Warum für Annette Schavan der Dreikönigstag ein Höhepunkt ist

Ihr "besonderes Weihnachten"

Glaube und Menschenwürde: Die Weihnachtsbotschaft sei revolutionär, sagt Annette Schavan. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was sie ganzjährig bewegt und an welches Weihnachtshighlight sie gerne zurückdenkt.

Annette Schavan / © Matthias Schmiedel
Annette Schavan / © Matthias Schmiedel

Nicht der 24.12. - seit ihrer Kindheit ist für Annette Schavan (CDU) in der Weihnachtszeit der 6.1. besonders wichtig. Die ehemalige Bundesministerin und Botschafterin sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): In ihrer nach den Heiligen Dreikönigen benannten Heimatgemeinde in Neuss habe sie gelernt, dass die Weihnachtszeit bis weit in den Januar hineinreiche: "Am 6. Januar war das Patrozinium der Kirche mit einem Festhochamt. Das war der Höhepunkt der Weihnachtszeit schlechthin."

Bis heute sei das Fest Epiphanie für sie ein inspirierender Tag in der Weihnachtszeit: "mit dieser großen Botschaft (und den vielen Bildern dazu), dass die Mächtigen der Welt sich vor dem Kind in der Krippe verbeugen".

"Fürchtet Euch nicht"

Bis zum Jahr 2018 habe sie jedes Weihnachtsfest in ihrem Elternhaus in Neuss gefeiert: "Immer war meine Aufgabe am Morgen des Heiligabends, den Baum zu schmücken", erinnert sich Schavan. Zuletzt habe sie den Heiligabend eher still mit ihrer Mutter verbracht, bevor am Ersten Weihnachtstag ihre Geschwister mit Familien dazukamen.

Heute feiere sie mit Christbaum, Besuch von Freunden und Christmette zu Hause in Ulm. Doch die Botschaft sei geblieben: "'Fürchtet Euch nicht.' Und geblieben ist, dass der 6. Januar mein besonderes Weihnachten ist und einer meiner Lieblingstage im Jahr", erklärt die Politikerin.

"Ein Kind mischt die Welt auf"

Die Weihnachtsbotschaft sei für sie Trost und Aufforderung, sie nicht auf ein bis zwei Tage zu beschränken, sagt Schavan. "Sie ist gleichsam eine Ganzjahresbotschaft - ein Kind in der Krippe mischt die Welt auf; die Mächtigen verneigen sich vor diesem Kind." So beginne eine neue Zeit mit einer gänzlich neuen Sicht auf den Menschen, so Schavan: "Jedem, wirklich jedem Menschen kommt eine ihm von Gott verliehene unveräußerliche Menschenwürde zu. Das ist revolutionär."

Diese Botschaft wurde für sie während ihrer Zeit als Botschafterin am Vatikan (2014-2018) ganz konkret: In Rom hatte die Laiengemeinschaft Sant'Egidio arme Menschen, darunter auch gerade angekommene Flüchtlingsfamilien, zum festlichen Weihnachtsessen in der Kirche Maria in Trastevere eingeladen. Sie sei damals wie andere Mitglieder des Diplomatischen Corps gebeten worden, den Service zu übernehmen.

Kirche: großartig und erbärmlich

Tief bewegt habe sie die Begegnung mit Menschen, die erst kurz zuvor in Italien angekommen waren, vor allem Mütter mit ihren Kindern: "Ihre Kraft, ihre positive Ausstrahlung klingt bis heute in mir nach. Kein Weihnachtsfest war für mich so intensiv und ist bis heute so tief in meiner Seele verankert."

Als Christin sei sie froh, Teil einer weltweiten Gemeinschaft des Glaubens und des Gebets "in so vielen verschiedenen Kulturen" zu sein. "Das ist für mich eine Stärke der Christenheit, kulturelle Vielfalt mit gemeinsamen Ritualen des Gebetes und der festlichen Gottesdienste zu verbinden. Die Welt ist gleichsam spürbar in den Gottesdiensten", erklärt die ehemalige Politikerin. Sie habe es sich jedoch abgewöhnt, Weihnachts- oder sonstige Wünsche an die Kirche zu formulieren, sagt Schavan: 2Sie ist, wie sie ist - großartig und erbärmlich zugleich."

Quelle:
KNA