Wald im Mittelpunkt des Weltumwelttags

Das ist der Wipfel

Die Liebe der Deutschen zum Baum ist legendär und hat immer wieder seltsame Blüten getrieben. Da passt es gut, dass der internationale Tag der Umwelt an diesem Sonntag dem Wald gewidmet ist. Ein Blick auch auf die Kirchen, die seit Jahrhunderten im Forstbusiness mitmischen.

Autor/in:
Joachim Heinz
 (DR)

Bundesweit, so teilt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn mit, beteiligen sich über 800 Akteure aus Naturschutz und Gesellschaft an dem Aktionstag. Das Motto lautet: "Entdecken sie unser Waldkulturerbe!" Wer Augen und Ohren öffnet, wird feststellen: Im dunklen Tann und unter lichten Buchenhainen hat sich in den vergangenen Jahrhunderten diesbezüglich so einiges angesammelt. Schon der Direktor der Königlich Preußischen Staatslotterie und Freizeitpoet Wilhelm Bornemann wusste im 19. Jahrhundert zu berichten: "Im Wald und auf der Heide, da such ich meine Freude." Mindestens ebenso bekannt ist Theodor Fontanes Knecht Ruprecht, der sich mit den Worten "Von drauß" vom Walde komm" ich her" vorstellte.



Von einem Zeitgenossen des großen Goethe, Christoph Martin Wieland, ist die Zeile überliefert "Sie sehn den Wald vor lauter Bäumen nicht". Eine weise Einsicht, die für den ein oder anderen Spaziergänger unserer Tage wohl noch zutreffen mag. Nicht jedoch für die deutschen Forstverwaltungen. Die haben in gewohnt gründlicher Manier festgestellt, dass hierzulande rund sieben Milliarden Bäume "mit einem Mindestdurchmesser von sieben Zentimetern in 1,3 Metern Höhe" rund 11,1 Millionen Hektar bedecken. Das sind zehn Prozent mehr Wald als noch vor vierzig Jahren. Trotz Waldsterben und Klimawandel. Andernorts sieht es freilich weniger gut aus. Jahr für Jahr gehen durch Raubbau und Umweltkatastrophen zum Beispiel in Russland und Brasilien 13 Millionen Hektar Naturwald verloren.



Seit undenklichen Zeiten von kirchlichen Eigentümern bewirtschaftet

Dabei ist Holz "der größten und nötigsten Dinge eines in der Welt", wie kein geringerer als Martin Luther zu Protokoll gegeben haben soll. Der Reformator ein Waldschrat ehrenhalber? Eher wusste der Theologe wohl aus eigener Erfahrung um die wirtschaftliche Bedeutung der Wälder. Denn die Kirchen mischen, wenn auch als vergleichsweise kleiner Player, seit Jahrhunderten im Forstbusiness mit. Der Statistik zufolge gehören 44 Prozent des Waldes privaten Besitzern, und zu denen werden auch die Kirchen gerechnet.



Meist handelt es sich um Streubesitz von nur wenigen Hektar, wie Michael Schicketanz von der Arbeitsgemeinschaft Kirchenwald erläutert. Oft lassen sich diese Landstücke auf Stiftungen zurückführen, die zum Erhalt der Kirche am Ort beitragen oder die Stelle des Pfarrers finanzieren sollten. Schicketanz zufolge gibt es aber auch Flächen von mehreren tausend Hektar, die seit undenklichen Zeiten von ihren kirchlichen Eigentümern bewirtschaftet werden. Das zur evangelischen Hannoverschen Landeskirche gehörende ehemalige Zisterzienserkloster Loccum ist so ein Fall.



Alte Strukturen haben sich auch in manchen süddeutschen katholischen Bistümern erhalten - und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Warum? "Weil die entsprechenden Besitztümer unter der kommunistischen Herrschaft nicht enteignet wurden und selbst bewirtschaftet werden konnten", erläutert Schicketanz. Was auch erklärt, warum die Arbeitsgemeinschaft, die heute Experten in Ost und West versammelt, ihre Wurzeln im sachsen-anhaltinischen Wittenberg hat. Ein Blick in die Tagungsunterlagen zeigt: Nachhaltiges Wirtschaften haben sich die kirchlichen Betriebe in besonderer Weise auf die Fahnen geschrieben. Wie heißt es doch gleich? "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus."