Eine "nationale Versöhnung" sowie den "Wiederaufbau der Demokratie" in ihrem Land fordern die katholischen Bischöfe Venezuelas. Eine "glaubwürdige" Wahlbehörde und eine unabhängige Justiz seien unverzichtbar, um freie und faire Wahlen zu gewährleisten und somit die politische Stabilität Venezuelas zu sichern, heißt es in einem Schreiben, das die Kirchenführer am Montag nach ihrer Vollversammlung veröffentlichten. Der Staat müsse seine Souveränität wiedererlangen und dazu befähigt werden, sein ganzes Territorium zu kontrollieren. Dafür brauche er Unterstützung von allen Venezolanern, jenen im Land und jenen in der Diaspora, so die Bischöfe.
Hintergrund sind die jüngsten politischen Ereignisse, insbesondere die militärische Intervention der USA am 3. Januar, bei der Präsident Nicolás Maduro festgenommen wurde. Obwohl dies international als Verletzung des Völkerrechts gesehen wurde, sehen die Bischöfe darin auch Chancen für eine Demokratisierung des Landes. Das nun grundlegend veränderte politische und soziale Panorama erlaube es, Fehler wie die ausgebliebene Veröffentlichung der Detailergebnisse der Wahlen von 2024 zu korrigieren. Dies müsse jetzt geschehen, fordern die Bischöfe, denn damals sei die Souveränität des Volkes schwer verletzt worden.
Die von den Bischöfen geforderte Versöhnung in Venezuela müsse durch Dialog und Abbau von Konflikten erreicht werden. "Die Überwindung von Gewalt, Rache und Feindschaft ist der einzige Weg zu Frieden und Stabilität", betonen sie und fordern einen "politischen Neuanfang", der von gegenseitigem Respekt geprägt sein müsse. Sie warnen vor der Gefahr einer weiteren Polarisierung und plädieren für eine Lösung, die alle Gesellschaftssektoren einbezieht.
Grundrechte angemahnt
Die Bischöfe fordern die sofortige Aufhebung von Gesetzen, die Grundrechte wie Meinungsfreiheit und das Wahlrecht einschränken. "Der Respekt vor der Würde des Menschen ist Fundament für jeden friedlichen und nachhaltigen Fortschritt des Landes", so die Erklärung. Die Kirchenführer begrüßen die Freilassung einiger politischer Gefangener, verlangen jedoch ein Haftende für alle von diesem Schicksal Betroffenen.
Darüber hinaus kritisieren die Bischöfe die Wirtschaftsmisere im Land. "Die venezolanische Bevölkerung leidet unter weit verbreiteter Armut und einer Verarmung der öffentlichen Dienste", erklären sie. Sie fordern, dass die Ressourcen aus der Ölindustrie verwendet werden, um die Lebensbedingungen der Bürger zu verbessern, insbesondere durch höhere Löhne und soziale Programme. Das würde die soziale Gerechtigkeit fördern.
Im Hinblick auf die Zukunft des Landes sehen die Bischöfe die Notwendigkeit, die Familie als "primären Ort für die Entwicklung der Gesellschaft" zu stärken und die Armut zu bekämpfen. Angesichts der massiven Abwanderung von Venezolanern aufgrund von wirtschaftlicher Not erklärten sie: "Wir müssen ein Land der Chancen für alle schaffen, besonders für die Armen." Arbeitsplätze müssten geschaffen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft zur Förderung der sozialen Integration und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus unterstützt werden.