Kirche muss laut Liturgieexperte mehr wagen

"Viel Luft nach oben"

Nach Einschätzung des Trierer Liturgiewissenschaftlers Marco Benini sollte Kirche mehr wagen, um Menschen für Gottesdienste zu gewinnen. Eine kirchliche Willkommenskultur sei wichtig.

Gottesdienstbesucher machen Kreuzzeichen / © Lars Berg (KNA)
Gottesdienstbesucher machen Kreuzzeichen / © Lars Berg ( KNA )

Etwa ein Drittel der Gottesdienstbesucher sei nach den Einschränkungen in der Corona-Krise nicht wieder zurückgekehrt, sagte der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts (DLI) am Dienstag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kirche könne sich viel professioneller aufstellen und etwa Menschen persönlich oder mit regelmäßiger E-Mail-Erinnerung aktiv zum Gottesdienst einladen.

Kirchliche Willkommenskultur sei wichtig

Auch bei bestehenden Angeboten wie Pfarrbrief, Homepage oder WhatsApp sehe er "viel Luft nach oben", so Benini. Wichtig sei auch eine kirchliche Willkommenskultur. Denn wer sich willkommen fühle, nehme intensiver am Gottesdienst teil. "Da könnten wir als Kirche stärker punkten und zum Beispiel einen Willkommensdienst etablieren", sagte der Theologe. Auch gelte es, Rituale in der Liturgie mehr zu erklären. "Im Gottesdienst tun wir oft Dinge, ohne zu wissen, warum", so Benini.

Erfahrung vor Ort sei noch intensiver

Professionelle Online- und Fernsehgottesdienste in der Corona-Zeit haben nach Worten des Theologen den Blick für liturgische Elemente, Predigt, Musik und Inszenierung geschärft. "Alles Wichtige ist sichtbar und perfekt ausgeleuchtet." Das gelte es, in Präsenzgottesdienste zu übernehmen, in denen man manche Handlung kaum mitbekomme. Zugleich warb Benini für Präsenzgottesdienste in Gemeinschaft. Außer dem Empfang der Sakramente sei die sinnliche Erfahrung vor Ort intensiver. "In der Kirche wirkt das Gebäude auf uns. Die Gerüche, das gemeinsame Singen, die Gebärden", sagte er und betonte: "Seien wir mal ehrlich, niemand kniet sich zu Hause vor den Laptop oder Fernseher hin."

Liturgie nach Corona

Zum Thema Liturgie nach Corona veranstaltet das DLI am Dienstag- und Mittwochabend online eine Sommerakademie und will im Anschluss Empfehlungen für Gemeinden herausgeben. Das DLI beschäftigt sich als Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz mit Fragen der Liturgie der katholischen Kirche in Deutschland und im deutschen Sprachgebiet. Das Institut versteht sich als Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis, von kirchlichen Institutionen und Gemeinden. Es gibt liturgische Bücher, das Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob" sowie die Zeitschrift "Gottesdienst" heraus. Zum Institut gehört auch eine umfangreiche Fachbibliothek mit rund 70.000 Bänden und 250 Zeitschriften.

Quelle:
KNA