Was haben Präsident Trump und Erzbischof Coakley besprochen?

Geheimniskrämerei nach Treffen

Es wird ein Geheimnis um das Treffen im Oval Office gemacht. Das Weiße Haus und die US-Bischofskonferenz bleiben Details zum Gespräch zwischen Erzbischof Paul Coakley und US-Präsident Donald Trump schuldig. Das sorgt für Spekulationen.

Autor/in:
Bernd Tenhage
Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, zu Besuch bei Präsident Donald Trump im Weißen Haus (The White House)
Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, zu Besuch bei Präsident Donald Trump im Weißen Haus / ( The White House )

Die offiziellen Fotos aus dem Oval Office vermitteln den Eindruck von Harmonie. Der US-Präsident sitzt hinter dem "Resolute Desk" genannten Schreibtisch und grinst wie üblich in die Kamera. Links daneben steht Erzbischof Paul Coakley mit angelegten Händen und lächelt. 

Eine zweite Aufnahme zeigt den Vorsitzenden der katholischen US-Bischofskonferenz, wie er Donald Trump die Hand schüttelt. Der Präsident hält es nicht für nötig, dafür aufzustehen. Die offenbar beabsichtigte Botschaft: Der Bischof mit der runden Brille darf froh sein, eine Audienz im Allerheiligsten des Weißen Hauses erhalten zu haben. 

Die Bischofskonferenz teilte nach dem Treffen am Montag mit, Coakley habe "die Gelegenheit zu einführenden Gesprächen mit Präsident Trump" gehabt. Dabei seien "Bereiche gemeinsamen Interesses sowie Bereiche für weiteren Dialog" erörtert worden. An dem Treffen im Oval Office nahmen auch Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio teil, beide Mitglieder der katholischen Kirche.

Man kann nur spekulieren

Inhaltlich hatte die Bischofskonferenz anschließend nichts mitzuteilen. Auch das Weiße Haus lieferte nicht das in Aussicht gestellte Readout. Tatsächlich weiß niemand außer den Teilnehmern selbst, worüber die Männer hinter verschlossenen Türen im Oval Office gesprochen haben; es kann nur spekuliert werden.

Da wäre zunächst die Einwanderungspolitik, bei der die Bischöfe und die Regierung unterschiedliche Positionen vertreten. Hinzu kommt die Frage des sogenannten Hyde Amendments, das öffentliche Gelder für Abtreibung weitgehend verbietet. Trump hatte vergangene Woche republikanische Abgeordnete aufgefordert, bei diesem Thema "flexibel" zu sein – was die Bischöfe umgehend kritisierten. In der Gender-Politik hingegen liegen Kirche und Regierung auf einer Linie.

Solidaritätskundgebung für Migranten in East Meadow (USA). / © Gregory A. Shemitz/OSV News (KNA)
Solidaritätskundgebung für Migranten in East Meadow (USA). / © Gregory A. Shemitz/OSV News ( KNA )

Das Treffen fand nach einem Wochenende landesweiter Proteste gegen das Vorgehen der Einwanderungspolizei in Minneapolis statt. Dort hatte ein Beamter die dreifache Mutter Renee Nicole Good (37) hinter dem Steuer ihres Autos erschossen, als sie gegen die Praktiken der vermummten Beamten protestierte. Die Trump-Regierung wirft ihr vor, versucht zu haben, den Beamten mit ihrem Fahrzeug zu rammen. Andere Stimmen widersprechen dieser Darstellung.

Schweigen zu Todesschüssen von Minneapolis

Während die katholische Gemeinde in Minneapolis samt Erzbischof Bernard Hebda und andere Kirchen national Stellung zu dem Vorgang bezogen, der weltweit Schlagzeilen machte, schwieg die US-Bischofskonferenz. Auch vom Vorsitzenden Coakley war öffentlich nichts zu hören. Ob er das Thema im Oval Office ansprach, bleibt offen.

Dabei hatten die Bischöfe bei ihrer Herbsttagung im November eine seltene "besondere Botschaft" zur Einwanderung verabschiedet. In dem Dokument bekannten sie sich zur Solidarität mit Migranten und lehnten eine "wahllose Massenabschiebung" ab. Die Erklärung war ein Kompromiss zwischen der konservativen Mehrheit der Bischöfe und dem wachsenden Flügel, der mehr auf der Linie von Papst Leo XIV. und seines verstorbenen Vorgängers Franziskus liegt.

Drehscheibe des Rechtskatholizismus

Coakley gehört zum konservativen Lager und fiel in der Vergangenheit durch einen strikten Kurs bei Abtreibung und Transgender-Themen auf. Er diente als geistlicher Ratgeber des traditionalistischen Napa-Instituts, das eine Drehscheibe des US-Rechtskatholizismus ist. 2018 unterstützte er öffentlich den Franziskus-Kritiker Carlo Maria Viganò, der später wegen als spaltend bewerteter Positionen exkommuniziert wurde.

Erzbischof Paul Coakley (Erzbistum Oklahoma City)

Beobachter halten es für keinen Zufall, dass Coakley öffentlich weder die Ereignisse in Minneapolis noch den Militärschlag in Venezuela kommentierte - und auch nach dem Treffen im Oval Office inhaltlich schmallippig blieb. Die Begegnung habe die Möglichkeit für "weitere Gespräche über Themen von beiderseitigem Interesse" geschaffen, erklärte Coakley in einem Social-Media-Posting. Er hoffe auf eine Fortsetzung.

Trump seinerseits hat nun schöne Bilder aus dem Oval Office. Sie signalisieren im Wahljahr der wichtigen Gruppe der katholischen Wähler: Es besteht gutes Einvernehmen mit der Kirche - ob das am Ende stimmt oder nicht.

Paul Coakley

Die katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten haben auf ihrer Herbstvollversammlung in Baltimore den Erzbischof von Oklahoma City, Paul Coakley, zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Wie die US-Bischofskonferenz mitteilte, setzte sich der 70-Jährige in einer Stichwahl mit 128 zu 109 Stimmen gegen seinen Mitbewerber Bischof Daniel Flores aus Brownsville durch, der anschließend Vizepräsident wurde.

Paul Coakley, Erzbischof von Oklahoma City / © Bob Roller/OSV News (KNA)
Paul Coakley, Erzbischof von Oklahoma City / © Bob Roller/OSV News ( KNA )
Quelle:
KNA