Atwood: Romane reflektieren immer die Gegenwart

"Wir müssen uns fragen, wie wir leben wollen"

An diesem Sonntag erhält die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Auf der Buchmesse sprach sie über die Stimmung in den USA und verriet, warum sie Trumps Twitter-Account gerne löschen würde.

Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels / © Arne Dedert (dpa)
Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels / © Arne Dedert ( dpa )

Die kanadische Schriftstellern Margaret Atwood hat es als große Ehre bezeichnet, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu erhalten. Der mit 25.000 Euro dotierten Preis wird ihr an diesem Sonntag in Frankfurt verliehen. "Romane reflektieren die Gesellschaft, in der der Autor lebt, selbst wenn sie in der Zukunft spielen", sagte die Schriftstellerin, die als Meisterin düsterer Zukunftsszenarien gilt, am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse vor Journalisten.

Dystopischer Roman – Bestseller in den USA

Ihr mehr als 30 Jahre alter dystopischer Roman "Der Report der Magd" war kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten erneut in die US-Bestsellerlisten aufgestiegen, gemeinsam mit George Orwells "1984".

Auch wenn sich einige Szenarien ihrer Bücher bewahrheiteten, könne sie keinesfalls die "Zukunft vorhersagen" betonte Atwood. Es gebe immer mehrere Zukunftsoptionen. Den 1985 erschienen Bestseller "Der Report der Magd" hatte sie 1984 in Westberlin geschrieben. Er spielt in der nahen Zukunft, in der eine totalitäre religiöse Männer-Gruppierung die Macht in den USA übernommen hat.

Verfilmung wurde ausgezeichnet

"Wir müssen uns sich immer wieder fragen, wie wir leben wollen", sagte die 77-Jährige. Ihr Buch wurde vor kurzem als Internet-TV-Serie verfilmt und mit fünf Emmys ausgezeichnet. Die Serie sei so erfolgreich, weil es wahrscheinlicher werde, dass die Rechte von Frauen in den USA wieder eingeschränkt werden könnten, sagte Atwood, die als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart gilt.

Ihre mehr als 40 Werke, darunter Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik, sind in mehr als 30 Sprachen erschienen.

"Ich denke, Trump hört überhaupt nicht richtig zu"

Die derzeitige Stimmung in der US-Gesellschaft spiegele die Unsicherheit der 1930er Jahre, sagte Atwood. In solch chaotischen Zeiten gebe es immer jemanden, der dies zu seinen Gunsten ausnutze. Die meisten Menschen in den USA seien unzufrieden mit der Regierung Trump und hätten ihn nie unterstützt. Bislang tue sich jedoch noch niemand als Alternative hervor.

Zur Frage was sie dem US-Präsident gerne mit auf den Weg geben würde, erklärte die Bestsellerautorin, er würde sie vermutlich überhaupt nicht zu Wort kommen lassen: "Ich denke, Trump hört überhaupt nicht richtig zu." Daher würde sie jemanden aus Trumps ummittelbaren Umfeld bitten, seinen Twitter-Account wegzunehmen, sagte Atwood, die ebenfalls in den sozialen Netzwerken aktiv ist und auf Twitter mehr als 1,76 Millionen Follower hat.

Crew von "The Handmaid's Tale": Die auf Atwoods Roman "Der Report der Magd" basierte Serie bekam einen Emmy / © Chris Pizzello (dpa)
Crew von "The Handmaid's Tale": Die auf Atwoods Roman "Der Report der Magd" basierte Serie bekam einen Emmy / © Chris Pizzello ( dpa )
Quelle:
epd
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