Theologin begrüßt Frauenmitbestimmung bei Bischofswahlen

"Das stärkt die Perspektive"

Papst Franziskus hat angekündigt, dass Frauen im Vatikan bei der Bischofsernennung künftig beteiligt werden. Das sei Rückenwind für den Synodalen Weg, so die Theologin Dorothea Sattler. Sie sieht den deutschen Refomprozess gestärkt.

Papst Franziskus mit Ordensfrauen (Archiv) / © Paul Haring/CNS photo (KNA)
Papst Franziskus mit Ordensfrauen (Archiv) / © Paul Haring/CNS photo ( KNA )

DOMRADIO.DE: Der Papst sagt, er wolle Frauen an der Bischofswahl beteiligen. Ist das in Ihren Augen ein Schritt in die richtige Richtung?

Prof. Dorothea Sattler (Professorin für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Universität Münster und Co-Vorsitzende des Synodalforums "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" beim Reformprozess Synodaler Weg): Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Ein guter Schritt, der fortsetzt, was er auch an anderer Stelle tut, nämlich mehr Frauen in leitende Positionen im Vatikan zu berufen.

Dorothea Sattler / © Lars Berg (KNA)
Dorothea Sattler / © Lars Berg ( KNA )

DOMRADIO.DE: Die besagte Behörde spielt eine ziemlich große Rolle bei der Bestellung der Oberhirten. Sehen Sie darin ein größeres Signal, mehr Frauen, mehr Laien in Verantwortung zu holen? Oder ist das nur eine kleine organisatorische Sache?

Sattler: Es ist ein Bereich von hoher Wichtigkeit. Auch auf dem deutschen Synodalen Weg sind wir dabei, die Beteiligung von Frauen und Männern, von Laien bei der Auswahl von Bischöfen zu stärken. Insofern kommt das sehr entgegen. Der Papst hat jetzt offenkundig vor, in einem Kernbereich Frauen zu beteiligen.

DOMRADIO.DE: Das Erzbistum Paderborn hat auch vor, Laien an der Bischofswahl zu beteiligen. Das ist eine Idee, die auf den Synodalen Weg zurückgeht. In Deutschland wird der Bischof in vielen Bistümern gewählt und nicht durch Rom bestimmt. Denken Sie, dass das Ihrem Anliegen der Laien-Beteiligung einen Schub gibt?

Sattler: Auf jeden Fall. Wir fühlen uns dadurch bestärkt. Wir wollen insgesamt die Präsenz und die Sichtbarkeit von Frauen in allen Bereichen der Kirche stärken. Das kommt uns gut entgegen und stärkt die Perspektive.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat sich aber auch klar geäußert, dass eine Weihe von Frauen nicht infrage komme. Trotzdem holt er durch solche Entscheidungen Frauen immer in höhere Verantwortungspositionen. Denken Sie, dass sich dadurch doch noch etwas lockern kann?

Sattler: Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem Synodalen Weg gute Argumente vortragen können, die in dieser Frage weiterführen. Die Beteiligung an Beratungsgeschehnissen in der Kirche ist natürlich von der Frage zu unterscheiden, ob Frauen auch in sakramentale Weiheämter kommen können.

Aber es gibt auch Zusammenhänge. Wenn Frauen erst mal präsent sind, dann können sie auch wirken. Sie können allein durch ihre Präsenz die Frage wach halten. Dann brauchen wir gute theologische Argumente. Die gibt es. Letztlich schauen wir dann weiter.

DOMRADIO.DE: Der synodale Prozess in der Weltkirche steht auf der einen Seite. Der Synodale Weg in Deutschland auf der anderen Seite. Denken Sie, dass die deutschen Positionen kirchlich gestärkt werden können?

Sattler: Das habe ich schon im Sinn. Die Wirklichkeit spiegelt das auch wider. Wir finden hohe Aufmerksamkeit. Erst einmal äußern sich vielleicht diejenigen, die kritisch gestimmt sind. Aber es gibt eine noch schweigende Mehrheit.

Wir wollen vor allem in der theologischen Argumentation wirken. Aus meiner Sicht ist die Weltkirche nicht einfach nur die Kurie in Rom, sondern das sind auch die Fakultäten, die Universitäten weltweit und die Theologien. Die werden sich, so hoffen wir, in die Frage einmischen. Und sie sind auch Weltkirche.

DOMRADIO.DE: Der Papst wolle mit diesem Schritt "Frauen eine Chance geben". So hat er es gesagt. Manche regen sich auf, dass sei eine Herabwürdigung. Andere sagen, man möge so einen Halbsatz in einem mündlichen Interview nicht unbedingt zu sehr interpretieren. Wie sehen Sie das?

Sattler: Ich bin immer, so gut es geht, wohlwollend unterwegs. Es könnte gönnerhaft klingen. Man muss gucken, wie er es gemeint hat. Auf jeden Fall gilt auch erst mal die Tat. Ich denke, er hat wahrgenommen, dass sich etwas beim äußeren Erscheinungsbild der römisch-katholischen Kirche ändern muss. Und auch nicht nur im Erscheinungsbild. Vielmehr traut er offenkundig auch Frauen zu, segensreich bei den Entscheidungen mitzuwirken, wer ein guter Bischof ist.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

Papst will zwei Frauen in Kommission zur Bischofswahl ernennen

Papst Franziskus plant weitere hochrangige Posten in der Kurie mit Frauen zu besetzen. "Zum ersten Mal werden zwei Frauen in die Kommission zur Auswahl von Bischöfen in die Kongregation für die Bischöfe berufen", sagte er im am Mittwoch veröffentlichten Ausschnitt eines Interviews mit der Nachrichtenagentur Reuters. Ernannt werden Bischöfe aber weiterhin vom Papst.

Papst Franziskus mit Ordensfrauen  / © Riccardo De Luca (shutterstock)
Papst Franziskus mit Ordensfrauen / © Riccardo De Luca ( shutterstock )
Quelle:
DR