Sternberg und Overbeck loben Papstschreiben "Amoris Laetitia"

"Chance zur Annäherung"

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Sternberg, sieht im neuen lehramtlichen Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie einen Durchbruch hin zu mehr Offenheit. Lehre und Praxis könnten sich so wieder annähern.

Amoris Laetitia / © Cristian Gennari (KNA)
Amoris Laetitia / © Cristian Gennari ( KNA )

Das Revolutionäre sei, dass sich der scharfe Bruch zwischen dem Leben der Gläubigen und der kirchlichen Lehrverkündigung verringere, sagte Sternberg am Montagabend in der katholischen Akademie "Die Wolfsburg" in Mülheim an der Ruhr. "Die Probleme werden gesehen, jetzt besteht die Chance zu einer Wiederannäherung von Lehre und Praxis", sagte Sternberg über das am 8. April veröffentlichte Schreiben "Amoris Laetitia" (Die Freude der Liebe) über die Liebe in der Familie.

Als Vertreter des höchsten repräsentativen Gremiums des deutschen Laien-Katholizismus begrüßte er, dass jetzt eine Beleuchtung des Einzelfalls "unter dem Primat der Barmherzigkeit" möglich sei, etwa im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Das sei nicht neu, aber es bringe die traditionellen Prinzipien anders zur Geltung.

"In der Welt angekommen"

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck erkennt in dem Papier "Amoris Laetitia" eine neuen Stil, das Lehramt wahrzunehmen. "Wir sind mit dieser Schrift in der Welt angekommen", betonte Overbeck, der auch Sozialbischof der katholischen Kirche ist. Man könne sie als einen Versuch deuten "nach dem Ende der Volkskirche neu eine Kirche im Volk zu definieren". In einer postmodernen Welt und in Zeiten der Globalisierung dürfe es nicht mehr so zentral um das sechste Gebot (Ehebruch) und die Sexualmoral gehen, sondern um viele andere Fragen wie etwa die Definition von Sünde und Schuld.

Der Essener Ruhrbischof rief dazu auf, nicht weiter auf dem Scherbenhaufen der Geschichte herumzureiten, sondern das päpstliche Schreiben als Anregung zum Neuanfang zu begreifen. Das gelte für viele kirchliche Tätigkeitsfelder wie etwa die Arbeitswelt, Frauen- und Familienarbeit, Kirchenmusik oder die Liturgie. "Wir leben an der Schwelle zu einer neuen Kultur", erklärte Overbeck, auch wenn Lösungen in einem längeren Prozess erst noch gefunden werden müssten. Viele Formen kirchlichen Lebens stammten aus den letzten beiden Jahrhunderten und hätten vor allem für Jüngere keine Relevanz mehr.


Quelle:
epd