Was Stammtisch im Brauhaus und Urgemeinde gemein haben

Bibel und Bier

Ein Theologiestundent hat eine neue Gemeindeform entwickelt. Beim Stammtisch im Brauhaus bietet er Gespräche über Glaubensfragen und einen Bierbraukurs an. Denn das gesellige Beisammensein habe viel mit der Urgemeinde gemein.

Beim Bier lasse sich gut über Gott und Glaube sprechen / © givaga (shutterstock)
Beim Bier lasse sich gut über Gott und Glaube sprechen / © givaga ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sie bieten von Dezember bis Februar den "Bibel- und Bier-Braukurs" an, einen Gesprächskreis im Brauhaus. Geht es Ihnen dabei um Mission?

Thomas Bartolf (Student der evangelischen Theologie und Hobby-Bierbrauer): Ja, es geht mir eindeutig auch um Mission, aber nicht übergriffig. Ich mache ein Angebot, ich komme ins Gespräch. Das, was die einzelnen daraus mitnehmen, bleibt ihnen überlassen. Da kann ich auch nicht mehr bieten, außer die Gesprächsmöglichkeit.

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, die Bibel und das Bierbrauen in einem Seminar zu kombinieren?

Bartolf: Wir müssen verschiedene Praktika im Studium belegen, wenn wir danach bei der Kirche arbeiten wollen. Es gibt ein Praktikum "Handlungsfeld Mission". Dabei habe ich Kirche in verschiedenen Kontexten kennengelernt. Ich beschäftige mich gern mit Bier und trinke es gerne. Im Brauhaus in Herzogenaurach, meinem Heimatort, habe ich eine Gemeindeform gegründet. Dort haben wir uns dann alle zwei Wochen getroffen, über die Bibel oder theologische Fragen gesprochen und nebenbei Bier getrunken. Das ist während Corona eingeschlafen. Aber dafür hatte ich während dem Lockdown Zeit, Bierbrauen zu lernen. So ist am Ende dieses Konzept daraus entstanden.

DOMRADIO.DE: Jetzt geht es nicht mehr nur ums Biertrinken zwischendurch, sondern man stellt das Bier selber her. Während des Bierbrauens entstehen Wartezeiten. Diese füllen Sie dann mit Gesprächsanstößen zum Thema Bier und Bibel. Nennen Sie uns doch mal ein Beispiel.

Bartolf: Alles ist "Bier Related" - also Themen wie: Hopfen und Malz, Gott erhalt's! Oder: Was bringt eigentlich Beten? Genauso das Reinheitsgebot: Was sind die Stärken und Schwächen und was können wir daraus für unser eigenes Glaubensleben und unsere Bibellese mitnehmen? Aber auch in Bezug auf Gemeindeformen: Was haben der Stammtisch und die Urgemeinde gemeinsam? Oft hat Bier ja auch etwas Anstößiges, aber auch eine große Tradition im Glauben, deshalb auch die Frage, was Stammtische und das gesellige Beisammensein mit der Urgemeinde zu tun haben.

DOMRADIO.DE: Viele Gespräche zum Thema Kirche fallen aktuell eher negativ aus, weil es so viele Skandale gibt. Könnte das nicht zu sehr auf die Stimmung drücken?

Bartolf: Ich glaube, jeder bringt sein privates Päckchen mit und auch was gesellschaftlich und in der Kirche los ist. Vielleicht ist das gerade dann die Gelegenheit dazu, auch Spaß zu haben oder einfach mal Glauben zu leben, sich ohne den großen Überbau auszutauschen. Einfach mal das machen, worum es einem im Glauben geht: Das Leben in einer geselligen Atmosphäre. Ich sehe das eher als Chance.

DOMRADIO.DE: Was nehmen die Teilnehmenden denn von und aus ihrem Kurs mit?

Bartolf: Also ich würde das zweiteilen: Das eine ist der Rahmen und die Form. Der Rahmen ist der Braukurs. Wir brauen einmal zusammen Bier. Ich kann das auch nur hobbymäßig und auch nur Obergäriges ist möglich mit den technischen Gegebenheiten vor Ort.

DOMRADIO.DE: Das heißt, man nimmt nachher auch eine Flasche Bier mit?

Bartolf: Genau. Was man mitnehmen kann, ist tatsächlich, wenn man möchte, ein eigenes Fässchen Bier oder einen Gärbottich voll Bier, den man dann sechs Wochen später in Flaschen abfüllen kann. Das wäre das, was man ganz praktisch in der Hand mitnehmen kann.

Das andere sind die Themen. Das ist die Chance, christliche Gemeinschaft zu leben und auch über die Themen zu reden. Jeder kann seine Fragen mit einbringen. Das ist kein starrer Kurs, bei dem ich Lehrinhalte vorgebe, sondern der lebt vom Austausch. Ich habe vielleicht Fachwissen, kann ein bisschen einordnen, moderieren, aber ich habe jetzt auch nicht die Lehrmeinung, die ich groß verkünden kann. Ansonsten hoffe ich auf einen schönen Tag oder schönen Abend und sinnstiftende Gespräche.

DOMRADIO.DE: Wie kann man an einem solchen Kurs "Bibel und Bierbrauen" teilnehmen?

Bartolf: Das ist alles sehr semiprofessionell, ich mache das nur in den drei Monaten zwischen dem Examen und bevor ich anfange, für die Kirche zu arbeiten. Deswegen gibt es keine große Infrastruktur. Entweder eine Mail an Thomas-Bartolf@web.de oder über die Facebook-Seite "Bibel und Bier". Darüber kann man mich auch kontaktieren.

Das Interview führte Katharina Geiger.

Quelle:
DR
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