Tiere erfahren laut Ethikerin ein bedeutsames Leben

Kritik an Umwelt-Enzyklika

Von Musiker Paul McCartney ist überliefert, dass er beim Angeln zum Vegetarier wurde - als er erkannte, wie kostbar dem Fisch sein Leben sei. Ethiker sprechen von der "Subjektfrage". Ihre Schlussfolgerungen sind ähnlich.

 Ein Fischer befreit am frühen Morgen einen Fisch aus einem Netz / © Ariel Schalit (dpa)
Ein Fischer befreit am frühen Morgen einen Fisch aus einem Netz / © Ariel Schalit ( dpa )

Tiere sind nach Worten der Ethikerin Simone Horstmann ebenso Subjekte wie Menschen. "Ich meine damit, dass Tiere ihr Leben als bedeutsam erfahren", sagte die Dortmunder Wissenschaftlerin am Sonntag in der Schweizer Fernsehsendung "Sternstunde Religion". Dabei gehe es weniger um höhere Intelligenz, sondern darum, dass diese Tatsache Tiere moralisch bedeutsam mache. "Theologisch würde ich sagen: Subjektivität ist etwas, was wir einander und auch den Tieren glauben müssen."

Angesichts von Debatten um Schlachtmethoden bekomme sie daher "ein bisschen Bauchweh", fügte Horstmann hinzu: "Im Angesicht der so naheliegenden Option, dass man darauf verzichten kann. Das ist die Messlatte, von der her wir denken müssen." Nach eigenen Angaben lebt die Theologin seit ihrer Kindheit vegetarisch, seit dem Studium vegan.

Mehr Tiersensibilität

Sensibilität gegenüber Tieren vermisse sie auch in der Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus, "Laudato si" (2015). Das Schreiben sei "auf den Menschen hin ausgelegt", so die Expertin. "Ich würde mir wünschen, dass wir ein Nachdenken über die Ökologie, die Fragen der Nachhaltigkeit schaffen, das tatsächlich tiersensibel ist."

Allerdings habe das Christentum eine "massive Schuldgeschichte und auch eine massive Gewaltgeschichte gegenüber Tieren". Ebenso hätten das Judentum und der Islam es "im Mainstream" bislang nicht geschafft, einen Gewaltverzicht gegenüber Tieren zu fordern - "im Unterschied zu fernöstlichen Religionen". Horstmann: "Man hat den Tieren die Bedeutung abgesprochen."

Quelle:
KNA