Zentralrat stellt sich hinter Antisemitismusbeauftragten Klein

Vorwürfe "abwegig und respektlos"

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung sein Vertrauen ausgesprochen. Besorgt zeigte sich Schuster im Blick auf die Corona-Demonstrationen.

Männer mit Kippa / © Markus Nowak (KNA)
Männer mit Kippa / © Markus Nowak ( KNA )

Der "Welt am Sonntag" sagte Schuster: "Felix Klein zeigt viel Engagement und scheut sich auch nicht, das als Antisemitismus zu bezeichnen, was Antisemitismus ist." Die Vorwürfe gegen Klein seien "aus der Luft gegriffen, völlig abwegig und respektlos".

Kürzlich hatten 60 Wissenschaftler und Publizisten in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin den Bundesbeauftragten im Kampf gegen Antisemitismus kritisiert und ihm vorgeworfen, Klein erzeuge eine Atmosphäre der Angst. Dazu sagte Schuster: "Ich sehe nicht, dass wir in Deutschland in einer solchen Atmosphäre leben."

Schuster sagte ferner: "Antisemitismus ist kein einheitliches Gebilde und kommt aus unterschiedlichen politischen Richtungen und Motiven. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, welche Stelle im Kampf gegen den Antisemitismus die falsche wäre. Felix Klein bekämpft den Antisemitismus in all seinen Schattierungen. Ich kann ihn nur bestärken, darin nicht nachzulassen."

Steigende Zahl antisemitischer Vergehen

Die steigende Zahl antisemitischer Vergehen erklärt sich Schuster zum einen mit einer größeren Sensibilität gegenüber diesem Problem. "Deswegen werden heute mehr antisemitische Straftaten angezeigt oder von der Polizei auch als antisemitisch registriert." Zum anderen aber traue man sich heute mehr als früher das zu sagen, was man früher nur gedacht habe. "Und wenn dann noch Mandatsträger etwa der AfD ihre Ressentiments öffentlich machen, dann senkt das allgemein die Hemmschwelle. Aus Worten werden dann Taten."

Den Schutz jüdischer Einrichtungen kurz vor den hohen jüdischen Feiertagen im September hält Schuster für ausreichend. Unmittelbar nach dem Anschlag von Halle hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine Konferenz aller Innenminister einberufen. Auf dieser Konferenz wurde vereinbart, die Sicherheitsmaßnahmen von jüdischen Einrichtungen sowohl technisch wie personell zu verbessern. "Seitdem hat sich einiges zum Positiven gewandelt", sagte Schuster.

Schuster: Verhalten der Anti-Corona-Demonstranten "unsäglich"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich besorgt über die wöchentlichen Corona-Demonstrationen geäußert. Im Interview der "Welt am Sonntag" sagte Schuster: "Corona dient eindeutig als Katalysator für Verschwörungsmythen und auch für Antisemitismus." Jeder, der an einer Demonstration teilnimmt, müsse sich anschauen, "mit wem er sich gemein macht und letztlich dann auch dafür geradestehen".

Schuster hält sämtliche Vergleiche der Anti-Corona-Demonstranten mit der Lage der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus für unangebracht. "Dieses Verhalten ist unsäglich." Kein Bürger erfahre seit Beginn der Corona-Krise auch nur in Ansätzen die Verfolgung, die Juden ab 1933 bis schließlich zur Vernichtung erfuhren.

"Auch besorgt mich die Mythenbildung, wer für die Pandemie angeblich verantwortlich sei. Das erinnert mich an das Mittelalter, als es hieß, die Juden seien schuld am Ausbruch der Pest. Damit begannen dann die Pogrome." Immer dann, wenn sich eine Bedrohung nicht fassen lasse, richte sich ein wütender Blick auf die Minderheiten. "Die Juden wurden da seit jeher in die Rolle der Schuldigen gedrängt und wurden zu Opfern", sagte Schuster.

Josef Schuster / © Harald Oppitz (KNA)
Josef Schuster / © Harald Oppitz ( KNA )
Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung: Felix Klein / © Rene Bertrand (dpa)
Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung: Felix Klein / © Rene Bertrand ( dpa )
Quelle:
KNA