Theologe warnt vor politischem Missbrauch der Religion

"Stärkere Tendenz zum Nationalismus"

Wolfgang Palaver sieht in nationalen Bewegungen weltweit den Versuch, Glauben für Identitätspolitik zu nutzen. Der Theologe und Friedensforscher erkennt darin einen Trend, der gesellschaftliche Spannungen weiter verschärfen könnte.

„Stormy Donald“ heißt dieser Motivwagen des Mainzer Karnevalsvereins für den bevorstehenden Rosenmontag. Es zeigt den US-Präsidenten Donald Trump, der versucht eine sich windende Freiheitsstatue zu küssen, deren Mund mit einem "MAGA"- Band umschlungen ist. / © Boris Roessler/dpa (dpa)
„Stormy Donald“ heißt dieser Motivwagen des Mainzer Karnevalsvereins für den bevorstehenden Rosenmontag. Es zeigt den US-Präsidenten Donald Trump, der versucht eine sich windende Freiheitsstatue zu küssen, deren Mund mit einem "MAGA"- Band umschlungen ist. / © Boris Roessler/dpa ( dpa )

Der Innsbrucker Theologe und Friedensforscher Wolfgang Palaver fordert, das christliche Kreuz entschieden vor politischer und kultureller Instrumentalisierung zu schützen. 

In einem Interview mit der "Neuen Vorarlberger Tageszeitung" am Wochenende äußerte er sich besorgt über wachsenden Nationalismus, die Erosion des Völkerrechts sowie die zunehmende Vermischung von Religion und Politik – sowohl in den USA als auch in Europa.

Wolfgang Palaver sieht in nationalen Bewegungen weltweit den Versuch, Glauben für Identitätspolitik zu nutzen - ein Trend, der gesellschaftliche Spannungen weiter verschärfen könnte. / © Volker Hasenauer/KNA (KNA)
Wolfgang Palaver sieht in nationalen Bewegungen weltweit den Versuch, Glauben für Identitätspolitik zu nutzen - ein Trend, der gesellschaftliche Spannungen weiter verschärfen könnte. / © Volker Hasenauer/KNA ( KNA )

Mit Blick auf die Maga-Bewegung und deren religiöse Aufladung von Donald Trump sagte Palaver: "Trump als Auserwählten Gottes zu sehen, finde ich geschmacklos und wirklich schlimm." Zugleich sieht er in der Bewegung eine Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen, in denen Religion an Bedeutung verloren habe. Themen wie Schwangerschaftsabbrüche, traditionelle Familienbilder und die Vorstellung der USA als christliche Nation spielten dabei eine zentrale Rolle.

Warnung vor AfD

"Wir haben auf der ganzen Welt eine stärkere Tendenz zum Nationalismus", so Palaver. Problematisch sei dabei, dass eine universelle Religion in ein nationales Korsett gezwängt werde. Ähnliche Entwicklungen sieht er auch bei politischen Kräften in Deutschland und Österreich. Explizit nannte Palaver die ÖVP, FPÖ und die AfD. Das hänge damit zusammen, dass man Nationalismus wieder stärker traditionell sieht, so Palaver: "Weil wir zunehmend in einer pluralen Gesellschaft mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen leben, was Verunsicherung herbeiführt, sagen die Leute: Wir gehen zwar nicht in eine Kirche, aber uns ist wichtig, dass wir Christen sind und dass überall ein Kreuz hängt‘ – obwohl wir nicht wissen, was das bedeutet. Aber das Symbol muss sein."

Das Kreuz in der Schule  / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Das Kreuz in der Schule / © Elisabeth Schomaker ( KNA )

Bei Kreuzen in Klassenzimmern plädierte Palaver für mehr Eigenverantwortung: Klassen sollten zu Beginn des Schuljahres selbst entscheiden, ob und welche religiösen Symbole sie verwenden. Aus kirchlicher Perspektive könne es sogar sinnvoll sein, Kreuze abzuhängen, wenn sie politisch missbraucht würden. "Man muss das Kreuz vor politischem und kulturellem Missbrauch schützen." Zugleich betonte er die Bedeutung der Religionsfreiheit und äußerte Skepsis gegenüber pauschalen Verboten religiöser Ausdrucksformen, etwa beim Kopftuch.

Leo und die Weltpolitik

Scharf kritisierte Palaver die Missachtung des Völkerrechts durch politische Führer. "Putin und jetzt Trump - diesen ganz Mächtigen scheint das Völkerrecht völlig egal zu sein." Besonders problematisch sei die sprachliche Verharmlosung von Konflikten: "Ich sage da immer, man muss das klar ansprechen: Was Krieg ist, muss auch als Krieg benannt werden." Positiv hob er die klare Haltung von Papst Leo XIV. hervor, während er Europa – mit Ausnahme Spaniens – mangelnden Mut vorwarf.

Palaver war bis 2023 Professor an der Universität Innsbruck und ist seit 2025 OSZE-Beauftragter zur Bekämpfung von Intoleranz und Diskriminierung sowie Präsident von Pax Christi Österreich.

Quelle:
KNA