Tübinger Tagung würdigt wissenschaftliches Wirken von Hans Küng

"Eine ganz besondere Referenz"

Mit einem wissenschaftlichen Symposium haben die Stiftung Weltethos und die Universität Tübingen das Werk des Theologen Hans Küng gewürdigt. Anlass war dessen 90. Geburtstag im März.

Hans Küng (KNA)
Hans Küng / ( KNA )

Gewürdigt wurde beispielsweise Küngs Auseinandersetzung mit zentralen theologischen Fragen wie der Existenz Gottes und seine Bemühungen, den christlichen Glauben in der Gegenwart zu verankern. Ein weiteres zentrales Thema war das von Küng begründete "Projekt Weltethos" und der damit verbundene Dialog der Religionen.

Trotz angeschlagener Gesundheit nahm Küng im Rollstuhl an der ganzen Veranstaltung teil. Er ist körperlich zunehmend eingeschränkt, geistig aber hellwach. Am Freitagabend hatte die frühere Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, einen Festvortrag gehalten und dabei Küngs ökumenisches Engagement gewürdigt. Der Erfolgsautor ist einer der bekanntesten Theologen weltweit. 1979 entzog Rom dem Priester wegen dessen Kritik an der Unfehlbarkeit des Papstes die Lehrerlaubnis.

Unfehlbarkeit in Frage gestellt

Die Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät, Johanna Rahner, sagte, Küng werde in der Fakultät "immer einen bleibenden Ort" haben. Er sei dort "kein Fremder, sondern war immer schon hier". Rahner betonte weiter, der Hinweis auf das Jahr 1968 stehe für einen Bruch mit der Gehorsamstradition. Das habe Küng aufgegriffen, indem er die Unfehlbarkeit in Frage gestellt habe.

Hermann Häring, der bis zu seiner Emeritierung im niederländischen Nijmegen (Nimwegen) Theologie gelehrt hatte, betonte, für Küng sei ebenso wie für Papst Franziskus schon immer die Wirklichkeit der Menschen wichtiger als die Idee gewesen. Es gelte, Küng für sein Schaffen zu danken "und vielleicht wird sich auch einmal seine eigene Kirche zum Dank aufraffen".

International bekannter Theologe

Der Münsteraner Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel betonte, Küngs Bücher würden international gelesen, weil der Schweizer eine klare Sprache benutze und deshalb gut übersetzbar sei. Zugleich habe sich Küng durch seine klare Sprache angreifbar gemacht.

Der Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel ist es nach eigenem Bekunden leid zu fragen, wann Küng offiziell rehabilitiert wird. In Richtung der Teilnehmer sagte Kuschel wörtlich: "Sie alle, indem sie Küng lesen und rezipieren, rehabilitieren ihn."

Dass im überfüllten Kupferbau der Universität Besucher standen und auf den Treppen saßen, nannte Küngs Nachfolger als Präsident der von ihm begründeten Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, eine "ganz besondere Referenz" an den Wissenschaftler.

Quelle:
KNA