Kirchlicher Dienst kritisiert Caritas-Nein zu Pflege-Tarif

"Vertane Chance"

Kritik am Nein der Caritas zu einem flächendeckenden Tarifvertrag in der Altenpflege kommt vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der evangelischen Nordkirche. Damit sei die Chance vertan, den Fachkräftemangel zu bekämpfen.

Pflegekraft und Heimbewohnerin / © Tobias Kleinschmidt (dpa)
Pflegekraft und Heimbewohnerin / © Tobias Kleinschmidt ( dpa )

Ein flächendeckenden Tarifvertrag wäre ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege gewesen, sagte die Leiterin des Kirchlichen Diensts in der Arbeitswelt (KDA), Gudrun Nolte, am Mittwoch in Hamburg. "Zudem hätte er zu einer Aufwertung des Pflegeberufes beitragen können, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken." Dies werde nun durch die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas verhindert.

Die zuständige Bundeskommission der Caritas hatte vergangene Woche dagegen gestimmt, einen von dem relativ kleinen Pflege-Arbeitgeberverband BVAP und der Gewerkschaft Verdi ausgehandelten Tarifvertrag auf die ganze Branche auszuweiten. Allerdings bedauerte die Mitarbeiterseite die Entscheidung. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wollte diesen Vertrag auf die ganze Branche ausdehnen, benötigte dazu jedoch die Zustimmung von Caritas und Diakonie. Nach dem Nein der Caritas stimmte die Diakonie am Freitag nicht mehr darüber ab.

Mehr Solidarität mit Pflegekräften

Auch dieses Verhalten der Diakonie kritisierte Nolte als "vertane Chance". Auch im Nicht-Kommunizieren eines so wichtigen und großen Trägers von Pflegeeinrichtungen sei eine Botschaft enthalten. Sie habe sich eine größere Solidarität gewünscht. "Als kirchlicher Fachdienst bedauern wir diese Entwicklungen sehr und stellen uns an die Seite der Altenpflegekräfte sowie der Gewerkschaften und Verbände, die sich für den Tarifvertrag stark gemacht haben."

Kritik von Bundesarbeitsminister

Am Montag hatte bereits Heil Kritik geäußert: Durch die Verhinderung sei "eine historische Chance" verpasst worden. Er sehe es als "eine Frage der Vernunft, dass wir bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen haben". Zuvor hatten sich beide kirchlichen Wohlfahrtsverbände für eine bessere Bezahlung und attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege stark gemacht. Auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) kritisierte das Vorgehen. Ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag hätte für die gesamte Pflegebranche Mindestbedingungen etwa für Gehälter und Urlaubsansprüche gebracht, so die KAB.

Der KDA der Nordkirche versteht sich als Fachdienst für die Bereiche Wirtschaft und Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) und als Vermittler zwischen Kirche und Arbeitswelt.

Quelle:
KNA