UN und Kirche rufen Rebellen in Kolumbien zu Waffenruhe auf

Respektvoller Dialog nötig

Vertreter der Vereinten Nationen und der Kirche haben in Kolumbien die Unruheprovinz Arauca im Osten des Landes besucht. Sie riefen die in der Region agierenden illegalen Gruppen zu einem sofortigen Waffenstillstand auf.

Guerilla-Kämpfer im Kolumbien / © Henry Agudelo (shutterstock)
Guerilla-Kämpfer im Kolumbien / © Henry Agudelo ( shutterstock )

Die Delegation habe die bewaffneten Gruppen aufgefordert, die Gewalt sofort einzustellen und das humanitäre Völkerrecht zu respektieren, heißt es in einer am Donnerstag (Ortszeit) verbreiteten Erklärung der Kolumbianischen Bischofskonferenz. 

Der Staat müsse für die Förderung eines selbstbewussten und respektvollen Dialogs sorgen, heißt es weiter. Zudem müsse auf die humanitäre Situation reagiert und die Zivilbevölkerung geschützt werden. Die Regierung müsse die Umsetzung des zwischen der kolumbianischen Regierung und der damaligen FARC-Guerilla unterzeichneten Friedensabkommens in Arauca vorantreiben.

ELN - zweitgrößte Guerilla in Kolumbien

Seit dem Friedensvertrag der Regierung mit der größeren Rebellengruppe Farc 2016 ist die marxistisch-leninistische Nationale Befreiungsarmee (ELN) die letzte noch aktive Guerillaorganisation in dem südamerikanischen Land. Mit ihren rund 1500 Kämpfern verübt sie vor allem im Osten Kolumbiens Anschläge und nimmt Geiseln.

Im Januar 2019 verübte die ELN einen schweren Bombenanschlag auf eine Polizeiakademie in Bogotá. 21 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Regierung des konservativen Präsidenten Iván Duque brach die Friedensgespräche mit den Rebellen daraufhin ab. (dpa/11.04.2019)

ELN-Guerilla in Kolumbien / © Christian Escobar Mora/EFE (dpa)

Mehr als 130 Todesopfer

Bei Kämpfen zwischen den rivalisierenden linksgerichteten FARC-Dissidenten und der marxistischen ELN-Guerilla sind demnach seit Jahresbeginn bereits 130 Menschen getötet worden. Mehr als 3.000 Menschen seien vertrieben worden.

Im November 2016 hatte die Regierung des damaligen Präsidenten Juan Manuel Santos nach vierjährigen Verhandlungen ein Friedensabkommen mit der größten Rebellenorganisation des Landes unterzeichnet. Die entwaffnete FARC sitzt inzwischen umbenannt in "Comunes" als politische Partei im Parlament. Ein Teil ihrer Kämpfer verweigert sich allerdings dem Friedensprozess und setzt den bewaffneten Kampf fort. Für seinen Einsatz erhielt Santos Ende 2016 den Friedensnobelpreis.

Friedensgespräche liegen auf Eis

Die derzeit auf Eis liegenden Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der ELN begannen im Februar 2017 noch unter Santos. Im Mai 2018 wurden sie in die kubanische Hauptstadt Havanna verlegt. Nach einem Bombenattentat der ELN auf eine Polizeischule in Bogota, bei dem 22 Menschen starben und 66 verletzt wurden, stoppte Kolumbiens amtierender Präsident Ivan Duque im Januar 2019 die Gespräche.

Er nannte als Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen die Freilassung aller ELN-Geiseln sowie die Einstellung der kriminellen Aktivitäten der Guerilla. Zudem solle Kuba die für das Bombenattentat verantwortlichen Anführer der ELN an Kolumbien ausliefern.

 

Quelle:
KNA