar zunächst verwarnt und schließlich nach und nach aller politischer Betätigungsmöglichkeiten beraubt. Dafür intensivierte er die Verbandsarbeit, beteiligte sich an der Organisation der großen Wallfahrten, um "ein Zeichen der Selbstbehauptung zu setzen", wie es die Historikerin Vera Bücker formuliert hat. Sein Engagement endete, als es 1938 schließlich zum Verbot der katholischen Arbeitervereine kam.

Kritik am Verhalten der Bischöfe

Auch gegenüber den Bischöfen hielt Letterhaus sich nicht zurück. Er kritisierte deren vorsichtigen Stil und forderte, sie sollten öffentlich wirksam gegen die NS-Zwangsmaßnahmen gegen katholische Organisationen protestieren. Das 1933 geschlossene Konkordat, das das Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Reich regeln sollte, lehnte er "als Stabilisierung des NS-Regimes von außen" ab.

1939, mit nunmehr 45 Jahren, musste Letterhaus abermals in den Krieg ziehen. Als er 1942 zum Hauptmann befördert wurde, gelang es seinen Freunden, seine Versetzung nach Berlin durchzusetzen. Als Presseoffizier war er für die Auswertung der ausländischen Kriegsberichte zuständig - und damit immer über die wahre Kriegslage informiert.

Aktives Mitglied im Berliner Widerstand

Letterhaus, der sich bereits ab 1942 im sogenannten Kölner Kreis im Ketteler-Haus mit Gleichgesinnten getroffen hatte, wurde nun auch zum aktiven Mitglied im Berliner Widerstand. Im Fall eines gelungenen Attentats auf Hitler schwebte ihm eine "möglichst viele Gruppen umfassende Volksbewegung mit dem Bekenntnis zum Christentum" vor, wie er vor dem Volksgerichtshof erklärte.

Im Gefängnis, zwei Tage vor seiner Hinrichtung, soll er zu einem Mitgefangenen gesagt haben: Die Welt kann nur gerettet werden "wenn im Kleinen und Großen Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe herrschen". Papst Johannes Paul II. ehrte Letterhaus 1987 als Märtyrer des Glaubens.

Bernhard Letterhaus, am 13. November 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin / © KNA-Bild (KNA)
Bernhard Letterhaus, am 13. November 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin / © KNA-Bild ( KNA )
Autor/in:
Nina Schmedding
Quelle:
KNA