Vier weitere Opfer in Missbrauchsprozess gegen Priester

Taten noch nicht verjährt

Im Fall des wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten katholischen Priesters U. soll es vier weitere mutmaßliche Opfer geben. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Kölnischen Rundschau".

Insignien weltlicher Gerichtsbarkeit: Hammer, Justitia und Aktenstapel. / © Volker Hartmann (dpa)
Insignien weltlicher Gerichtsbarkeit: Hammer, Justitia und Aktenstapel. / © Volker Hartmann ( dpa )

Demnach wurde eine dieser vier weiblichen Betroffenen bereits als Zeugin in dem Prozess vernommen, der derzeit vor dem Landgericht Köln läuft. Die drei anderen mutmaßlichen Betroffenen sollen an den weiteren Verhandlungsterminen noch gehört werden.

Missbrauchsprozess gegen Priester U. in Köln / © Theo Barth (KNA)
Missbrauchsprozess gegen Priester U. in Köln / © Theo Barth ( KNA )

U. ist angeklagt, weil er in den 1990er-Jahren seine drei minderjährigen Nichten zum Teil schwer missbraucht haben soll. Zudem soll er sich 2011 an einem elfjährigen Mädchen vergangen haben. Der Prozess läuft seit Ende November. Zuletzt war darin auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße als Zeuge gehört worden. Er war als früherer Personalchef des Erzbistums Köln mit dem Fall U. befasst.

Die neuen Zeuginnen haben laut Staatsanwaltschaft Taten geschildert, die noch nicht verjährt sind und somit Gegenstand von Gerichtsverfahren werden könnten. "Ob diese Taten noch in den Prozess im Wege einer sogenannten Nachtragsklage eingeführt werden können, hängt auch von der Zustimmung des Angeklagten ab", sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer der "Rundschau". Sollte der Angeklagte seine Zustimmung zu diesem Vorgehen nicht geben, müsste die Staatsanwaltschaft gegebenenfalls gesonderte Ermittlungsverfahren einleiten.

Chronik des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche

Januar 2010: Der Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, Pater Klaus Mertes, macht durch einen Brief an ehemalige Schüler den Missbrauchsskandal an seiner Schule bekannt. Jesuiten hätten in den 1970er und 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht. Er löst damit eine Welle von Enthüllungen zu Missbrauchsfällen in der Kirche, aber auch in Schulen und anderen Institutionen aus.

 (DR)
Quelle:
KNA