Urteil gegen Priester U. wegen Missbrauchs ist rechtskräftig

Zwölf Jahre Haft

Das Urteil gegen einen katholischen Priester aus dem Erzbistum Köln wegen 110-fachen sexuellen Missbrauchs ist rechtskräftig. Verteidiger Rüdiger Deckers hat seine Revision zurückgezogen, wie das Landgericht Köln erklärte.

Köln: Der angeklagte katholische Priester U. hält sich im Gerichtssaal eine Mappe vor das Gesicht / © Federico Gambarini (dpa)
Köln: Der angeklagte katholische Priester U. hält sich im Gerichtssaal eine Mappe vor das Gesicht / © Federico Gambarini ( dpa )

Das gab das Gericht der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag bekannt.

Somit muss der 70 Jahre alte Geistliche U. zwölf Jahre in Haft und an drei Betroffene ein Schmerzensgeld von zusammengerechnet 50.000 Euro sowie Schadenersatz zahlen. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte zuerst über die zurückgenommene Revision berichtet.

Begründungen der Strafkammer nicht zu beanstanden

Insgesamt verging sich der Priester zwischen 1993 und Januar 2018 an neun minderjährigen Mädchen. Richter Christoph Kaufmann verkündete seine Entscheidung Ende Februar, woraufhin U.s Anwalt zunächst Revision einlegte. Mittlerweile liegt die Urteilsbegründung schriftlich vor. Diese sei diskutiert worden "mit dem Ergebnis, dass die Begründungen der Strafkammer nicht zu beanstanden sind", teilte Deckers auf Anfrage mit.

 © Julia Steinbrecht (KNA)
© Julia Steinbrecht ( KNA )

Als Zeugen sagten in dem Prozess auch prominente Kirchenvertreter wie der heutige Hamburger Erzbischof und frühere Personalchef des Erzbistums Köln, Stefan Heße, sowie der ehemalige oberste Kölner Kirchenrichter, Günter Assenmacher, aus. Beide hatten in den Jahren 2010 und 2011 mit U. zu tun, als eine erste Anzeige wegen Missbrauchs gegen den Geistlichen vorlag.

Damals beurlaubte das Erzbistum den Priester zunächst. Dann wurde die Anzeige jedoch zurückgezogen und U. durfte wieder als Krankenhauspfarrer arbeiten.

Fall wurde 2018 neu aufgerollt

2018 rollte die mittlerweile gegründete Interventionsstelle der Erzdiözese den Fall erneut auf. Ab 2019 war U. die Ausübung der priesterlichen Dienste untersagt. Bis einige Monate vor diesem Verbot hatte er als Seelsorger Kontakt zu Kindern und Jugendlichen.

Der angeklagte Priester U. bei der Sicherheitskontrolle im Kölner Landgericht / © Julia Steinbrecht (KNA)
Der angeklagte Priester U. bei der Sicherheitskontrolle im Kölner Landgericht / © Julia Steinbrecht ( KNA )

In dem Prozess traten ursprünglich drei Nichten des Priesters sowie eine weitere Betroffene als Nebenklägerinnen auf. Im Laufe der Verhandlung meldeten sich weitere Opfer. Richter Kaufmann erließ im Januar Untersuchungshaft gegen U., weil er Wiederholungsgefahr sah.

Prävention im Erzbistum Köln

Unter Prävention versteht man vorbeugende Maßnahmen, die eine unerwünschte Entwicklung verhindern sollen. Ziel aller Präventionsmaßnahmen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist, diese zu stärken, damit sie sich gegen jede Form der Gewalt wehren können. Außerdem werden geschützte Strukturen geschaffen, in denen sich die Minderjährigen sicher fühlen und sich gesund entwickeln können. Das Erzbistum Köln sieht sich in einer "besonderen Verantwortung für den Schutz der Minderjährigen sowie der schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen in Gemeinden, Einrichtungen und Diensten" bewusst.

Symbolbild Missbrauch / © Julia Steinbrecht (KNA)
Symbolbild Missbrauch / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA