Wie soziale Medien Hemmschwellen abbauen können

Weihrauch für´s Tablet

Die Welt der sozialen Medien wird immer wichtiger. Auch die Kirchen können profitieren, sagt der Kölner Priesteramtskandidat Christian Jasper. Soziale Medien seien gut geeiniget, um Begegnungen zu fördern und Bilder zu transportieren.

Kirche und Medien / © Harald Oppitz (KNA)
Kirche und Medien / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: In diesen Tagen nehmen 50 Priesteramtskandidaten und soeben geweihte Priester an einem Workshop für soziale Medien im Erzbistum Köln teil. SmartCamp - so heißt diese Weiterbildung, die die Bildungsinitiative BG3000 aus Bonn anbietet und die jetzt im Priesterseminar des Erzbistums zu Gast ist. Diakon Jaspers, Sie nehmen an dem Workshop teil. Nutzen Sie die sozialen Medien denn schon?

Christian Jasper (Diakon und Priesteramtskandidat im Erzbistum Köln): Ja, ich nutze sie schon ganz eifrig, sowohl privat als auch beruflich. Ich bin bei uns im Pastoralteam der Jüngste. Und dann ist das klassischerweise ja immer die Aufgabe, dass ich mich um die sozialen Medien kümmern soll. Wir haben eine Facebook-Seite und einen Instagram-Account und nutzen das, um von unseren Veranstaltungen zu berichten, um Leuten zu zeigen, was wir da so machen, die nicht klassischerweise zu all den Veranstaltungen kommen.

Dann geht es natürlich auch darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Das ist ja das Schöne an den sozialen Medien, dass sie nicht nur in eine Richtung funktionieren, sondern in beide Richtungen und manchmal auch die Hemmschwellen abbauen, dass Menschen mit ihren Fragen und Sorgen auf uns zukommen, gerade über diese Medien.

DOMRADIO.DE: Was genau ist die Idee jetzt? Geht es wirklich darum, dass das Messbuch, das Gebetbuch ausgetauscht wird durch ein Tablet, zum Beispiel auch in der Kirche?

Jasper: Das kann man machen, aber ich persönlich tue mich damit immer ein bisschen schwer. Ich habe das neulich mal beobachtet, wie ein Kollege am Ende sein Tablet beweihräucherte, nachdem er das Evangelium verkündet hatte. Auf mich wirkte das irgendwie ungewohnt, sagen wir mal vorsichtig. Aber das kann das Herkömmliche natürlich schon gut ergänzen. Menschen, die vielleicht nicht in die Kirche kommen können, können über die sozialen Medien verfolgen, was wir machen. Und sie können natürlich auch einen Eindruck bekommen, was das Gemeindeleben so bietet.

DOMRADIO.DE: Jetzt waren Sie ja gestern schon einen Tag bei diesem SmartCamp-Workshop dabei. Was genau haben Sie da gelernt?

Jasper: Gestern ging es vor allem nochmal um die Grundlagen der Arbeit mit den sozialen Medien. Ich war in einem Workshop - sehr spannend - zum Thema Social Hacking, wo vor allem die Gefahren der sozialen Medien beleuchtet wurden. Wie ist das denn, wenn Kriminelle dort ihre Finger im Spiel haben und wie kann man sich davor schützen? Weil wir ja nicht blauäugig da rein laufen wollen, sondern eben auch Risiken im Blick haben wollen.

 

DOMRADIO.DE: Die Überschrift dieses Seminars lautet "Priester als Social Media Influencer". Das klingt jetzt fast ein bisschen reißerisch. Es gibt aber tatsächlich auch Grenzen bei all dem: Eine Beichte zum Beispiel, kann man nicht über die sozialen Medien ablegen.

Jasper: Genau. Eine Beichte braucht immer die persönliche Begegnung. Das macht, glaube ich, gerade auch die Stärke des Sakraments aus, wenn man am Ende persönlich losgesprochen wird. Aber der Glaube lebt natürlich immer von Begegnung und unser christlicher Glaube immer auch von Bildern. Und für beides sind die sozialen Medien - Facebook oder Instagram - aus meiner Sicht sehr gut geeignet. Dass wir Begegnung fördern können, Begegnung schaffen können und dass wir Bilder transportieren. So wie Jesus im Evangelium in Bildern spricht, können wir eben auch in Bildern deutlich machen, was uns heute froh und hoffnungsvoll macht.

DOMRADIO.DE: Können Sie sich denn persönlich vorstellen, dass Sie tatsächlich zu eineim Influencer werden, ganz viele Follower haben, Leute, die alles teilen und sehen, was Sie so tun?

Jasper: Theologisch gesprochen würde ich mir zumindest wünschen, zu einem Zeugen zu werden, der deutlich macht, an was er glaubt und damit natürlich auch eine Wirkung erzielen möchte, eine Ausstrahlung haben möchte. Ob man das jetzt Influencer nennen muss, ist mir nicht so wichtig. Aber natürlich geht es darum, Menschen mit der Frohen Botschaft zu erreichen.

Das Interview führte Verena Tröster.

Dr. Christian Jasper / © Hirschbeck/Beiten (Erzbistum Köln)
Quelle:
DR
Mehr zum Thema