Weißer Sonntag – wofür die Farbe Weiß steht

Unschuld, Reinheit und Erleuchtung

"Weißer geht's nicht." Der legendäre Spruch aus der Waschmittelwerbung kommt nicht von ungefähr. Denn die Farbe Weiß steht fast immer für Positives – wie Reinheit, Unschuld und Erleuchtung. Ein Überblick zum Weißen Sonntag.

Ein Mann in weißer Albe betet den Rosenkranz / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Ein Mann in weißer Albe betet den Rosenkranz / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Brautkleider sind weiß. Der Papst trägt weiß. Und am Weißen Sonntag gehen in den katholischen Gemeinden viele Mädchen im leuchtend weißen Kleid zur Erstkommunion.

Positive Kraft

Das ist kein Zufall, denn die Farbe Weiß hat in vielen Kulturen eine starke symbolische Kraft. Und eine meist sehr positive Bedeutung. Das Weiß steht für Erleuchtung, Reinheit, Unschuld, Einfachheit, Frische und einen neuen Anfang.

Ein weißer Fleck auf der Landkarte ist unbekanntes Terrain; wer eine weiße Weste hat, ist unschuldig. Ein weißes Blatt Papier ist ein unbeschriebenes Blatt, das noch alle Möglichkeiten in sich trägt. Ärzte und Wissenschaftler in Laboren tragen weiße Kittel und vermitteln damit den Eindruck von Hygiene.

Doch Weiß ist nicht gleich Weiß: Die Inuit etwa verwenden rund 200 verschiedene Namen für die Farbe. Auch die deutsche Sprache kennt so unterschiedliche Bezeichnungen wie brillantweiß, käseweiß, schlohweiß oder schneeweiß. Im Gegensatz zu Schwarz, der völligen Abwesenheit von Farbe, ist Weiß die Summe aller Farben des Lichts. Es verkörpert also physikalisch gesehen nicht das Nichts, sondern das Alles. "Von allen Farben des Regenbogens enthält Weiß ein Quäntchen, es birgt die Möglichkeit aller Farben", heißt es auf dem Internet-Portal farbimpulse.de.

Erhellende "Nichtfarbe"

Dennoch gilt Weiß bei Künstlern und Farbexperten auch als "Nichtfarbe". Wer "weiß wie die Wand" oder "kreideweiß" ist, dem fehlt alle gesunde Gesichtsfarbe. Auch hat Weiß, gemischt mit anderen Farben, eine bleichende Wirkung; es nimmt den bunten Farben den Knalleffekt.

Weiß ist in vielen Kulturen die Farbe der Götter. Im Hinduismus sind weiße Rinder heilig, in Thailand die weißen Elefanten. Zeus erschien Europa als weißer Stier, Christus ist das weiße Lamm Gottes, und den Heiligen Geist symbolisiert eine weiße Taube.

Auch Priester indischer und japanischer Religionen sind ganz in weiß gekleidet, und der katholische Priester trägt unter seinem Talar ein weißes Untergewand, die sogenannte Albe. An den wichtigsten kirchlichen Feiertagen wie an Ostern ist auch das Obergewand weiß - ein Zeichen besonderer Festlichkeit.

Heutzutage ist Weiß in Europa in erster Linie die Farbe des Hochzeitskleids, das nach wie vor als Zeichen für Jungfräulichkeit und Unschuld gedeutet wird. Allerdings ist die Tradition, in Weiß zu heiraten, noch vergleichsweise jung: Die erste Braut in Weiß war die englische Königin Victoria, die 1840 Prinz Albert von Sachsen-Gotha heiratete. Die Queen wurde damit zur Trendsetterin.

Klarheit und schlichte Eleganz bei heutigen Produkten

Als Kleiderfarbe ist Weiß bereits im späten 18. Jahrhundert in Mode gekommen. Es galt als Farbe der alten Griechen. Auch die Architekten des frühen 19. Jahrhunderts versuchten, die Antike durch helle, klare Bauten wieder auferstehen zu lassen. Was die Gelehrten damals nicht wussten: Die alten griechischen Tempel und Statuen waren ursprünglich sehr bunt. Im Verlauf der Jahrhunderte war nur die Farbe abgeblättert.

Weiß gilt auch heute noch als die Farbe der Klarheit und schlichten Eleganz. Es ist die klassische Farbe für Tafelservice und Kaffeegeschirr. Der iPod beispielsweise kam zuerst in Weiß auf den Markt. Auch Diätprodukte nutzen die Leichtigkeit der Farbe Weiß für Werbezwecke.

Einer, der das Weiß zum Markenzeichen seiner Kunst gemacht hat, ist der US-Architekt Richard Meier (83). Zum Beispiel beim Arp-Museum in Rolandseck bei Bonn: 40 Meter über dem Rhein gelegen, strahlt der 2007 errichtete Museumsbau wie eine Kathedrale des Lichts. Je nach Tageszeit und Wetter reflektiert das in der Landschaft schwebende Gebäude die umgebende Natur immer wieder anders. "Mein liebstes und wichtigstes Baumaterial ist das Licht" sagt der Architekt. Mit weißen Flächen ließen sich Beziehungen zwischen geschlossenen Wänden und transparenten Glasflächen am besten herstellen.

Weiß ist auch eine Trauerfarbe

In der Malerei hatte das Weiß lange Zeit auch Schattenseiten. Das Bleiweiß, das Künstler wie Leonardo, Rubens, Rembrandt oder Vermeer im 16. und 17. Jahrhundert, aber auch die Impressionisten im 19. Jahrhundert verwendeten, war hochgiftig. "Wer die Farbe zubereitete, mit dem Pulver hantierte, es einatmete oder über die Haut absorbierte, wurde langsam aber sicher krank", erläutert die Kunstgeschichtlerin Marietta Rohner. Die Folgen waren unter anderem blau verfärbtes Zahnfleisch, Darm- und Magenkrämpfe, man sprach auch von "Malerkolik". Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Bleiweiß durch die kommerzielle Herstellung von Zinkweiß ersetzt.

Zur dunklen Seite der Farbe Weiß gehört auch, dass sie in weiten Teilen Asiens als Trauerfarbe gilt. Witwen tragen weiße Gewänder. Japaner verbinden die weiße Nelke mit Trauer und Tod. Auch Europa kannte das Weiß als Trauerfarbe: Die Tradition überlebte in Spanien bis ins 15. Jahrhundert und wurde auch später noch von Königinnen und Fürstinnen beibehalten, die ganz in Weiß trauerten - unter anderem, um sich vom gewöhnlichen Volk abzusetzen.

Mädchen bei der Erstkommunion / © Kasia Strek (KNA)
Mädchen bei der Erstkommunion / © Kasia Strek ( KNA )
Gefaltete Hände von Papst Franziskus / © Stefano dal Pozzolo (KNA)
Gefaltete Hände von Papst Franziskus / © Stefano dal Pozzolo ( KNA )
Priester in weißen Alben / © Corinne Simon (KNA)
Priester in weißen Alben / © Corinne Simon ( KNA )
Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA
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