Die Philosophie des Todes aus humoristischer Perspektive

Durchaus miteinander verträglich

Humor und Tod - was auf den ersten Blick so unvereinbar miteinander scheint, ist es gar nicht. Gerade angesichts des Todes darf befreiend gelacht werden.

Gedenke deines Todes - mit Humor / ©  Stefano Dal Pozzolo (KNA)
Gedenke deines Todes - mit Humor / © Stefano Dal Pozzolo ( KNA )

"Der Tod hat Humor", heißt es im Roman "Sophia, der Tod und ich" von Thees Uhlmann. Aber haben auch wir Humor im Umgang mit dem Tod? Auf den ersten Blick scheinen Tod und Humor miteinander nichts zu tun zu haben. Beim Gedanken an den Tod, beim Verlust geliebter Menschen, beim Mitgefühl mit Hinterbliebenen bleibt uns normalerweise das Lachen im Halse stecken. Über Verstorbene soll man keine Witze machen. Das Lachen beim "Leichenschmaus" wirkt oft pietätlos, und auch im Sterbezimmer herrscht in der Regel beklemmender Ernst.

Aber sind Ernst, Betroffenheit und Erschütterung die einzigen angemessenen Reaktionen gegenüber dem Tod? Schließen Tod und Humor sich gegenseitig aus, oder gehören sie vielleicht im Innersten zusammen? Dass Tod und Humor durchaus miteinander verträglich sind, lässt sich an zahllosen Sprüchen und Witzen demonstrieren: "Wenn der Tod kommt, ist Sense"; "Sterben wäre nicht so schlimm, wenn man am nächsten Tag nicht so kaputt wäre!"; "Das Leben wird schließlich mit dem Tode bestraft" - letzteres eine Weisheit aus der Feder Wilhelm Buschs.

Über den Tod lachen

Witze über den Tod können Angst, Aggression und Verdrängung zum Ausdruck bringen. "Herr Doktor, können Sie mir helfen?", fragt der Patient. "Hm, ja, ich verschreibe Ihnen erst mal ein paar Moorbäder." "Und die helfen?" "Nein", erwidert der Arzt, "aber so gewöhnen Sie sich schon mal an die feuchte Erde." Ein Witz, der uns zugleich mit dem Tod konfrontiert und uns auf Distanz zu ihm bringt.

Wir schwanken: Sollen wir uns mit dem Patienten oder dem Arzt identifizieren? Ein Witz, der uns unser Todesschicksal relativ drastisch vor Augen hält - auf uns wartet das kalte, feuchte Grab - und der uns zugleich einen, wenn auch schwachen, Trost anbietet: dass man nach dem Tod noch etwas empfindet, vielleicht sogar etwas, das sich entfernt mit einer Kurpackung vergleichen ließe.

Witze und humorige Sprüche über den Tod gibt es viele; philosophische Reflexionen über den Zusammenhang zwischen Tod und Humor aber nicht. Wirft man einen humoristischen Blick auf die philosophischen Erörterungen über den Tod, dann zeigt sich jedoch, dass einige davon aus einem humorvollen Geist hervorgegangen sind.

Die Absurditäten des Todes

An erster Stelle ist dabei an Epikur (342/41-271/70 v. Chr.) zu denken. Geradezu schelmisch liest sich seine Empfehlung, man solle den Tod als ein Nichts und die Todesfurcht als überflüssig betrachten. "Der Tod ist für uns ein Nichts. [...] Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr." Warum sollten wir etwas im Voraus fürchten, was uns, wenn es eingetreten ist, gar nichts mehr anhaben kann? Todesfurcht wäre demnach genauso absurd wie eine Friedhofsmauer, von der Mark Twain (1835-1910) erklärt, nichts sei überflüssiger, denn "die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein".

Wer denkt, man könne dem Tod mit einem Bonmot den Stachel ziehen, drückt damit gewiss ein zu großes Vertrauen in die Kraft der Worte aus. Aber dass man dem Tod mit Witz begegnen solle, dass Humor im Umgang mit dem Tode durchaus angemessen sein kann, ist doch nachvollziehbar.

Seneca (4 v.-65 n. Chr.) vergleicht den Tod mit der Zeit vor unserer Geburt und fragt: Wäre es nicht töricht zu glauben, einer Lampe gehe es schlimmer, wenn sie gelöscht ist, als bevor sie angezündet wird?

Bezauberndes Wagnis

Selbst Sokrates (469-399 v. Chr.), der aufrecht und geradezu freudig in den Tod geht, würzt seine Lehre von der Unsterblichkeit der Seele mit humorvollen Einsprengseln. Wem es im Leben nicht gelungen ist, sich von der Anhänglichkeit an das Irdische zu befreien, dessen Seele werde nach dem Tod in dunklen Nächten "um die Denksteine und Gräber" irren oder in einem nächsten Leben als Esel oder Schlimmeres wiedergeboren werden.

Hätte er recht, müsste die Erde inzwischen überwiegend von Eseln bevölkert und die Menschheit fast ausgestorben sein. Auf den Friedhöfen müsste es in dunklen Nächten in ungeahntem Ausmaß spuken. Bei allem Glauben an ein Weiterleben, darf man das Augenzwinkern nicht übersehen, wenn Sokrates erklärt, dieser Glaube sei es "wert, dass man es wagt, sich ihn zu eigen zu machen; denn schön ist dieses Wagnis, und wir brauchen ja so etwas, gleichsam um uns damit zu bezaubern".

Der Mensch und die Auster

Aber auch ohne Jenseitsglauben finden Philosophen zu humorigen Gedanken über den Tod. Aus der Perspektive des großen Ganzen, des Weltalls oder der Natur, so erklärte David Hume (1711-1776), erscheint das menschliche Leben nicht bedeutender als das einer Auster. Ob ich lebe oder nicht: "Für das Ganze wird der Unterschied nicht größer sein als" der Unterschied "zwischen meinem Aufenthalt im Zimmer oder im Freien." Auch wenn für uns persönlich der Unterschied zwischen Leben und Tod von größerer Bedeutung sein mag.

"Memento mori"

Man sagt: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht!" Im Angesicht von Tod und Sterblichkeit zu lachen: Das kann ein schadenfrohes Lachen sein, ein leugnendes, ein verdrängendes oder ein befreiendes Lachen. Aber im besten Fall ist Humor eine Steigerung des Todesernstes. "Memento mori", "Bedenke, dass du sterblich bist" - das ist eine tiefe Weisheit. Aber noch weiser ist es vielleicht, die Sterblichkeit zu bedenken und darüber zu lachen. Eines lehrt uns sowohl der Tod als auch der Humor: uns selbst und unser Geschick nicht zu wichtig zu nehmen. Und die Art von Humor, die uns das lehrt, hat ihre Wurzeln im Bewusstsein des Todes, im Wissen um unsere Sterblichkeit.

Die tiefsten Witze sind die, die aus diesem Geiste entstehen, die den Tod nicht ausblenden, sondern einbeziehen. Der tiefste und weiseste Humor ist der, der im Umgang mit dem Tod, mit Vergänglichkeit und Trauer entwickelt wird - ohne in Albernheiten oder Zynismus umzuschlagen. Das Wissen um den Tod ist die Quelle sowohl des tiefsten Ernstes als auch des tiefsten Humors. Im Todesbewusstsein und in der Trauer hat auch der Humor einen angestammten Platz.

 Hans-Joachim Pieper


Quelle:
KNA