Venezuelas Präsident Maduro nimmt den Papst in die Pflicht

Hilferuf an Franziskus

Ungewohnte Töne aus dem krisengeschüttelten Venezuela: Dessen sozialistischer Präsident Nicolas Maduro bittet Papst Franziskus um Unterstützung: Das katholische Kirchenoberhaupt soll eine US-Invasion verhindern.

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro mit Kreuz in der Hand. / © Feliciano Sequera (dpa)
Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro mit Kreuz in der Hand. / © Feliciano Sequera ( dpa )

Venezuelas Krise wird zunehmend zum Spielball internationaler Interessen. Wenige Wochen nachdem sich US-Präsident Donald Trump nach den Massenprotesten in dem südamerikanischen Land besorgt zeigte und eine "militärische Option" zumindest nicht ausschloss, bittet Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolas Maduro nun Papst Franziskus um Hilfe. Das aus Argentinien stammende Kirchenoberhaupt möge seinen Einfluss geltend machen, um Trump zu verbieten, in Venezuela einzumarschieren.

Gute Beziehungen zum Papst

Er verfüge über gute Beziehungen zum Papst, dessen Ethik und Geist er respektiere, sagte Maduro am Dienstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Er vertraue darauf, dass der Papst weiterhin den Weg des Dialogs, des Friedens, des Verständnisses und der Verteidigung der Souveränität Venezuelas unterstütze, so Maduro weiter.

Kurz zuvor hatte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der Chefdiplomat des Vatikan, Russland zur Vermittlung im krisengeschüttelten Venezuela ermuntert. Er denke, dass Russland bei der Lösung der Krise helfen könne, weil es eng mit dem Land verbunden sei, sagte Parolin nach einer Begegnung mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Moskau. Die Konfliktparteien könnten ihre Probleme nur durch Verhandlungen beilegen.

Kolumbienbesuch als Krisenmission

Derweil bekommt die für September geplante Reise von Papst Franziskus nach Kolumbien zunehmend den Charakter einer Krisenmission.

Franziskus wird sich laut einem Bericht des kolumbianischen TV-Senders RCN während seines Besuchs (6. bis 11. September) mit Vertretern der Venezolanischen Bischofskonferenz treffen. Ein solches Treffen sei wichtig, um die Situation des venezolanischen Volkes zu analysieren, sagte Pereiras Bischof Rigoberto Corredor.

Unterdessen trafen sich die Grenzbischöfe Mario del Valle Moronta aus der Diözese San Cristobal (Venezuela) und Victor Manuel Ochoa Cadavid aus Cucuta (Kolumbien). Wie die Kolumbianische Bischofskonferenz auf ihrer Website berichtete, waren die Hilfen für die vielen tausend venezolanischen Flüchtlinge Thema der Gespräche. Allein seit Jahresbeginn haben rund 300.000 Venezolaner die Grenze nach Kolumbien passiert, jüngst stellte Kolumbien für 50.000 dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen aus. Auch die Dominikanische Republik bekommt die Auswirkungen der Venezuela-Krise zu spüren. Berichten zufolge reisten bereits 20.000 Venezolaner im Laufe dieses Jahres ein.

Eigentlich soll der kolumbianische Friedensprozess der Schwerpunkt der Reise von Franziskus sein. Das Kirchenoberhaupt wird nach bisherigen Planungen in Kolumbien die Hauptstadt Bogota sowie Villavicencio, Medellin und Cartagena besuchen. Doch die Lage in Venezuela nimmt anscheinend einen immer breiteren Raum ein.

Kolumbianische Medien berichten, dass sich zahlreiche Gruppen aus dem benachbarten Krisenstaat mit Plakaten und Spruchbändern auf den Besuch des Papstes vorbereiten, um auf die Situation in ihrem Heimatland hinzuweisen.

Massenproteste gegen sozialistische Regierung

Chile erklärte sich inzwischen bereit, fünf in seine Botschaft geflohene Richter aus Venezuela aufzunehmen und ihnen Asyl zu gewähren. Diese waren von der Oppositionsmehrheit in der inzwischen entmachteten Nationalversammlung bestimmt worden. Die nach Kolumbien geflüchtete, ebenfalls entmachtete ehemalige Generalstaatsanwältin Luisa Ortega kündigte an, bei einem Treffen mit Staatsanwälten in Brasilien Beweise für einen Korruptionsskandal vorzulegen, in den Maduro verstrickt sei. Venezuela wiederum will Ortega via Interpol verhaften lassen.

Seit Wochen gibt es in Venezuela Massenproteste gegen die sozialistische Regierung. Präsident Maduro regiert seit Jahren mit Hilfe von Sonderdekreten und Ausnahmezustand am Parlament vorbei.

Zudem fanden seitdem keine Regional- und Kommunalwahlen mehr statt, obwohl sie längst überfällig sind. Stattdessen ordnete Maduro im Mai eine Verfassunggebende Versammlung an, die sich mittlerweile über alle anderen politischen Institutionen gestellt hat. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation "Foro Penal" wurden mehr als 100 Menschen bei den Protesten getötet.

Autor/in:
Tobias Käufer
Quelle:
KNA
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