Vatikan erwirbt kostbare Handschrift aus dem 16. Jahrhundert

Dank Kooperation mit Heidelberg

Die Bibliotheca Palatina umfasst wertvolle Handschriften und Frühdrucke der Renaissance. Vor Jahrhunderten gelangte sie von Heidelberg in den Vatikan. Doch ein bedeutendes Exemplar aus dem 16. Jahrhundert war lange verschollen.

Vatikanische Bibliothek (Archivbild) / © Romano Siciliani/Romano Siciliani (KNA)
Vatikanische Bibliothek (Archivbild) / © Romano Siciliani/Romano Siciliani ( KNA )

Die Vatikan-Bibliothek hat eine kostbare Handschrift aus dem 16. Jahrhundert erworben, die ursprünglich zu ihrer eigenen Sammlung aus der berühmten Heidelberger Bibliotheca Palatina zählte. 

Vatikanbibliothek / © Francesco Pistilli (KNA)
Vatikanbibliothek / © Francesco Pistilli ( KNA )

Der Erwerb sei dank der "harmonischen und professionellen" Zusammenarbeit der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek, der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Wiener Antiquariatsbuchhandlung Inlibris in nur wenigen Tagen gelungen, teilte der Vatikan am Sonntag mit.

Die seltene Papierhandschrift umfasst 115 Blätter plus zwei Vorsatzblätter und enthält die "Historia Langobardorum" von Paulus Diaconus sowie Lebensberichte von fünf Heiligen. Das Werk mehrerer Kopisten entstand Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland – vermutlich in Worms, wohin die Heiligen-Texte zurückverfolgt werden können. Die beiden Einbanddeckel aus dem Jahr 1556 zeigen das Porträt des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz.

Ab 1623 im Vatikan, dann verschollen

Die Bedeutung des Erwerbs liegt vor allem darin, dass der Kodex mit der Signatur "Pal. lat. 851" in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek identifiziert werden kann, die bei der Revision von 1798 fehlte. Das Werk war 1623 zusammen mit anderen Exemplaren aus der pfälzischen Bibliotheca Palatina dorthin gelangt. Diese hatte Maximilian I. von Bayern Papst Gregor XV. als Dank für die Unterstützung im Dreißigjährigen Krieg geschenkt.

Die Bibliotheca Palatina in Heidelberg war eine der wichtigsten deutschen Bibliotheken der Renaissance mit umfangreichen Beständen an mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken. Die Bestände befinden sich heute größtenteils im Vatikan, die deutschen Handschriften in Heidelberg.

Digitalisierungsprojekt aller Handschriften

Bei der nun erworbenen Handschrift belegten verschiedene Signaturen und Exlibris ihre Weitergabe an mehrere Sammler vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Der Ankauf sei möglich geworden, weil der Direktor der Unibibliothek Heidelberg, Jochen Apel, den Präfekten der Vatikan-Bibliothek, Mauro Mantovani, über den Verkauf des Bandes durch die Wiener Antiquariatsbuchhandlung informiert habe.

Ziel der langjährigen Kooperation zwischen dem Vatikan und der Unibibliothek Heidelberg sei es, die wertvollen Zeugnisse der Vergangenheit zu schützen, sie der Gegenwart zugänglich zu machen und sie für die Zukunft zu bewahren. So wurden bei einem gemeinsamen Projekt ab 2010 alle lateinischen, später auch alle griechischen und hebräischen Handschriften der Palatina aus der Vatikan-Bibliothek digitalisiert. Seit 2021 ist der komplette Bestand der Bibliotheca Palatina digital im Internet abrufbar.

Quelle:
KNA