CSU-Kirchenbeauftragte verteidigt Söders "Kreuzzug"

"Verstehe die Aufregung nicht"

Kreuze als Symbol bayerischer Identität in allen Dienstgebäuden: Kritiker sehen darin die Neutralität des Staates gefährdet. Die CSU verteidigt den Vorschlag von Ministerpräsident Martin Söder.

Kreuz in einem Gerichtssaal / © Armin Weigel (dpa)
Kreuz in einem Gerichtssaal / © Armin Weigel ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie finden sie die Idee ihres Ministerpräsidenten in Zukunft in allen Dienstgebäuden Kreuze aufzuhängen?

Gudrun Brendel-Fischer (CSU-Abgeordnete im bayerischen Landtag und CSU-Sprecherin für die Evangelische Kirche): Ich finde daran überhaupt nichts zu kritisieren. Ich bin eher erstaunt, dass ausgerechnet ein kirchlicher Sender mit dieser Frage kommt. Denn eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Ich bin hier aufgewachsen, ich bin evangelisch erzogen, dann später katholisch geworden, jetzt bin ich wieder evangelisch aus familiären Hintergründen. Ich habe nie erlebt, dass sich irgendjemand daran gestört hätte, wenn ein Kreuz an der Wand hing. Als Schülerin und später als Lehrerin nicht. Von daher verstehe ich die Aufregung nicht. 

DOMRADIO.DE: Das Kreuz als Symbol bayerischer Identität sei viel zu kurz gegriffen – das sagen Kritiker. Es so zu benutzen, würde eher ausgrenzen – zum Beispiel Muslime oder Nichtgläubige.

Brendel-Fischer: Es ist mit Sicherheit keine Ausgrenzung Andersgläubiger – ganz im Gegenteil. Es soll auf unsere gesellschaftlichen Werte hinweisen, und es gibt ja auch Schnittmengen mit anderen Religionen – dafür soll es ein Symbol sein. Das hat nichts mit übertriebener bayerischer Identität zu tun. Wir wissen ja, dass das Kreuz nicht nur den Bayern gehört. Wie kann man um Gottes Willen auf eine solche Idee kommen?

DOMRADIO.DE: Kritiker sagen auch, dieser Vorschlag habe ein Geschmäckle. Denn es ist gerade Wahlkampf in Bayern und das Kreuz würde hier von Ministerpräsident Söder politisch instrumentalisiert, um der AfD Stimmen abzujagen.

Brendel-Fischer: Auch in früheren Verlautbarungen waren es immer die CSU und die bayerische Staatsregierung, die sich schon in den letzten Jahren immer aufgelehnt hat, wenn Gerichtsurteile wie das Kruzifix-Urteil gefällt wurden. Es ist absolut so, dass wir immer konsequent daran festgehalten haben und das auch weiterhin tun werden.

DOMRADIO.DE: Wir leben in einer pluralen Gesellschaft und in bayerischen Dienstgebäuden arbeiten nicht nur Christen, sondern auch Atheisten, Muslime, Juden. Hat da ein Kreuz etwas zu suchen?

Brendel-Fischer: Das fundierte Werteverständnis basiert auf unserer christlichen Wertehaltung. Ich denke nicht, dass sich ein Atheist an einem Kreuz stört. Es ist ja auch nicht unbedingt immer das Kruzifix, es gibt mittlerweile moderne Formen von Kreuzen, die sehr kreativ gestaltet sind. Ich habe in meinem Umfeld noch nie jemanden erlebt, der sich daran gestört hätte. Weder die Muslima noch der Atheist. Von daher denke ich, dass das Thema momentan eher von anderen Gruppierungen hochgespielt wird, die daraus parteipolitischen Profit schlagen wollen.

DOMRADIO.DE: Diese Diskussion schlägt gerade große Wellen. Wie ordnen sie das ein? Vielleicht ist es ja auch ganz gut, dass die Religion und unsere Einstellung zum Christentum wieder so ein großes Thema sind?

Brendel-Fischer: Es ist natürlich in den letzten Monaten etwas Unruhe aufgekommen, wenn zum Beispiel plötzlich christlich fundierte Festivitäten und Traditionen, wie zum Beispiel der Sankt-Martins-Umzug an einigen Orten, in Zweifel gezogen wurden – das rührt sicher daher, dass man jetzt wieder etwas gefestigter auf die eigenen Bräuche und Sitten, die mit unserer Religion zusammenhängen, schaut. Das besteht sicher ein Zusammenhang, dass da von muslimischen Verbänden oder auch Einzelpersonen oftmals Forderungen erhoben wurden, die nicht gut angekommen sind in unserer Gesellschaft. Denn mehrheitlich sind wir christlich-abendländisch geprägt. Warum sollen wir da von bestimmten Traditionen und Haltungen Abstand nehmen?

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Gudrun Brendel-Fischer / © http://www.brendel-fischer.de/ (privat)
Gudrun Brendel-Fischer / © http://www.brendel-fischer.de/ ( privat )
Quelle:
DR