Theologe Schockenhoff zur Familiensynode

"Klare, vorbehaltlose Akzeptanz notwendig"

Politik, Kirche und Gesellschaft diskutieren über Familienbilder und Sexualmoral. Moraltheologe Eberhard Schockenhoff setzt auf die große Familiensynode im Oktober, erwartet aber keine grundsätzliche Neuausrichtung.

"Verlebenspartnert" mit Kind (dpa)
"Verlebenspartnert" mit Kind / ( dpa )

domradio.de: Wie schauen sie auf den Oktober, auf die große Familiensynode? Manchmal warnen ja viele Leute vor zu großen Optimismus, vor zu großen Erwartungen. Gehören sie auch zu denen, die eher bremsen?

Eberhard Schockenhoff (Moraltheologe): Als Theologe erwarte ich nicht, dass grundstürzend alles neu ausgedrückt wird. Für mich wäre ein positiver Ausgang der Synode natürlich sehr wünschenswert, weil das unter Beweis stellen würde, dass die katholische Kirche reformfähig ist, dass auch für sie gilt: Die Suche nach angemessenen Ausdrucksformen ihres Glaubens geht weiter. Aber für mich als Theologe zählen die Sachgründe für Positionen, die ich vertrete. Etwa für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, für einen achtsamen, anerkennenden Umgang auch mit Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften leben. Wenn das nun auch zu einer amtlichen Anerkennung durch die Synode führt, dann ist das gut. Aber, wenn das nicht gelingt, dann sind die Gründe nicht entwertet. Die gelten natürlich nach wie vor. Und deshalb kann ich dem mit einer gewissen Gelassenheit entgegensehen.

domradio.de: Also, Sie setzen auf die inhaltliche Argumentation und hoffen darauf, dass diese Synode auch Reformen hervorbringt.

Schockenhoff: Das ist die Aufgabe der Theologie, zu argumentieren, Gründe für die zu vertretenden Positionen anzuführen. Ich vertraue darauf und hoffe, dass auch eine möglichst große Mehrheit der Bischöfe sich diesen Gründen und diesen Sichtweisen des Glaubens anschließt.

domradio.de: Aber wenn aus Rom dann Signale kommen wie in diesen Tagen: Die Entscheidung in Irland, ein Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe, sei eine Niederlage für die Menschheit. Macht man mit solchen Überschriften nicht eine Diskussion eher kaputt, als dass man sie öffnet?

Schockenhoff: Das wäre nicht meine Sprache. Das ist sehr differenziert zu betrachten. Zunächst muss man einmal sagen, dass gleichgeschlechtlich empfindende Menschen das Recht haben, in ihrem Leben – und dazu gehört ja auch der Umstand, dass sie wie alle Menschen sexuelle Wesen sind – anerkannt zu werden. Das schließt natürlich auch die Form ihres Lebens ein. Die kirchliche Position -  dass man sie zwar als Person nicht diskriminiert und ihnen die schuldige Achtung erweist, aber ihre sexuellen Handlungen als in sich ungeordnet ansieht - das ist in sich keine überzeugende Position. Diese Position wird eben doch als latente Diskriminierung empfunden, auch, wenn das eigentlich nicht dem Anspruch der kirchlichen Lehre gerecht wird. Nur, wenn die Kirche hier zu einer klaren, vorbehaltlosen Akzeptanz dieser Menschen und ihrer Lebensformen findet - dann, wenn sie auf Treue gegründet ist - gilt ein Grundsatz, den die Moraltheologie heute so formuliert: Überall dort, wo Freundschaft, füreinander Eintreten und Verantwortlichkeit der Menschen gelebt werden, ist das moralisch achtenswert, gleichgültig, unter dem Vorzeichen welcher sexuellen Orientierung dies geschieht. Wenn das unzweifelhaft klar ist, dann kann man fragen, ob die Ehe die angemessene Form dafür ist oder ob nicht die Lebenspartnerschaft ein eigenständiges Institut ist. Wir haben das in Deutschland vor einigen Jahren geschaffen. Ich würde es für angemessen halten zu sagen: Diese eingetragene Lebenspartnerschaft verdient Wertschätzung und sie ist das angemessene Rechtsinstitut, um den Lebensraum zu sichern, den zwei gleichgeschlechtlich empfindende Menschen suchen und in der Öffentlichkeit auch finden. Ich meine, zum Verständnis der Ehe gehört, dass sie die Lebensgemeinschaft von Frau und Mann ist, weil aus ihr Kinder hervorgehen können. Das ist ihre einzigartige Bedeutung für die Gesellschaft. Das sollte man, meine ich, nicht nivellieren. Wenn man auf dieses Eigenprofil der Ehe hinweist, diskriminiert man dadurch nicht Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben. Im Übrigen bezweifle ich auch, ob der Ausdruck Homo-Ehe besonders wertschätzend ist. Das halte ich eher für eine sublime Abwertung. Deshalb würde ich die Frage stellen: Was wäre denn gewonnen, wenn wir jetzt Lebenspartnerschaften auch als Ehe bezeichnen?

Das Interview führte Johannes Schröer.


Quelle:
DR