Ohne mehr Vertrauen in die sozialen Sicherungssysteme sind die notwendigen Reformen nach Ansicht des Augsburger Weihbischofs Anton Losinger nicht machbar. Dafür müsse auch der Zusammenhalt der Generationen gestärkt werden, sagte er am Donnerstag im Podcast "Table Today" des Medienhauses Table Media in Berlin.
Losinger ist in der Deutschen Bischofskonferenz Vize-Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
"Selbst wenn ein soziales Versicherungssystem funktioniert, es kann rein mathematisch nicht hinhauen, wenn zwischen den Generationen nicht ein Grundvertrauen herrscht", erklärte Losinger. "Ich behaupte, wo der Enkel den Opa nicht mag, kann man kein Drei-Generationen-System im Umlageverfahren für Rente begründen." Deshalb müssten Sozialstaatsreformen auch immer darauf angelegt sein, den Zusammenhalt zu sichern.
Im Interesse aller
"Es ist wichtig zu erkennen, dass auch in einem System der sozialen Marktwirtschaft das gemeinsame Interesse eines gesamten Volkes aller Gruppen, die hier arbeiten und auch versorgt werden, zusammenhängt", sagte Losinger. "Wo dieser Zusammenhang nicht mehr verfolgt wird, dissoziiert sich das Ganze und es wird schwierig, überhaupt einen Sozialstaat zu begründen."
Die Bischofskonferenz hatte im Dezember ein Papier mit dem Titel "Zusammenhalt durch Reformen sichern. Impulse für einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat" vorgestellt.