Weltweite Laudato si-Woche startet

Wider den Klimawandel

Seit vor fünf Jahren der Papst seine Enzyklika Laudato si veröffentlicht hat, unternehmen katholische Gemeinden konkrete Schritte für den Umweltschutz. Der Ansturm hält sich aber in Grenzen, sagt der Umweltbeauftragte des Erzbistums Köln.

Gibt es bald nur noch klimaneutrale Bistümer? / © stockwerk-fotodesign (shutterstock)
Gibt es bald nur noch klimaneutrale Bistümer? / © stockwerk-fotodesign ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Was wurde im Erzbistum Köln in Sachen Umweltschutz, Artenvielfalt und Energieersparnis angestoßen?

Christian Weingarten (Umweltbeauftragter des Erzbistums Köln): In den letzten Jahren gab es einige Pilotprojekte, zum Beispiel den Heizungs-Check. Wir haben Heizungen in Kirchengemeinden geprüft, weil Energieverschwendung dort einfach der größte Bereich ist, wo wir im Moment im Erzbistum Köln am meisten CO2 emittieren. Wir haben aber auch andere Pilotprojekte gemacht, wo wir zum Beispiel Grünflächen um Kirchen herum naturnah gestaltet haben und somit dort auch die Artenvielfalt gefördert haben.

DOMRADIO.DE: Welche Projekte laufen gerade noch konkret? Da gibt es etwas mit Kartoffeln, habe ich gehört.

Weingarten: Genau, das ist eigentlich eine sehr schöne Aktion, weil das eine der wenigen Aktionen in meiner Stabsstelle ist, die komplett unabhängig von Corona weiterlaufen kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Kartoffeln geschickt bekommen und sind somit selbst zu Züchterinnen und Züchtern werden und somit wachsen aktuell hoffentlich im ganzen Erzbistum verteilt mehrere Hundert Kartoffeln. Wir begleiten die Personen, die Pflanzen pflegen, mit Informationen, mit kleinen Schöpfungsimpulsen. Und da bekommen wir sehr schöne Rückmeldungen.

DOMRADIO.DE: Bei Laudato si geht es darum, ja auch mit Gemeinden zusammen gemeinsam neue Wege zur Bewahrung der Schöpfung zu überlegen. Wie läuft der Austausch? Was kommt aus den Gemeinden zurück?

Weingarten: Es könnte mehr sein. Es läuft so langsam an, die Enzyklika ist jetzt fünf Jahre alt, und ich hoffe auch, dass jetzt dieser Jahrestag einen starken Impuls gibt. Es gibt immer wieder einzelne Gemeinden, die Laudato-si-Gruppen selbst gründen. Wo in den Gruppen über diese Handlungsempfehlung der Enzyklika diskutiert und dann noch umgesetzt wird, zum Beispiel in einem Kräutergarten vor Ort oder in anderen Maßnahmen.

DOMRADIO.DE: Gibt es Maßnahmen oder Ideen, von denen Sie sagen, das war jetzt so problemlos? Das hätten wir schon viel früher machen sollen?

Weingarten: Ja, zum Beispiel den gerade erwähnten Kräutergarten. In den letzten Jahren ist es immer häufiger vorgekommen, dass zum Teil auch Flächen um die Gemeinden oder um die Kirchengebäude versiegelt worden sind oder zu Steinwüsten verwandelt worden sind. Und ich finde persönlich, wenn alles wächst und blüht und summt, ist das Ganze viel schöner. Und das finde ich jetzt schön, dass manche Gemeinden das wieder umändern und sagen: Ja, wir wollen, dass um die Kirche etwas wächst, dass es grün ist, dass wir die Artenvielfalt fördern können. Auch solche Aktionen kommen zu mir zurück und werden an mich herangetragen.

DOMRADIO.DE: Wird denn auch in Gemeinden der Fuhrpark umgestellt zum Beispiel?

Weingarten: Davon habe ich aktuell noch nichts gehört. Aber ja, das ist ein ganz wichtiges Thema, das wir im ganzen Erzbistum Köln betrachten wollen. Also wie ist die Mobilität zum einen von den Pfarrern, aber wie ist auch die Mobilität von uns Mitarbeitern in den kirchlichen Einrichtungen.

DOMRADIO.DE: Mit diesem Samstag beginnt die Laudato si-Woche mit Aktionen auf der ganzen Welt. Und jetzt ist das nicht ganz so einfach in Zeiten von Corona. Was hatten Sie ursprünglich überlegt?

Weingarten: Ursprünglich hatten wir überlegt, vielmehr in den Gemeinden rein zu wirken, also mit Präsenzveranstaltungen in den Gemeinden selbst. Die Woche wurde im März verkündet, und dann kam ziemlich schnell der Lockdown. Dann mussten wir umplanen und haben jetzt gesagt - okay, wie können wir trotzdem Menschen im Bistum zu dem Thema erreichen? Nun haben wir Webinare geplant, um trotzdem auf diese Enzyklika aufmerksam zu machen und auch auf das, was in dieser Enzyklika gefordert wird.

DOMRADIO.DE: Sind die Webinare jetzt für Kirchengemeinden gedacht oder kann ich mich da auch als Privatperson einklinken und mir was anschauen?

Weingarten: Das ist für jede Person gedacht, die sich an der Bewahrung der Schöpfung beteiligen will. Das ist ganz unabhängig. Es gibt ein Seminar zum Beispiel zum Temperieren von Kirchen. Wie heize ich eine Kirche sinnvoll, um möglichst energieeffizient zu sein? Das ist speziell für Kirchenvorstände, für Hausmeister, Hausmeisterinnen. Aber wir haben auch ein Seminar, zum Beispiel zum Thema globale Gerechtigkeit, also wie läuft die globale Politik etwa in der Klimakrise? Wie können wir da Gedanken einbringen? Wie können wir auch als Einzelpersonen mitwirken?

Das Interview führte Dagmar Peters.

Gedeihen prächtig: vom Erzbistum Köln verschickte Kartoffeln  / © Tobias Fricke (DR)
Gedeihen prächtig: vom Erzbistum Köln verschickte Kartoffeln / © Tobias Fricke ( DR )
Quelle:
DR
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