Was macht Papst Leo XIV. besser als Donald Trump?

Mehr Raum für Dialog

Zwei US-Amerikaner stehen an der Weltspitze, doch unterschiedlicher könnten sie kaum sein. Der Theologe Andreas G. Weiß erklärt, was Papst Leo XIV. von Präsident Donald Trump unterscheidet und was das für US-Katholiken bedeutet.

Donald Trump / © Ben Curtis (dpa)
Donald Trump / © Ben Curtis ( dpa )

Die Amtsantritte von Donald Trump und Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr haben aus Sicht des Theologen Andreas G. Weiß großes Sprengpotenzial, insbesondere für die katholische Gemeinschaft in den USA.

Innerhalb kurzer Zeit seien zwei US-Amerikaner "an die Spitze von Systemen getreten, deren Wirkung weit über Politik und Kirche hinausreicht", schreibt der österreichische Religionswissenschaftler in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de.

Papst Leo XIV. bei einer Sonderaudienz im Zuge der Heilig-Jahr-Feiern am 20. Dezember 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. / © Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. bei einer Sonderaudienz im Zuge der Heilig-Jahr-Feiern am 20. Dezember 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. / © Romano Siciliani ( KNA )

So hatten rund 54 Prozent der wahlberechtigten Katholiken in den USA bei der vergangenen Präsidentschaftswahl noch Trump unterstützt.

Einen Grund dafür sieht Weiß darin, dass sie ihn als Gegengewicht zu einem aus ihrer Sicht überzogenen Reformeifer von Papst Franziskus sahen. "Diese Logik trägt nun nicht mehr", so Weiß. "Wer Trump einst als Bollwerk gegen eine enthemmte Moderne und Beliebigkeit verstand, steht nun vor der Frage, ob diese Loyalität noch mit den eigenen katholischen Maßstäben vereinbar ist."

Leo nimmt Opposition die Schärfe

Anders als seinem Amtsvorgänger könne Papst Leo weder naive Fortschrittsgläubigkeit noch prinzipielle Reformrhetorik zugeschrieben werden. Zwar setze er die Linie von Franziskus inhaltlich fort, gebe aber gleichzeitig Diskussionen mehr Raum und entziehe damit der Opposition ihre Schärfe. 

Andreas G. Weiß / © Lorenz Masser (privat)
Andreas G. Weiß / © Lorenz Masser ( privat )

Ein Beispiel dafür ist laut Weiß die Zulassung einer Messe im alten Ritus im Petersdom vergangenes Jahr. Franziskus hatte die sogenannte tridentinische Messe strikt untersagt. "Leo gibt nicht einfach nach, macht aber auch keinen Kulturkampf daraus", erklärt Weiß. Er wolle Konflikte nicht leugnen, mache aber auch klar, dass es unter ihm keine Schritte zurück mehr gebe.

Gleichzeitig sei es nun Trump, der in zentralen Punkten wie Friedensethik, Menschenwürde und Gewaltablehnung klassischen katholischen Grundüberzeugungen widerspricht. Dass er sich nicht mehr um eine erneute Wiederwahl bemühen müsse, wirke auf seine Regierung enthemmend, meint Weiß. 

Das zeige sich etwa beim Thema Frieden. Trump reklamiere ihn für sich, denke ihn aber gleichzeitig als etwas, was auch gewaltsam durchgesetzt werden könne. Er setze auf eine Stärke, die sich nicht in Verlässlichkeit, sondern in Unberechenbarkeit zeige. "Was bleibt, ist das, was immer seine eigentliche Stärke war: Schlagzeilen zu produzieren – koste es, was es wolle."

Robert Francis Prevost (Papst Leo XIV.)

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Robert Francis Prevost gilt als ein Kardinal der Mitte. Obwohl US-Amerikaner ist der Ordensmann in Rom, der Kurie und der Weltkirche zu Hause. Zuletzt leitete der 69-Jährige die Vatikanbehörde für Bischöfe, quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. In dieser Funktion war Prevost in den vergangenen zwei Jahren zuständig für einen Großteil der Bischofsernennungen weltweit.

Papst Leo XIV / ©  Andrew Medichini/AP (dpa)
Papst Leo XIV / © Andrew Medichini/AP ( dpa )
Quelle:
KNA