Theologe Fechtner erwartet mehr Konkurrenz zwischen Kirchengemeinden

"Wir haben nicht mehr die Ressourcen"

Der Theologe Kristian Fechtner rechnet damit, dass Kirchengemeinden künftig stärker um knappe Finanzen konkurrieren werden. Sie könnten nicht mehr an allen Orten präsent bleiben und müssten lernen, lieb gewonnene Angebote einzustellen.

Autor/in:
Karsten Packeiser
Symbolbild Geldscheine und ein Taschenrechner / © Gajus (shutterstock)
Symbolbild Geldscheine und ein Taschenrechner / © Gajus ( shutterstock )

Kirchengemeinden werden nach Überzeugung des evangelischen Theologen Kristian Fechtner künftig Profile entwickeln, um sich von anderen abzuheben. Das werde auch zu mehr Konkurrenz zwischen einzelnen Gemeinden um die knappen finanziellen Mittel führen, sagte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Wir haben nicht mehr die Ressourcen, den einen etwas zu geben, weil es gut läuft, und den anderen noch mehr zu geben, weil es dort noch nicht so gut läuft."

Kristian Fechtner, evangelischer Professor für Praktische Theologie an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität. / © VDettmar/Uni Mainz (epd)
Kristian Fechtner, evangelischer Professor für Praktische Theologie an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität. / © VDettmar/Uni Mainz ( epd )

Lange Zeit seien die Kirchenleitungen davon ausgegangen, dass das System der Ortsgemeinden gewissermaßen ein "stabiler Untergrund" der Kirche bleibe. "Doch diese Form von Kirchlichkeit ist so nicht mehr durchhaltbar", warnte der Theologe, der an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität Praktische Theologie lehrt und Anfang Februar seine Abschiedsvorlesung vor dem Wechsel in den Ruhestand hielt. Das Prinzip "Kirche vor Ort" werde künftig nicht mehr bedeuten, dass die Kirche "an allen Orten" präsent bleibe.

Kirchenleitungen brauchen Unterstützung beim Aufhören

Der wachsende finanzielle Druck in den großen Kirchen, sich grundlegend zu reformieren, überfordert Fechtners Worten zufolge zunehmend Ehrenamtliche, hauptberufliche Kirchenmitarbeiter und selbst leitende Geistliche: "Immer soll man die Dinge erhalten und gleichzeitig komplett erneuern", sagte er. "Das ist einfach eine Zumutung." 

Kristian Fichtner

"Wir müssen in dieser Situation aber trotzdem handeln."

Es gelte, die Verantwortlichen darin unterstützen, dass sie mit bestimmten, allen wichtig gewordenen Dingen "wirklich aufhören". Die veränderte Lebenswirklickeit der Menschen werde wohl auch zur Folge haben, dass nicht mehr in jeder Kirchengemeinde sonntägliche Gottesdienste in der bisherigen Anzahl stattfinden.

Derzeit kenne er niemanden, der eine klare Vorstellung davon besitze, wie die Kirche in 20 Jahren aussehen werde, sagte der Theologe: "Wir müssen in dieser Situation - ohne dass wir ein festes Zukunftsbild haben - aber trotzdem handeln. Das ist genau die Situation, die die Menschen mürbe macht und die auch die Verantwortungsträger in eine Spirale der Überlastung bringt."

Kirchenstatistik 2024

Am 27. März 2025 haben die Deutsche Bischofskonferenz und die 27 (Erz- )Diözesen der katholischen Kirche in Deutschland die Kirchenstatistik für das Jahr 2024 veröffentlicht. Dabei handelt es sich um vorläufige Zahlen, die noch geringe Abweichungen erfahren können. In Deutschland machen die Katholiken 23,7 Prozent der Gesamtbevölkerung aus (19.769.237 Kirchenmitglieder).

Kirchturm hinter Bäumen / © Harald Oppitz (KNA)
Kirchturm hinter Bäumen / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
epd