Ist ein "Eintrittsgeld" für den Kölner Dom denkbar?

"Thema kommt immer wieder auf die Tagesordnung"

In manchen Ländern ist es fast normal, Eintritt für die Kirche zu bezahlen. Ab Herbst will man im Salzburger Dom fünf Euro "Erhaltungsbeitrag" erheben. In Köln hat man über einen solchen Obolus für den Dom auch schon nachgedacht.

Besuchergruppe im Kölner Dom / © NoyanYalcin (shutterstock)
Besuchergruppe im Kölner Dom / © NoyanYalcin ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Das Domkapitel beschäftigt sich auch immer wieder mit der Frage, ob man Touristen, die den Kölner Dom besichtigen möchten, nicht zur Kasse bittet. Wie ist da die offizielle Haltung?

Monsignore Guido Assmann (Kölner Dompropst): Das Thema kommt immer wieder mal auf die Tagesordnung. Wir haben für den Herbst vorgesehen, nochmal neu darüber zu sprechen und zu überlegen. Derzeit kann jeder, der den Kölner Dom besuchen möchte und wenn die Corona-Schutzvorgaen dies erlauben, den Dom außerhalb der Gottesdienste besuchen und besichtigen, ohne ein Eintrittsgeld zu zahlen.

DOMRADIO.DE: Im Salzburger Dom möchte man jetzt fünf Euro Erhaltungsbeitrag nehmen, um damit den "Overtourism", also den Übertourismus zu stoppen. Wäre die Salzburger Maßnahme vielleicht ein Vorbild für Köln?

Assmann: Ich finde, das sind zwei völlig zu trennende Argumente, die hier genannt werden. Das eine ist der Erhalt des Gebäudes. Der Kölner Dom kostet jeden Tag 33.000 Euro. Bisher kommen diese Gelder durch Kirchensteuerzuweisungen, vor allem aber durch Spenden, durch großzügige Gaben von Menschen, die den Kölner Dom unterstützen möchten,wie zum Beispiel durch den Zentraldombauverein, zusammen.

Es gibt auch eine Kulturstiftung, die nicht für den Bauerhalt zuständig ist, aber Kulturelles am Dom ermöglicht. Weil der Kölner Dom Weltkulturerbe ist, bekommen wir auch öffentliche Gelder. Bisher können wir damit das Gebäude erhalten und das Personal bezahlen. Wenn das nicht mehr möglich ist, dann müssen wir weitere, neue Finanzquellen erschließen.

Das andere Argument, was im Zusammenhang mit dem Salzburger Dom genannt wird, ist die Kanalisierung der Touristenströme durch ein Eintrittsgeld. Die Gleichung lautet hier also: hohes Eintrittsgeld gleich weniger Touristen. Das heißt aber wieder auf Köln gemünzt, man muss sich einen Besuch im Kölner Dom leisten können. Und das möchte das Domkapitel auf gar keinen Fall.

Diese Kirche ist von Bürgerinnen und Bürgern, von der Kirche, von öffentlichen Gebern, aber auch von Menschen anderer Konfession und Religion gebaut worden, um als Gotteshaus in der Mitte dieser Stadt zu stehen und alle Menschen zum Kommen einzuladen. Ich will und kann nicht ausschließen, dass man irgendwann gezwungen ist, darüber nachzudenken, aber keinesfalls, um nur den Menschen einen Besuch in der Kathedrale von Köln zu ermöglichen, die sich das finanziell leisten können.

DOMRADIO.DE: Die Gebühr in Salzburg ist Teil eines Maßnahmenpaketes. Das soll den Dom dort attraktiver machen, heißt es. Was macht das mit gläubigen Christen, wenn sie bezahlen müssen, um in eine Kirche reinzugehen?

Assmann: Das ist ein schwieriges Thema, das auch nicht so leicht zu lösen ist. Wenn 20.000 Menschen am Tag in den Kölner Dom kommen und wenn viele Hotel-Schiffe am Rhein anlegen, die nur wenige Stunden in Köln bleiben, dann ist das keine ruhige Gebetsatmosphäre. Dafür haben wir aber Möglichkeiten geschaffen, beispielsweise in der Sakramentskapelle, also im Dom nochmal einen eigenen Ort, an dem keine Führungen, keine Besichtigungen erlaubt und möglich sind. Das sind Möglichkeiten, wie man das etwas kanalisieren kann.

DOMRADIO.DE: Könnte es denn auch die Möglichkeit geben, Menschen, die den Dom zum Beten aufsuchen wollen oder um nur eine Kerze aufzustellen, reinzulassen und die Touristen gegen eine Gebühr und mit einer Führung rein zu bitten und das so zu trennen?

Assmann: Ich denke, dass ist sehr schwierig. Wo will man da die Grenze ziehen? Das war jetzt schon während der Corona-Pandemie für die Domschweizerinnen und Domschweizer schwierig, die täglich Menschen willkommen heißen, aber auch für die Ordnung und für die Sicherheit sorgen. Museen und damit auch das Weltkulturerbe waren in der Corona-Zeit für Besichtigungen nicht geöffnet.

In der Corona-Zeit mussten die Domschweizerinnen und Domschweizer fragen: Was ist ihr Wunsch? Und nicht jeder hat gesagt "Ich möchte eine Kerze anmachen, ich möchte Beten". Die wurden selbstverständlich reingelassen, bis zu einer Anzahl von 130 auf einmal in einem bestimmten Bereich oder bis  zu 250 in einem Gottesdienst. Manche fanden das unmöglich, dass sie gefragt werden. "Was will ich denn schon im Dom? Natürlich Beten, was fragen Sie mich das überhaupt?"

Das zu unterscheiden, finde ich, ist sehr schwierig. Es gibt nicht nur schwarz-weiß. Auch ein Tourist, der kommt, kann ja ein tief gläubiger Mensch sein, der etwas vom Bau erklärt bekommen möchte oder mit einer Gruppe anreist, weil er aus einem anderen Land kommt und einen Zwischenstopp in Köln macht.

Unser Glaube ist nicht exklusiv. Wenn wir sagen, nur Katholiken, nur fromme Menschen kommen rein, wie will man das messen? Das kann man ja gar nicht. Und das wollen wir auch gar nicht. Christus hat gesagt "Geht in die ganze Welt und verkündet". Und wenn die Welt zu uns kommt und wir damit durch den Raum verkünden können, den Menschen begegnen, dann ist das ein ganz hohes Gut.

DOMRADIO.DE: Wie finden Sie es persönlich, wenn Sie in eine Kirche nur gegen eine Gebühr rein dürften?

Assmann: Ich persönlich lehne das grundsätzlich ab. Ich kann es aber nachvollziehen, dass in Ländern, in denen es keine Kirchensteuer und keine öffentlichen Gelder gibt und in denen große Bauten stehen, die sich die kleinen Gemeinden gar nicht leisten können, aus Solidarität auch eine Gabe gegeben wird.

Manche umgehen es ein kleines bisschen. Sie sagen, natürlich könne die Kirche kostenfrei besucht werden. Aber für das Museum wird dann ein Eintritt verlangt. Und dann kommt man aber nur durch das Museum in die Kirche. Das sind kleine Möglichkeiten, aber ich bin sehr dankbar und froh, dass wir das im Kölner Dom so noch nicht haben.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Kölner Dompropst Msgr. Guido Assmann / © Jennifer Rumbach (Hohe Domkirche zu Köln, Dombauhütte)
Wegen der begrenzten Besucherzahl bilden sich Warteschlangen vor dem Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Wegen der begrenzten Besucherzahl bilden sich Warteschlangen vor dem Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR
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