Verfolgte Schriftsteller und Journalisten auf der Buchmesse

Schreiben unter erschwerten Bedingungen

Es sind seltsame Zeiten, in denen unmögliche Dinge geschehen, sagt Salman Rushdie. In der Tat, könnte man meinen, wenn man auf der Frankfurter Buchmesse Autoren und Journalisten zuhört, die in ihrer Heimat verfolgt werden.

Frankfurter Buchmesse / © Fabian Sommer (dpa)
Frankfurter Buchmesse / © Fabian Sommer ( dpa )

Sie werden bedroht, eingesperrt oder gefoltert. Manche gehen ins Exil und setzen sich mitunter einer fremden Sprache aus. Die Rede ist von Autoren und Journalisten, für die die eigene Arbeit lebensgefährlich geworden ist. Zum Beispiel, weil sie die Regierung ihres Landes kritisieren und Missstände anprangern. Und dennoch lassen sie ihre Arbeit nicht links liegen - es ist ein Schreiben unter erschwerten Bedingungen. Einige dieser Schriftsteller und Journalisten sind auch auf der noch bis diesen Sonntag laufenden Frankfurter Buchmesse zu Gast.

Zum Beispiel die aus der Türkei stammenden Can Dündar, Burhan Sönmez und Asli Erdogan. "Du weißt nie, was dich am nächsten Morgen erwartet", beschreibt der Autor Sönmez, der mehrere Jahre außerhalb der Türkei gelebt hatte, die aktuelle Situation in seinem Land. Er betonte, dass man mit der Demokratie als Staatsform nicht geboren sei, sondern sie immer wieder verteidigen müsse.

Bedeutung der Pressefreiheit

Dündar sagte, er sehe eine "Wolke aus Angst" über der Türkei. Er unterstrich, wie wichtig beispielsweise auch die Pressefreiheit sei. "Ohne Pressefreiheit kann man nicht atmen." Dündar war Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet". Nachdem er eine Weile im Gefängnis gewesen war - die Regierung warf ihm vor, Staatsgeheimnisse verraten zu haben - ging er später nach Deutschland ins Exil.

Nicht nur Asli Erdogan konstatierte, dass es schwierig sei, ein Publikum zu finden. Sie war in der Türkei vorübergehend inhaftiert und bekam erst kürzlich ihren Reisepass von den Behörden zurück. Die Autorin und Journalistin prangert in ihren Texten auch die Repression von Kurden in der Türkei an.

Noch immer sind zahlreiche weitere Journalisten in der Türkei in Haft, so auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel. In die Richtung der Inhaftierten sagte Dündar, dass sie zwar in Haft seien, ihre Geschichten aber nach draußen gedrungen seien.

Ebenfalls in Haft ist der saudische Blogger Raif Badawi. Er setzt sich für Pressefreiheit in seiner Heimat ein und wurde wegen Beleidigung des Islam 2012 zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt. Am Mittwoch wurde auf der Buchmesse der "Raif Badawi Award for courageous journalists 2017" an den türkischen Journalisten Ahmet Sik verliehen - in Abwesenheit, da auch er in Haft sitzt.

Genre "Gefängnisroman"

Sik schreibt unter anderem für die "Cumhuriyet", deren Chefredakteur Dündar war. Sein Buch "Die Armee des Imam" über die Gülen-Bewegung galt in der Türkei als "das gefährlichste Buch des Landes". 2011 wurde er noch vor Veröffentlichung unter dem Verdacht inhaftiert, der angeblichen Putschisten-Organisation "Ergenekon" anzugehören. Nach einer Entlassung ist er jedoch seit Ende 2016 erneut im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, Terror-Propaganda zu verbreiten und Staatsorgane zu beleidigen.

Was es heißt, mit Gräueln konfrontiert zu werden, weiß Larissa Bender: Sie übersetzt Literatur aus dem Arabischen. Mit Blick auf Syrien und andere Konflikte in der Region betonte sie: "Wir müssen wissen, unter welchen Bedingungen solche Menschen leben und inhaftiert sind." Es sei bezeichnend, dass es in der arabischen Welt das Genre des "Gefängnisromans" gebe. In Deutschland entwickele sich unter Flüchtlingen, die in ihrer Heimat publiziert hätten, eine Literaturszene, sagte Bender, die etwa von Niroz Malek "Der Spaziergänger von Aleppo" übersetzt hat.

Öffentlicher Auftritt von Rushdie

Ziemlich entspannt zeigte sich der britische Schriftsteller Salman Rushdie. Auf die Bühne kam er mit einem halbvollen Glas, das mit Rotwein gefüllt zu sein schien. Zu seiner eigenen Situation sagte er nichts - wohl aber zur Lage in den USA unter Donald Trump.

Dass Rushdie öffentlich auftritt, ist nicht selbstverständlich: Nach der Veröffentlichung des Romans "Die satanischen Verse" hatte der iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini den Autor 1989 mit einer Fatwa zum Tode verurteilt - weil das Buch "gegen den Islam, den Propheten und den Koran" gerichtet sei.

Rushdie bilanzierte: "Dies sind seltsame Zeiten, in denen unmögliche Dinge geschehen." Wie merkwürdig es zugehen kann, beschrieb Asli Erdogan: Als sie inhaftiert gewesen sei, habe sie festgestellt, dass Bücher von ihr in der Gefängnisbücherei gestanden hätten.

Salman Rushdie auf der Buchmesse / © Frank May (dpa)
Salman Rushdie auf der Buchmesse / © Frank May ( dpa )
Autor/in:
Leticia Witte
Quelle:
KNA
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