Arbeitspapier der Bischofssynode vor Abschluss

Grundlage für nächste Debattenrunde

Nach der Bischofssynode im Oktober sind die Erwartungen an deren Fortsetzung im kommenden Herbst hoch. Nun wurde im Vatikan das Arbeitspapier dafür fertiggestellt. Es bestimmt die nächste Debatte und den weiteren Kurs des Pontifikats.

Bischofssynode (dpa)
Bischofssynode / ( dpa )

Die inhaltlichen Vorbereitungen für die zweite Welt-Bischofssynode zur künftigen Rolle der Familie stehen kurz vor dem Abschluss. Zwei Tage lang beriet der zuständige Bischofsrat über das Arbeitspapier, das die Grundlage der Beratungen vom kommenden 4. bis 25. Oktober bilden soll. Das "Instrumentum laboris" sei nach gründlicher Aussprache samt einigen Ergänzungs- und Verbesserungsvorschlägen dem Synodensekretariat zur Schlussredaktion übergeben worden, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. Es werde übersetzt und in wenigen Wochen veröffentlicht. Dem Vernehmen nach könnte das Dokument Mitte Juni erscheinen, vielleicht eher, vermutlich aber erst nach einer erwarteten Enzyklika zur Ökologie.

Ungewöhnlich und überraschend war, dass Papst Franziskus selbst an den Beratungen des Bischofsrates teilnahm, und sogar an beiden Tagen.

Papst begleitet Beratungen persönlich

Es zeigte, wie wichtig ihm das Bischofstreffen zu diesem für die Kirche zukunftsentscheidenden Thema ist und dass es Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Pontifikats haben dürfte. Das gilt umso mehr nach dem lebhaften, mitunter turbulenten Verlauf der ersten Familiensynode, dem außerordentlichen Bischofstreffen vom Herbst 2014. Die Tatsache, dass wenige Tage zuvor das katholisch geprägte Irland die Einführung der Homo-Ehe beschlossen hatte, unterstrich die Dringlichkeit einer vertieften Debatte.

Das Arbeitspapier wird die Themen und Fragen nennen, die für den Verlauf der kommenden Synode entscheidend sind. Mit Spannung erwartet man, wie dort das Festhalten an der katholischen Lehre zu Familie, Ehe und Sexualität mit dem Wunsch nach größerer Offenheit verbunden wird. Bei der Synode im vergangenen Herbst hatte es hierzu engagierte, mitunter heftige Diskussionen unter den 190 Mitgliedern gegeben.

"Neue pastorale Wege" gefordert

Damals hatte der Zwischenbericht zur Hälfte der Beratungszeit mit einer Öffnung überrascht, die mancher als "pastorales Erdbeben" empfand. Da wurden "neue pastorale Wege" angesichts von brüchigen oder gescheiterten Ehen gefordert. Da würdigte man an homosexuellen Partnerschaften auch die "gegenseitige Hilfe bis hin zum Opfer". Im zweiten Teil der Beratungen meldeten sich dann vernehmbarer jene Bischöfe zu Wort, die vor einem Abrücken von der Kirchenlehre warnten. Unter ihnen waren auch zahlreiche Afrikaner und Osteuropäer.

Der Schlussbericht war eine Art Kompromiss. Manche Positionen wurden zurückhaltender formuliert, andere zur vertiefenden Überprüfung an die Theologie verwiesen. Das Modell der Gradualität, wonach auch in Partnerschaftsformen, die der katholischen Lehre zuwiderlaufen, familiäre Werte gelebt werden könnten, tauchte nicht mehr auf.

Textpassagen zu einigen Streitpunkten - etwa zum Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene oder zur Haltung gegenüber Homosexuellen - erhielten nicht die Zweidrittelmehrheit. Dafür enthielt der Text, der zugleich das erste Vorbereitungspapier für die zweite Familiensynode bildete, eine breitere Darstellung der katholischen Lehre von Ehe und Familie.

Glaubensgut vereint mit menschlicher Realität

Die außerordentliche Synode habe "keine Türen zugeschlagen", hieß es in abschließenden Kommentaren. Papst Franziskus betonte in einer eindringlichen Schlussrede, die Kirche müsse sich vor "feindseliger Erstarrung" ebenso hüten wie vor einem "zerstörerischen Gutmenschentum" oder "falscher Barmherzigkeit" - womit er sich gleichermaßen an "Traditionalisten und Intellektualisten" sowie an "Progressive und Liberale" wandte. Man dürfe weder das Glaubensgut noch die menschliche Realität vernachlässigen.

Nach der außerordentlichen Synode hatten die Ortskirchen in einer neuen Fragebogenaktion Vorschläge für den weiteren Verlauf der Debatte in Rom eingereicht. Zugleich setzten Kardinäle, Bischöfe, Theologen und engagierte Laien aller Lager auf unterschiedlichsten Ebenen die Debatte um das Verhältnis von Wahrheit und Barmherzigkeit fort: Wie weit kann und darf die Kirche auf gesellschaftliche Gegebenheiten eingehen, ohne von der überlieferten Lehre abzuweichen und ohne ihr Profil zu verlieren? Das Arbeitspapier dürfte nun einige Antworten geben.

Autor/in:
Johannes Schidelko
Quelle:
KNA
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