Weihbischof Lohmann mahnt zum Klimaschutz trotz der Krisen

"Konflikte nicht gegeneinander ausspielen"

Trockenheit, Waldbrände, Fischsterben. Der Weltgebetstag zur Bewahrung der Schöpfung an diesem Donnerstag scheint wichtiger denn je. Trotz der vielen Krisen sieht "Umweltbischof" Rolf Lohmann den Einzelnen in der Verantwortung.

Vertrocknete Sonnenblumen auf einem Feld / © Luigi Bertello (shutterstock)
Vertrocknete Sonnenblumen auf einem Feld / © Luigi Bertello ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Alltägliche Nachrichten um Umweltkatastrophen und Folgen des Klimawandels – wie geht es Ihnen damit?

Rolf Lohmann / © Harald Oppitz (KNA)
Rolf Lohmann / © Harald Oppitz ( KNA )

Weihbischof Rolf Lohmann (zuständig für Umwelt- und Klimafragen in der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen): Das ist schon eine riesige Herausforderung. Und ich muss auch sagen, die Betroffenheit ist groß und die Aufgaben, die vor uns liegen, sind eben auch schwierig. Aber wir müssen wir angehen, wir können nicht davor zurückschrecken. Natürlich werden die Probleme nicht kleiner und geringer, das erleben wir Tag für Tag.

Ob wir uns zur Oder hinbegeben, ob wir uns die Situation am Rhein anschauen, ob wir die Überschwemmungen in der Welt, wie in Pakistan ansehen. Das sind ja dramatische Hinweise auf einen Klimawandel, wie es sich vielleicht hätten viele nicht vorstellen können. Aber deswegen ist unser beherztes darauf Zugehen, darauf Antworten etwas ganz Entscheidendes in dieser geschichtlichen Stunde.

DOMRADIO.DE: Die vergangenen beiden Jahre haben sich Regierungen weltweit um die Herausforderungen der Pandemie gekümmert. Jetzt kommt noch der Angriffskrieg auf die Ukraine dazu. Wurde und wird die Bewahrung der Schöpfung davon überlagert? Was ist Ihr Eindruck?

Lohmann: Natürlich wird sie überlagert. Wir haben mit ganz neuen und komplexen Fragestellungen zu tun und natürlich auch durch die kriegerische Situation. Dennoch würde ich immer sagen, wir dürfen hier nicht Konflikte gegeneinander ausspielen, sondern das Thema der Schöpfungsbewahrung bleibt ein eigenständig wichtiges Thema. Und umso mehr wir jetzt verschieben und verlagern, umso problematischer wird es auch, bestimmte Ziele einzuhalten, wenn ich nur mal an die Erderwärmung denke. Von daher meine ich, wir dürfen diese Konflikte nicht gegeneinander ausspielen. Wir müssen beherzt den Weg der Schöpfungsverantwortung weitergehen.

DOMRADIO.DE: Um eine Gruppe ist es rund um die Corona-Pandemie auch sehr ruhig geworden. Die Bewegung "Fridays for future". Wie schauen Sie auf die Gruppe?

Lohmann: Nach wie vor muss ich sagen, bin ich dieser Gruppe dankbar, dass gerade junge Menschen sich für das Schöpfungsengagement in dieser Weise engagieren. Ich habe ja viel damit zu tun. Für mich sind sie präsent, vielleicht nicht medial so präsent wie noch vor einem Jahr, aber insgesamt halte ich das Engagement für ganz wichtig und deswegen unterstütze ich auch den Klimastreik jetzt am 23. September. Ich möchte auch wirklich den jungen Menschen sagen, habt Mut und geht diesen Weg weiter, wir brauchen euch, wir brauchen euer Engagement, geht voran und zieht uns alle nach in diesem besonderen Engagement.

Weihbischof Rolf Lohmann

"Ich möchte auch wirklich den jungen Menschen sagen, habt Mut und geht diesen Weg weiter, wir brauchen euch, wir brauchen euer Engagement!"

DOMRADIO.DE: Der Klimastreik ist ein wichtiger Termin. Dann gibt es noch zwei wichtige Konferenzen, die in diesem Jahr anstehen: die UN-Klimakonferenz im November und die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt im Dezember. Setzen Sie Hoffnung in diese Konferenzen?

Lohmann: Die Verantwortung für die Schöpfung nimmt uns alle in die Pflicht. Papst Franziskus schreibt dazu, dass die ökologische Umkehr, die für nachhaltige Veränderung nötig ist, auch eine gemeinschaftliche Umkehr ist. Vor diesem Hintergrund sind für mich die bevorstehende UN-Klimakonferenz im November 2022 in Ägypten und auch die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt im Dezember 2022 in Kanada wichtige Treffen, von denen Signale des Aufbruchs und einer funktionierenden internationalen Zusammenarbeit ausgehen sollten.

Bei der Klimakonferenz sollten weitere Schritte zur Reduktion der Treibhausgasemissionen und zur Bekämpfung des Klimawandels vereinbart werden. Bei der Konferenz zur biologischen Vielfalt geht es um ein internationales Abkommen, um den Verlust von Arten und Lebensräumen zu stoppen. Also von daher sind das für mich zwei wichtige Konferenzen.

DOMRADIO.DE: Den Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung gibt es jetzt seit sieben Jahren. Wie wird der Tag heute ablaufen?

Lohmann: In Deutschland wird der ökumenische Tag der Schöpfung gefeiert, organisiert durch den Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland. Und dabei gibt es dann eine zentrale Veranstaltung in Karlsruhe. Das Motto ist "Die Liebe Gottes versöhnt und eint die leidende Schöpfung". Ab 13 Uhr findet ein Rahmenprogramm auf dem Karlsruher Friedrichsplatz statt, mit Infoständen und verschiedenen Angeboten und um 17 Uhr gibt es einen ökumenischen Gottesdienst von dem Vorsitzenden des ACK in Deutschland.

Aber natürlich laden auch viele andere Pfarreien zu Gebeten und Gebetszeiten ein. Und ich möchte einfach noch hinzufügen, dass ich auch gut finde, dass bei den bestehenden Gottesdiensten in unseren Gemeinden und Kirchen eben dieses Anliegen auch besondere Bedeutung findet.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ist das wichtigste ökumenische Gremium in Deutschland. Zu ihr gehören 18 Kirchen und Gemeinschaften. Sieben weitere haben einen Gast- und fünf einen Beobachterstatus. Als Ziel gilt die Überwindung der Spaltungen der Christenheit.

An der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland: Erzpriester Constantin Miron / © Cornelis Gollhardt (KNA)
An der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland: Erzpriester Constantin Miron / © Cornelis Gollhardt ( KNA )
Quelle:
DR