Tschechischer Theologe Halik erhält hohe staatliche Ehrung

"Hervorragende Verdienste"

Der tschechische Dissident, Priester und Soziologe Tomas Halik ist mit einem hohen staatlichen Orden ausgezeichnet worden. Der tschechische Staatspräsident Petr Pavel verlieh ihm am Wochenende in der Prager Burg den Masaryk-Orden.

Der Prager Burgkomplex und der Veitsdom / © Björn Steinz (KNA)
Der Prager Burgkomplex und der Veitsdom / © Björn Steinz ( KNA )

In der Begründung für die Verleihung des Masaryk-Ordens heißt es für "hervorragende Verdienste um die Entwicklung von Demokratie, Humanität und Menschenrechten". Halik hatte wesentlichen Anteil daran, dass der damals schon greise Prager Kardinal Frantisek Tomasek (1899-1992) in der "Samtenen Revolution" von 1989 Partei für die Demokraten ergriff.

Tomas Halik

Der Theologe und Soziologe Tomas Halik (75) zählt zu den bekanntesten Intellektuellen der Tschechischen Republik. Der Priester genießt in der atheistisch geprägten tschechischen Gesellschaft hohes Ansehen. Als Professor an der renommierten Prager Karls-Universität und Vertrauter des verstorbenen Staatspräsidenten Vaclav Havel nimmt er regelmäßig zu politischen und ethischen Fragen Stellung. Vor allem ermutigt er die Tschechen zu mehr gesellschaftlicher und politischer Mitbestimmung und einer ernsthaften Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit.

Tomas Halik (KNA)
Tomas Halik / ( KNA )

Halik gehörte zu den schärfsten Kritikern von Pavels Vorgänger im Präsidentenamt, Milos Zeman. Innerkirchlich rieb er sich an dem 2022 emeritierten Prager Kardinal Dominik Duka. Beim Festakt zur Ordensverleihung war die katholische Kirche durch Dukas Nachfolger in Prag vertreten, Erzbischof Jan Graubner. Der Masaryk-Orden ist die zweithöchste Auszeichnung der Tschechischen Republik.

Posthum ebenfalls mit Orden ausgezeichnet

Posthum wurde bei der Feier auch der Philosoph Jan Sokol (1936-2011) mit dem Masaryk-Orden ausgezeichnet. Wie Halik war Sokol einst Unterzeichner der Menschrechtserklärung Charta 77 und unter anderem Mitarbeiter der ökumenischen Bibelübersetzung.

Auch die Sängerin Marta Kubisova (80) erhielt den nach dem Staatsgründer Tomas G. Masaryk (1850-1937) benannten Orden. Kubisova wurde mit ihrem "Gebet für Marta" zu einem Symbol des Widerstands gegen den Kommunismus nach der Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr 1968. Zudem war sie eine der ersten Sprecherinnen der "Charta 77".

"Orden des Weißen Löwen" wurde ebenfalls verliehen

Anlässlich des tschechischen Staatsfeiertages am 28. Oktober verlieh Präsident Pavel mehreren weiteren Ehrenträgern Auszeichnungen für Verdienste um das Land. Darunter den Orden des Weißen Löwen, die höchste Auszeichnung Tschechiens. Unter den Geehrten sind auch zwei eng mit der Kirche verbunden: Der Christdemokrat Petr Pithart (82) war zwischen 1990 und 1992 Ministerpräsident der damaligen Tschechischen Teilrepublik und später Senatspräsident.

Karel Schwarzenberg (86) leitete Anfang der 1990er Jahre unter Vaclav Havel die Präsidentenkanzlei und war 2007 bis 2009 sowie 2010 bis 2013 tschechischer Außenminister. Für Schwarzenberg, der wegen eines Krankenhausaufenthalts nicht an der Feier teilnehmen konnte, nahm dessen Sohn Johannes die Auszeichnung entgegen.

Kirche in Tschechien

In der Tschechischen Republik bekennt sich nur noch eine Minderheit der Bevölkerung zu einer Religionsgemeinschaft. 2018 bezeichnete sich laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Stem noch jeder vierte tschechische Bürger als gläubig, jeder dritte dagegen als Atheist. Zu den Gläubigen rechneten sich demnach häufiger Frauen, Personen über 45 Jahre sowie Bürger kleinerer Gemeinden.

Johannes-Nepomuk-Kirche in Tschechien / © Alexander Brüggemann (KNA)
Johannes-Nepomuk-Kirche in Tschechien / © Alexander Brüggemann ( KNA )
Quelle:
KNA