Noch während die Debatte über die scharfe Kritik von US-Präsident Donald Trump an Papst Leo XIV. in den Medien kursierte, legte die US-Regierung mit der abrupten Kürzung für die Flüchtlingshilfe der Kirche in Florida direkt nach. In einer Mitteilung an das Erzbistum Miami hieß es, dass der Vertrag mit der kirchlichen Organisation Catholic Charities im Wert von elf Millionen US-Dollar (9,3 Millionen Euro) sofort und ohne Vorankündigung gekündigt wird.
Der zuständige Erzbischof Thomas Wenski reagierte umgehend und appellierte an die Regierung, die Kündigung zu überdenken. In einem ausführlichen Interview nahm der Erzbischof von Miami im spanischsprachigen Sender Univision am Sonntag (Ortszeit) erneut Stellung zur Mittelkürzung und zur Papst-Kritik von Trump. "Nun, ich glaube, der Präsident ist weder dumm noch naiv. Wenn er also solche Dinge sagt, dann nur, um wieder Schlagzeilen zu machen. So reden alle darüber und sprechen weder über den Krieg im Iran noch über die Benzinpreise und andere Themen", sagte der Erzbischof.
Spritpreise bleiben Problem
Tatsächlich sind die Spritpreise nach wie vor ein großes wirtschaftliches Problem für den Präsidenten – umso mehr, da sie in Zusammenhang mit seinem Krieg im Iran stehen.
Zuletzt standen sie bei über vier US-Dollar pro Gallone (etwa 3,7 Liter), ein Anstieg um gut einen Dollar zur Zeit vor dem Krieg. Den Präsidenten bringt das in Erklärungsnot. Schließlich hatte Trump der Bevölkerung sinkende Preise versprochen, ob bei Lebensmitteln oder Benzin.
Gleichzeitig schränkte Wenski ein, dass die Attacken republikanischer Politiker gegen die Flüchtlingsarbeit von Catholic Charities bereits vor dem Beginn der zweiten Amtszeit von Trump begonnen haben. Schon früher habe der Vorwurf im Raum gestanden, dass die katholische Kirche mit mexikanischen Banden und Kartellen unter einer Decke stecke, um Kinder in die USA zu bringen.
"Das ist eine Verleumdung, eine Lüge, eine große Unwahrheit, denn wir hatten schon immer Verträge mit der US-Regierung", betonte Wenski. Seit knapp 70 Jahren würden die katholischen Wohlfahrtsverbände von Miami die Hilfsdienste für die Bundesregierung erbringen. So dürften diese Beschwerden nun als Vorwand für die Kündigung des Vertrages gedient haben, meint der Erzbischof.
Trump-Umfeld begrüßt Papst-Attacke
Dennoch bieten laut Darstellung des Erzbischofs der verbale Angriff auf den Papst und die Aufregung um die Mittelkürzung durchaus Ablenkungsmaterial. Zudem füge sich gerade die Kritik an Leo XIV. gut in Trumps engstes Umfeld ein, so Wenski weiter. Es gebe unter den Trump-Unterstützern in der MAGA-Bewegung gewisse Kreise, die im Grunde eine antikatholische Theologie verträten. Dabei handele es sich um eine Gruppe von Konservativen, Protestanten und Evangelikalen, für die es "eine sehr gute Sache ist, den Papst anzugreifen".
Offen zeigte sich Miamis Erzbischof für einen Dialog zwischen dem Papst und anderen Bischöfen mit US-Vizepräsident JD Vance. Dieser hatte in der vergangenen Woche auf dem Höhepunkt der medialen Berichterstattung dem Papst theologisches Unwissen unterstellt, insbesondere mit Blick auf die Theorie des "gerechten Krieges". Der zum Katholizismus konvertierte Vizepräsident verwies etwa auf amerikanische Soldaten, die Frankreich von den Nazis befreit und Gefangene aus den Konzentrationslagern gerettet hätten.
Wenski: Kirche spielt politische Rolle
In der Aufforderung aus dem Maga-Lager, der Papst solle sich aus der Politik heraushalten, sieht Wenski letztlich einen Versuch, die Stimme der Kirche einzuschränken. Es werde behauptet, die Kirche hätte in der Politik nichts zu suchen. "Ich würde sagen, dass die Kirche sehr wohl eine Rolle in der Politik spielt", hielt Wenski dagegen. Politik sei dabei für ihn die Art und Weise, wie die Gesellschaft zur Förderung des Gemeinwohls zu organisieren ist. "Und zu diesen Themen – Gerechtigkeit, menschliche Entfaltung, Gemeinwohl – hat die Kirche etwas zu sagen, haben wir etwas beizutragen", betonte der Erzbischof.