Studie: Zuhause sterben bleibt für viele ein unerfüllter Wunsch

Immer mehr Menschen sterben im Heim

Die meisten Menschen möchten laut einer Studie zu Hause  - am liebsten im Kreise ihrer Angehörigen - sterben. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Gut 75 Prozent sterben hierzulande derzeit im Pflegeheim oder Krankenhaus. Tendenz steigend. 

Unterstützung im Krankenhaus / © BBT-Gruppe/Harald Oppitz (KNA)
Unterstützung im Krankenhaus / © BBT-Gruppe/Harald Oppitz ( KNA )

Zwei von drei Deutschen möchten zu Hause sterben, aber gut 75 Prozent der Menschen sterben hierzulande derzeit im Pflegeheim oder Krankenhaus. Das geht aus einer repräsentativen Allensbach-Umfrage für den DAK-Pflegereport 2016 hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Von den rund 1.500 Befragten wünschten sich 16 Prozent im Hospiz, vier Prozent im Krankenhaus und zwei Prozent im Pflegeheim zu sterben. Zum Vergleich: Laut Report starben vor mehr als 20 Jahren noch 32 Prozent der Menschen zu Hause und 22 Prozent im Heim. Der Anteil derer, die im Krankenhaus starben bleibt mit 40 Prozent ungefähr gleich.

Als Gründe für ein Sterben in den eigenen vier Wänden nannten die Befragten, dass die gewohnte Umgebung das Sterben erträglicher und würdiger mache und die familiäre Begleitung enger sei. Allerdings sagten gut zwei Drittel, dass das eigene Heim für Alleinstehende kein guter Ort zum Sterben sei. Laut Pflegereport starb im Krankenhaus jeder fünfte, im Pflegeheim sogar jeder Dritte allein. Zu Hause waren demnach nur sieben Prozent zum Zeitpunkt des Todes ohne Begleitung.

Mehr Unterstützung bei Pflege nötig 

Mehr als jeder Dritte Befragte gab an, dass er sich zutrauen würde, einen Menschen bis zum Tode zu pflegen. Bei pflegenden Angehörigen waren es sogar 64 Prozent. Viele nannte allerdings als Bedingung professionelle Unterstützung oder die Hilfe von Angehörigen und Ehrenamtlichen.

Nach Einschätzung des Freiburger Pflegeexperten Thomas Klie, der die Studie betreute, sind viele Krankenhausaufenthalte vor dem Tod vermeidbar, etwa durch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Pflegediensten, Krankenhäusern, Notdiensten und den Familien. Dies würde auch Kosten vermeiden, da derzeit rund 83 Prozent der Gesamtaufwendungen der Kassen für Menschen im letzten Quartal vor ihrem Tod an Krankenhäuser gingen.

Angehörige entlasten 

Um die Krankenhauseinweisungen zur reduzieren müsse aber die ambulante Versorgung neu organisiert werden, so Klie. Zudem müssten pflegende Angehörige systematisch beraten und entlastet werden. Der Vorsitzenden der DAK-Gesundheit, Herbert Rebscher, forderte hierfür das vor einem Jahr beschlossene Hospiz- und Palliativgesetz rasch umzusetzen. Bislang sei die palliative Versorgung noch nicht in der Bevölkerung "angekommen".

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach sich anlässlich der Studie für einen "Rechtsanspruch auf Hospizleistungen für Heimbewohner mit entsprechendem Bedarf" aus: "Jährlich sterben 350.000 Menschen in Pflegeheimen, davon haben mehr als 200.000 einen hospizlichen und palliativen Bedarf", sagte Vorstand Eugen Brysch. Das neue Hospiz- und Palliativgesetz gebe darauf keine Antwort. Es fehle an eigenen Palliativteams in den 13.000 Pflegeheimen. "Stationäre Hospize erhalten von den Sozialkassen 8.000 Euro monatlich für jeden Sterbenden. Das ist viermal mehr als für die Sterbebegleitung in einem Pflegeheim derzeit zur Verfügung steht", kritisierte Brysch.

Quelle:
KNA
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