Katholische Verbände fordern größere Akzeptanz der Care-Arbeit

"Sorgearbeit ist wesentlicher Bestandteil unseres Gemeinwohls"

Anlässlich des Equal Care Day fordern Katholische Verbände eine größere gesellschaftliche Anerkennung für Care-Arbeit. Neben einer deutlich höheren Wertschätzung für Sorgearbeit sei auch eine höhere Entlohnung im Pflegesektor nötig.

Familiäre Fürsorge im Pflegeheim (dpa)
Familiäre Fürsorge im Pflegeheim / ( dpa )

"Sorgearbeit ist wesentlicher Bestandteil unseres Gemeinwohls, das zeigt die Corona-Pandemie mehr als deutlich. Dabei ist die Fürsorge in der Familie genauso wichtig wie die professionelle oder ehrenamtliche Arbeit", sagte die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB), Maria Flachsbarth, am Freitag anlässlich des Equal Care Day am Montag.

Mehr Wertschätzung

Berufe und Tätigkeiten im Pflegesektor bräuchten eine höhere Wertschätzung in der Gesellschaft. Dazu gehörten eine adäquate Vergütung und eine geschlechtergerechte Aufteilung der Sorgearbeit. Der KDFB forderte zudem eine Aufstockung des Personals in Pflegeeinrichtungen und -diensten, eine verbesserte Vereinbarkeit von Erwerbs- und Pflegezeit, mehr vollzeitnahe Teilzeitstellen sowie eine größere Entlastung pflegender Angehöriger.

Verbesserte Arbeitsbedingungen

Auch der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) drängt auf bessere Arbeitsbedingungen und Entlohnungen für Berufe in der Pflege, in haushaltsnahen Dienstleistungen und Kinderbetreuung. "Es zeichnet sich ab, dass wir zukünftig wesentlich mehr Fachkräfte in der Care-Arbeit benötigen als in der Produktion. Und doch gelingt es noch immer nicht, die entsprechenden Berufe attraktiver zu gestalten", kritisierte die Bundesvorsitzende Hildegard Eckert.

Mehr Gleichberechtigung

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und die Gemeinschaft der katholischen Männer Deutschlands (GKMD) machten auf die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit aufmerksam. Die Corona-Pandemie zeige dies besonders. "Wir müssen die ungleiche Verteilung endlich ändern. Die unbezahlte und oft unsichtbare Arbeit von Frauen muss endlich die Aufwertung erfahren, die sie verdient", sagte die kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil.

Überkommene Rollenbilder

Die gerechte Verteilung und Aufwertung von Care-Arbeit sei ein gemeinsames Anliegen von Frauen und Männern. Die kfd kooperiere deshalb erstmalig mit der GKMD. "Auch für viele Männer ist das alte Rollenbild mit dem Mann als Ernährer zu einseitig. Sie wollen sich stärker an der Care-Arbeit beteiligen", sagte GKMD-Präsident Stephan Buttgereit.

"Der gesamte Care-Bereich muss als vernetztes System verstanden werden", betonte Flachsbarth. Politik und Gesellschaft dürften nicht nur bei einzelnen Symptomen ansetzen. Die Präsidentin ergänzte: "Sorge und Pflege haben immer mit der Würde des Menschen zu tun, und zwar grundsätzlichen mit allen daran Beteiligten."

Der Equal Care Day findet in Schaltjahren am 29. Februar statt, sonst wie in diesem Jahr am 1. März. Das Datum macht demnach deutlich, dass (Für-)Sorge, Pflege von alten, kranken und behinderten Menschen, Familienarbeit, Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen, Unterstützungsarbeit im Haushalt zwar "da", aber vielfach "unsichtbar" sei.

Quelle:
KNA