Vatikan bestätigt Ausweisung von Nuntius aus Nicaragua

"Erstaunen und Bedauern"

Mit "großem Erstaunen und Bedauern" hat der Vatikan auf die Ausweisung des Päpstlichen Botschafters aus Nicaragua reagiert. Dies sei eine "schwerwiegende und ungerechtfertigte einseitige Maßnahme" seitens der Regierung in Managua.

Erzbischof Waldemar Stanislaw Sommertag / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Erzbischof Waldemar Stanislaw Sommertag / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der Heilige Stuhl äußerte sich entsprechend in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme. Gleichzeitig bekräftige der Vatikan "sein volles Vertrauen in den Päpstlichen Vertreter", Erzbischof Waldemar Stanislaw Sommertag (54).

Seit 2018 Apostolischer Nuntius in Nicaragua

Vatikandiplomatie

Der Heilige Stuhl unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 183 Staaten weltweit. Hinzu kommen die EU und der Souveräne Malteserorden. Ferner sind die Arabische Liga, die Internationale Organisation für Migration und das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR mit eigenen Gesandten beim Vatikan vertreten.

Vatikanflagge zwischen USA-Flaggen / © Michael Reynolds (dpa)
Vatikanflagge zwischen USA-Flaggen / © Michael Reynolds ( dpa )

Der Mitteilung zufolge hat Nicaraguas Regierung dem Päpstlichen Nuntius die Approbation (agrement - "Zustimmung") entzogen und Sommertag aufgefordert, das Land umgehend zu verlassen. Am Donnerstag bereits hatte die Kirche in dem mittelamerikanische Land die Abberufung des Papst-Botschafters bestätigt. Zuvor hatten regierungskritische Medien schon über seine mögliche Ausweisung spekuliert. Laut dem Portal "Confidencial" bestätigte die Nuntiatur, dass Sommertag seit dem 6. März nicht mehr im Land sei. Der polnischstämmige Vatikan-Diplomat war seit 2018 Apostolischer Nuntius in Nicaragua.

In der Vatikan-Erklärung heißt es weiter, die Ausweisung Sommertags erscheine umso unverständlicher, da dieser sich "mit großer Hingabe für das Wohl der Kirche und des nicaraguanischen Volkes" eingesetzt habe. Er sei stets bemüht gewesen, gute Beziehungen zwischen dem Apostolischen Stuhl und den nicaraguanischen Behörden zu fördern. Besonders nennt der Vatikan die Teilnahme des Nuntius "als Zeuge und Begleiter am Nationalen Dialogtisch zwischen der Regierung und der politischen Opposition im Hinblick auf die Versöhnung des Landes und die Freilassung der politischen Gefangenen".

Krise mit landesweiten Protesten

Nicaragua erlebt seit 2018 eine Krise mit landesweiten Protesten gegen die linksgerichtete Regierung Ortega. Seitdem wurden rund 350 Menschen getötet, Tausende verletzt. Kirche, Nichtregierungsorganisationen und unabhängige Medien kritisierten immer wieder Menschenrechtsverletzungen der Regierung. In diesem Zusammenhang bezeichnete Präsident Daniel Ortega Kirchenvertreter als "Terroristen".

Vor den Wahlen im November wurden mehrere Präsidentschaftskandidaten verhaftet, die als Rivalen des amtierenden Präsidentenpaares Ortega und seiner Ehefrau Rosario Murillo galten. Ortega gewann die Wahlen; viele Länder erkennen dies aber nicht an.

Quelle:
KNA
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