Kardinal Müller: Kirchengeld nicht "für Mästen von Funktionären"

Unerleuchtete Papstverehrung?

Zu Weihnachten übt der deutsche Kurienkardinal scharfe Kritik an Reformkräften der Kirche in Deutschland. Das einzige Fundament, das sie noch anerkennten, sei der materielle Reichtum der deutschen Diözesen.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller / © Francesco Pistilli (KNA)
Kardinal Gerhard Ludwig Müller / © Francesco Pistilli ( KNA )

Das sagte Müller im Interview des österreichischen Portals kath.net. "Das Kirchenvermögen ist aber nicht dazu da, um Funktionäre zu mästen und Mietlingen eine Plattform für ihre Eitelkeiten zu bieten", sondern um die Bedingungen für den Dienst der Kirche zu gewährleisten, so Müller.

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation sagte, die "Pressure Group" in der Umgebung von Papst Franziskus sei "kein Teil des Papstamtes, sondern höchstens eine Belastung" für die Kirche. "Wer sie theologisch ernst nimmt, dem kann nicht mehr geholfen werden", so der Kardinal. Jeder gute Fußballtrainer wisse, dass er "nicht mit seinen Fans, sondern nur mit erstklassigen Profis die Meisterschaft gewinnt". Er spricht von "Profiteuren", die das Prestige des Papstes missbrauchten, um abweichende Lehren und eine unwahre Seelsorgepraxis einzuführen.

"Verwirrung unter den Gläubigen"

Müller beklagte fehlendes Reflexionsniveau und "Inkompetenz" solcher reformorientierter Ratgeber; sie richteten fahrlässig "Verwirrung unter den Gläubigen an". Der Kardinal wörtlich: "Wer Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als Personen verachtete und ihre dogmatischen Erklärungen ablehnte (...), kann kein wahrer Freund des jetzigen Papstes sein."

Es gebe Buchtitel, die Franziskus nicht nur "als Reformer der Kirche publizistisch hochjubeln", sondern von einer "Bekehrung der Kirche durch den Papst" oder einer "Kirche des Franziskus" sprächen. Dadurch werde der Papst "aus dem Verkünder des Glaubens zu einem Gegenstand des Glaubens". Martin Luther, so der Kardinal, "hätte sich bei solch unerleuchteter Papstverehrung bestätigt gefühlt".

"Das Steinchen im Schuh"

Zur Unauflöslichkeit der Ehe sprach Müller von anhaltenden theologischen "Ungereimtheiten". "An das Steinchen im Schuh gewöhnt man sich nicht; der Fuß wird ewig rebellieren, solange bis das störende Element beseitigt, also hier objektiv der Widerspruch in den Prinzipien ausgeräumt" sei zwischen dem Willen, den Menschen in schwierigen Ehesituation geistlich zu helfen und einer "ungeklärten sakramententheologischen Grundlage.

Das Interview mit dem Portal wird eingeführt als "Kamingespräch mit der Eminenz", in der sich "in drängender, intensiver, nicht loslassender Weise 'amor intellectualis', 'libertas intellectus' und die wahre 'Parrhesia' des Christen vereinen, dessen Ziel eindeutig ist: die eine und absolute Wahrheit Jesu Christi zu verkünden". 2017 hatte Papst Franziskus die fünfjährige Amtszeit Müllers als Leiter der Römischen Glaubenskongregation nicht verlängert. Benedikt XVI. hatte den vormaligen Bischof von Regensburg 2012 ernannt; Franziskus machte ihn 2014 zum Kardinal.

Quelle:
KNA