Technikethiker analysiert Rolle von KI in Beruf und Religion

Wo die KI helfen kann und wo nicht

Was macht die Künstliche Intelligenz mit uns? Dazu tagt an diesem Wochenende eine Konferenz unter Schirmherrschaft von Kardinal Woelki. Armin Grunwald hält dabei einen Vortrag über die ethischen Aspekte der KI und ihre Auswirkungen.

Symbolbild Roboter in der Pflege / © Miriam Doerr Martin Frommherz (shutterstock)
Symbolbild Roboter in der Pflege / © Miriam Doerr Martin Frommherz ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Die künstliche Intelligenz zieht in unseren Alltag ein und macht Dinge möglich, die vorher nicht gingen. Leider oder zum Glück?

Armin Grunwald ist Professor für Technik-Ethik in Karlsruhe und wohnhaft in Köln-Klettenberg / © Beatrice Tomasetti (DR)
Armin Grunwald ist Professor für Technik-Ethik in Karlsruhe und wohnhaft in Köln-Klettenberg / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Prof. Dr. Armin Grunwald (Lehrstuhl für Technikphilosophie und Technikethik am Karlsruher Institut für Technologie / KIT und Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag): Ich bin gar nicht sicher, ob man manches wirklich nicht schon vor Jahrzehnten gekonnt hätte, aber mit künstlicher Intelligenz geht vieles unvergleichlich viel besser.

Zunächst ist es immer ein Gewinn, wenn wir Menschen mit Technik etwas können, was wir früher nicht gekonnt haben und wir um eine oder mehrere Optionen reicher sind, etwas zu tun.

Freilich kommen dann die Fragen, was wir damit machen, wozu wir es nutzen und welche Folgen es für uns hat. Dazu stellen sich auch ethische Fragen, wo es hingeht oder die Frage nach der Zukunft.

DOMRADIO.DE: Manche Berufe werden durch den Fortschritt im Bereich KI nicht mehr gebraucht. Ist das vergleichbar mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert, als Maschinen unsere Arbeit übernommen haben?

Grunwald: In gewisser Hinsicht schon. Auch damals sind Berufe auf der Strecke geblieben. Es wurden ganze Berufsgruppen durch die entstehenden technischen Anlagen ersetzt. Ich erinnere an die Weberaufstände vor etwa 200 Jahren. Den Menschen wurde ihr Handwerk quasi entzogen und damals gab es keine Sozialversicherungssysteme. In dieser Situation war Not, vielleicht sogar Hungersnot angesagt.

In der Tat ist es auch heute auf dieser Ebene eine Transformation. Ein Unterschied ist, dass diese Transformation mit der Digitalisierung schneller läuft. Das heißt, die Menschen müssen heute noch schneller in der Lage sein, neue Dinge zu lernen, umzuschulen, neue Berufe zu lernen, um sich auf neue Herausforderungen und Möglichkeiten einlassen zu können.

Prof. Dr. Armin Grunwald

"KI kann nicht denken, nicht handeln, nicht entscheiden. Erst recht nicht im menschlichen Sinne."

DOMRADIO.DE: Manche fragen sich in dem Zusammenhang, was sie noch wert sind, wenn vieles eine KI übernehmen kann? Sind das berechtigte Zukunftsängste?

Grunwald: Die Frage finde ich komisch. Ich glaube, diese Ängste kommen nur aus dem Wort "Intelligenz". Künstliche Intelligenzen sind keine neuen Lebewesen, sondern es sind Algorithmen, die etwas mit Daten machen können. Das sind statistische Rechenverfahren.

KI kann nicht denken, nicht handeln, nicht entscheiden. Erst recht nicht im menschlichen Sinne. KI rechnet und dann kommt etwas heraus, das oft wirklich erstaunlich gut ist. Aber das nimmt mir nichts von meiner menschlichen Würde und von meinen Eigenschaften.

DOMRADIO.DE: Aber die KI entzieht einem vielleicht die berufliche Existenzgrundlage.

Grunwald: Das ist ein anderes Thema. Da sind wir beim Arbeitsmarkt. In der Tat ist die KI ein wunderbares Hilfsmittel für viele Dinge, wie zum Übersetzen, Schreiben oder in der Medizin. Dadurch geraten klassische Berufe unter Druck oder sind es schon.

Es entstehen aber auch neue Berufe. Daher kommt es viel mehr darauf an, diesen Wandel zu gestalten. Das ist produktiver als Grundsatzfragen zu stellen, wie zum Beispiel, ob der Arbeitsmarkt in 50 oder schon in 30 Jahren wegen der KI zusammenbricht.

Prof. Dr. Armin Grunwald

"Da hilft uns KI nicht. Von daher glaube ich, dass sich an der Rolle von Religion und Kirche durch KI nichts weiter ändert."

DOMRADIO.DE: Braucht eine Welt voller KI noch Religion?

Grunwald: Wenn ich meinen Satz von eben ernst nehme, dass KI aus statistischen Rechenverfahren besteht, dann hat KI mit Fragen nach Sinn, Schuld, Vergebung, Trost, Vertrauen oder Hoffnung nichts zu tun. 

Dafür gibt uns die Religion - mir persönlich das Christentum - so viele Schätze an die Hand, wie wir trotz aller Schwierigkeiten unser Leben gestalten können und wie wir Sinnfragen immer wieder beantworten können. Da hilft uns KI nicht. Von daher glaube ich, dass sich an der Rolle von Religion und Kirche durch KI nichts weiter ändert.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR