Papst mahnt zum Schutz von Zivilisten in Syrien

Um Gespräche bemühen

​Angesichts der eskalierenden Lage im syrischen Bürgerkriegsgebiet Idlib ruft Papst Franziskus eindringlich zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf. Er erinnert besonders an die Menschen auf der Flucht.

Syrische Kinder auf der Flucht / © quetions123 (shutterstock)
Syrische Kinder auf der Flucht / © quetions123 ( shutterstock )

Die internationale Gemeinschaft und alle beteiligten Parteien müssten diplomatische Mittel, Gespräche und Verhandlungen bemühen, um das Leben und das Los der Zivilisten zu sichern, sagte er beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Der Papst erinnerte besonders an Frauen und Kinder sowie die Menschen auf der Flucht vor den Militäraktionen.

600.000 Menschen auf der Flucht

Die zunehmende Gewalt in Syrien war in den vergangenen Tagen auch vom UN-Sicherheitsrat verurteilt worden. UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock verwies darauf, in den vergangenen zwei Monaten seien fast 600.000 Menschen in der Region um Idlib auf der Flucht gewesen, die meisten von ihnen Kinder. Hintergrund ist ein Vormarsch der Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in das von Islamistenmilizen beherrschte Rebellengebiet. Nach fast neun Jahren Bürgerkrieg ist die nordwestsyrische Region nahe der Türkei die letzte große Hochburg von Aufständischen.

Internet-Anbieter für Menschenhandel haftbar machen

Im Kampf gegen Menschenhandel müssen nach Ansicht von Papst Franziskus Internet-Dienstleister stärker in die Pflicht genommen werden. Untersuchungen zeigten, dass kriminelle Organisationen zunehmend moderne Kommunikationsmittel nutzten, um ihre Opfer zu ködern. Dagegen müsse man die Nutzer im richtigen Umgang mit Medien schulen, aber auch die Überwachung stärken und Anbieter zur Verantwortung rufen.

Menschenhandel sei eine "Plage, die die Schwächsten ausbeutet", sagte der Papst. Um sie zu beseitigen, brauche es den gemeinsamen Einsatz von Behörden, zivilgesellschaftlichen Vereinigungen und Bildungseinrichtungen. Franziskus äußerte sich anlässlich des katholischen Gebetstags gegen Menschenhandel, der am Samstag begangen wurde.

Gebetsbitte für Februar

Bereits in einer Twitter-Botschaft am Samstag hatte der Papst zu kollektivem Engagement gegen Schlepperei und Menschenhandel aufgerufen. Nur zusammen könne man "diese Plage besiegen und die Opfer schützen". Auch die Gebetsbitte des Papstes für den Monat Februar erinnert an Opfer kriminellen Menschenschmuggels unter Migranten. In einem am Donnerstag veröffentlichten Video verurteilte Franziskus die Profite aus diesem Geschäft als "Blutgeld".

Der Weltgebetstag gegen Menschenhandel wurde von Papst Franziskus 2015 eingeführt. Der 8. Februar ist zugleich katholischer Gedenktag der heiligen Josephine Bakhita (1869-1947), die als neunjähriges Mädchen im Sudan verschleppt und als Sklavin nach Italien verkauft wurde.

Mut zur Wahrheit in Bescheidenheit

Das Evangelium verlangt nach Worten des Papstes von Gläubigen bescheidenes und konstruktives Auftreten, aber zugleich Einsatz gegen Heuchelei und Lüge. Angesichts von Gewalt, Ungerechtigkeit und Unterdrückung dürfe sich kein Christ wegducken; auch die Kirche könne sich nicht "in sich selbst verschließen", sagte Franziskus ebenso beim Mittagsgebet.

Der Papst mahnte zum Widerspruch gegen moralischen Verfall und Sünde, ohne den "weltlichen Verlockungen" des Karrierismus, der Macht und des Reichtums nachzugeben. Ein Christ müsse sich täglich "aus dem Staub der eigenen Fehler" erheben und den Dialog mit anderen suchen. "Salz der Erde" nach biblischem Vorbild sei derjenige, der nicht Beifall suche, sondern dem Beispiel des dienenden Jesus folge.

Weiter rief Franziskus auf, den Glauben außerhalb der eigenen engen Räume zu leben. "Licht der Welt" zu sein bedeute, "Vorurteile auszuräumen, Verleumdungen zu beseitigen und das Licht der Wahrheit dorthin zu bringen, wo Scheinheiligkeit und Lüge herrschen".

Quelle:
KNA